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18. Mai 2015 08:31 Uhr

Hexental/Batzenberg

Carsharing: In der Stadt ein Hit, auf dem Land ein Flop

Was in Städten längst läuft, will auf dem Land nicht recht funktionieren: In der Region rund ums Hexental und den Batzenberg hat Carsharing noch einen schweren Stand. Das soll sich ändern.

  1. Michael Nowack, Chef des Freiburger Carsharing-Anbieters Stadtmobil, ist begeistert vom Konzept der geteilten Mobilität. Foto: Thomas Kunz

Im Dezember hatte der Auer Gemeinderat beschlossen, zu prüfen, ob sich genug Interessenten für die Stationierung eines Carsharing-Fahrzeugs finden würden. Zum Info-Abend Ende April verirrten sich aber gerade einmal drei Bürger in das Bürgerhaus, um den Ausführungen von "Stadtmobil"-Mitbegründer Matthias-Martin Lübke zu lauschen. Mit dem geteilten Auto, das für viele Städter immer selbstverständlicher wird, tut man sich auf dem Lande noch schwer. Und das nicht nur in Au. Wir haben uns umgeschaut, wie der Stand in den Gemeinden ist.

Das Konzept
"Man muss sich um nichts kümmern", benennen Iris Papke und Patrick von Stackelberg einen der vielen Vorteile des geborgten Kraftfahrzeugs. Keine Werkstatt , kein TÜV, keine laufenden Kosten. Sie wohnen in Au, haben kein Auto, sind seit rund 20 Jahren Mitglied bei Stadtmobil Südbaden beziehungsweise dem 1991 zunächst als Verein gegründeten Vorläufer der heutigen Aktiengesellschaft und wünschen sich ein Fahrzeug für ihre Heimatgemeinde. Denn das nächste Auto zum Teilen steht in Merzhausen. Carsharing sei praktisch, da man sich für jeden Anlass ein passendes Fahrzeug aussuchen könne – vom Van für den Gruppenausflug bis zum Kombi für den Möbelkauf. "Und Carsharing hat auch einen Spaßfaktor", betont Papke, denn in der knapp 180 Fahrzeuge umfassenden Firmenflotte des Freiburger Anbieters gibt es auch flotte Sportwagen oder Cabriolets zu leihen.

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Merzhausen
Bei den direkten Nachbarn in Merzhausen stehen seit 2008 sogar zwei Fahrzeuge – eines zentral am Rathaus und eines im Wohngebiet an der Alten Straße. "Die Gemeinde stand der Einrichtung der Plätze von Anfang an positiv gegenüber", erinnert sich der Leiter des Merzhauser Ordnungsamtes, Ralf Baumgarten. Ebenfalls positiv aufgenommen wird das Angebot offenbar von den Merzhauser Bürgern. Rund 50 sind Mitglied bei Stadtmobil Südbaden, heißt es aus dem Rathaus.

Ebringen/Schallstadt
Kaum ein Jahr hatte sich das Carsharing-Auto am Ebringer Bahnhof gehalten. Das Fahrzeug des Waldkircher Anbieters "Grüne Flotte" war im Mai 2012 auf Initiative eines Schallstadter Bürgers aufgestellt worden, der gehofft hatte, durch den "in der Mitte" gewählten Fahrzeugstellplatz Nutzer aus Schallstadt und Ebringen für das Fahrzeugteilen gewinnen zu können. Offenbar vergeblich. Bereits zu Beginn des Jahres 2013 war das Auto wegen Unrentabilität abgezogen worden. "Vielleicht war der Standort für die Ebringer Bürger zu weit außerhalb der Gemeinde. Ein zentralerer Standort, beispielsweise bei der Schönberghalle, würde sich besser anbieten", versucht Hauptamtsleiter Daniel Moll eine Diagnose.

Einen neuen Anlauf will man in Schallstadt unternehmen. Hier, so Bürgermeister Jörg Czybulka, habe sich ein entsprechender Arbeitskreis zusammengefunden, dem neben ihm selbst auch Gerhard Fichter und Hajo Frings vom Bürgerforum Mengen, Werner Zehetner von der Firma Energiedienst und Matthias-Martin Lübke von Stadtmobil Südbaden angehören. Da die Gemeinde bereits über zwei Elektrotankstellen sowie ein E-Mobil verfüge, würde man Fahrzeugen mit Elektromotor den Vorzug geben. Je nach Nachfrage, so Czybulka, würde die Gemeinde aber auch Flächen zur Aufstellung konventioneller Fahrzeuge anbieten.

Pfaffenweiler
Erst vor kurzem hat Pfaffenweiler seine Klimaschutzerklärung verabschiedet. Auch ein Aufruf zum Umdenken in Sachen Individualverkehr ist hier zu finden. Allerdings, so Hauptamtsleiter Harry Schumacher, sei man noch am Anfang der Planung. Zunächst einmal soll der Klimaschutzbeirat aufgestellt werden. Dieser berate, wann welche Maßnahme umgesetzt werde. "Noch sind wir beim Carsharing nicht aufgestellt", so Schumacher.

Horben
Kein Thema sei derzeit das Carsharing-Konzept in Horben, heißt es aus dem Rathaus. Trotz oder wegen der Abgelegenheit der 1000-Seelen-Gemeinde wurde hier bisher weder von Verwaltungs- noch von Bürgerseite laut über das Autoteilen nachgedacht.

Ehrenkirchen
Gleich drei Autos zum Borgen stehen in Ehrenkirchen. Pionierarbeit hat hier der bereits im Jahre 1993 gegründete Verein Mobil-Gemeinschaft Staufen e. V. geleistet – zusammen mit Mathias-Martin Lübke und zu Zeiten, als Stadtmobil Südbaden selbst noch ein junges und vereinsmäßig organisiertes Unternehmen war. Die Mobil-Gemeinschaft Staufen, die neben Bürgern aus Ehrenkirchen seit 2003 auch Bad Krozingen mit ins Boot geholt hat, hat derzeit rund 70 Mitglieder sowie die Gemeindeverwaltungen Staufen und Bad Krozingen und einige private Unternehmen als Gruppennutzer.

Sölden
Noch jung ist das Carsharing in Sölden. Hier war das Konzept im Mai 2013 auf der Bürgerversammlung vorgestellt und bereits im September desselben Jahres ein Fahrzeug auf dem Lindenplatz aufgestellt worden. Von Anfang an hatte sich ein knappes Dutzend Söldener für das Modell des Fahrzeugteilens interessiert, darunter auch solche, die bereits Mitglied bei Stadtmobil Südbaden waren. Derzeit sind zehn Söldener Mitglied. Im Durchschnitt einmal täglich wird der Kleinwagen gebucht. "In Freiburg werden die Autos drei Mal täglich genutzt", so Matthias-Martin Lübke. Auf dem Lande sei also durchaus noch Luft nach oben.

Au
Trotz Enttäuschung über das geringe Interesse am Info-Abend möchte Aus Bürgermeister Jörg Kindel die Flinte in Sachen Carsharing nicht ins Korn werfen, zumal sich in Vorgesprächen deutlich mehr als drei Bürger für das Modell interessiert hätten. Also wird es am Donnerstag, den 11. Juni eine erneute Veranstaltung geben, bei der Mathias-Martin Lübke das Prinzip des Autoteilens vorstellen wird. Denn die "nachhaltige Strategie", die das Unternehmen anstrebt, geht nur "zusammen mit den Leuten", betont Lübke.

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Autor: Julius Steckmeister