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04. März 2009 15:54 Uhr

Nach dem Brand an der Hexentalschule

Der erste Unterrichtstag

MERZHAUSEN. Der erste Unterrichtstag an der Hexentalschule nach dem Brand war kein Tag wie jeder andere. Heute morgen gab es eine Vollversammlung aller 270 Schüler und Lehrer auf dem Schulhof.

  1. Brigitte Preugschat, Sonja Rees und Claudia Hoch (von links) in ihrer „Einsatzzentrale“. Foto: Gallien

Außerdem fand die Verteilung in die provisorischen Klassenzimmer statt, Unterricht gibt es in dieser Woche nur von 8.30 Uhr bis 12.10 Uhr. So weit wie möglich soll nächste Woche wieder nach Stundenplan unterrichtet werden. Damit das klappt, hat die Schulleitung alle Hände voll zu tun. Ihre "Einsatzzentrale" ist ein Zimmer in ersten Stock des Rathauses.

Auf engem Raum sitzen hier Schulleiterin Brigitte Preugschat, Konrektorin Claudia Hoch und Sekretärin Sonja Rees zusammen. Hand in Hand geht die Arbeit, Absprachen werden auf Zuruf getroffen und immer wieder steht eine Kollegin in der Tür, berichtet, was in den provisorischen Klassenräumen fehlt, fragt nach Veränderungen im Stundenplan oder ist einfach nur auf der Suche nach Tesafilm. "Erst wenn man aus der Routine herausgerissen ist", sagt Brigitte Preugschat, "weiß man, was alles zur Routine gehört". Tesafilm und Locher zum Beispiel, Klassenlisten, Telefonverzeichnis und Stundenplantafel, alles liegt in der Schule und die darf derzeit niemand betreten – aus Sicherheitsgründen.

Nur einmal konnte Brigitte Preugschat in Begleitung der Polizei für wenige Minuten in ihr Zimmer, nur einen Ordner mit Listen der künftigen Schulanfänger, Schul- und Eingangsstempel oder die Grundschulempfehlungen, die jetzt abgeschickt werden müssen, hat sie herausholen können. "Wir haben ja jetzt nicht mal Kreide", schildert Claudia Hoch das Dilemma der Schule.

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Doch auch wenn man fast bei Null anfängt, kann man eine Menge auf die Beine stellen. Das wird in Merzhausen derzeit eindrucksvoll demonstriert: Brigitte Preugschat ist dankbar für die Unterstützung aus dem Merzhauser Rathaus, für Hilfsangebote wie die 14 Laptops für die Projektprüfung, die bereits eingetroffen sind, für die Hilfe aus anderen Schulen wie die zehn Tische und 20 Stühle, die das Goethe-Gymnasium der Hexentalschule geschenkt hat. Brigitte Preugschat ist stolz auf die Eltern und vor allem auf ihr Kollegium. "So traurig das ganze Ereignis ist, es zeigt auch, wie toll unser Team ist", sagt sie. Jeder packt mit an, wo es nötig ist, Kollegen haben Kontakt zu Schulbuchverlagen aufgenommen, um möglichst schnell neue Bücher zu bekommen, klären ab, wie die Räume im Haus der Vereine möglichst schnell in Klassenzimmer für die Hauptschüler verwandelt werden können. Inge Reinerts Klasse etwa wird das Jugendcafé beziehen. Mit Jugendreferent Martin Rück klärt sie, welche Sofas im Raum bleiben und welche nicht, was mit dem Kicker passiert. Sie ist mit dem Zimmer zufrieden, "das strahlt eine jugendliche Atmosphäre aus" und werde ihren Schülern sicher gefallen.

Am Wochenende kurz nach dem Brand, sagt Claudia Hoch, habe sie manch weinendes Kind vor der Schule gesehen, heute Morgen bei der Vollversammlung auf dem Schulhof sei die Stimmung ergreifend gewesen. Brigitte Preugschat hatte in einer kurzen Ansprache die Schüler um Verständnis für manch ungewohntes gebeten, was in den kommenden Tagen und Wochen auf sie zukommen wird, um Geduld, aber auch um Hilfe. Zupackende Hände werden gebraucht an der Hexentalschule.

Nach der Vollversammlung gingen die Grundschüler mit ihren Klassenlehrern in ihre provisorischen Klassenräume im katholischen und evangelischen Gemeindezentrum. Hier sind ausreichend Tische und Stühle vorhanden, als Pausenhof nutzen die einen den Schulhof, die anderen Spielplatz und Freifläche neben der evangelischen Kirche. Aufsicht haben alle Lehrer, sagt Brigitte Preugschat.

Die Hauptschüler sind mit ihren Klassenlehrern den Weg zum Haus der Vereine abgelaufen, damit sie heute wissen, wo sie hingehen müssen. Unterricht fand noch nicht statt. Dafür gab es einen Film im Bürgersaal und ein Gespräch mit Imke Heidegger. Die Klassenlehrerin der Klasse 7 kündigte den Schülern an, dass Manfred Bluhm, Jugendsachbearbeiter im Polizeiposten Ehrenkirchen, in der kommenden Woche jede Hauptschulklasse besuchen wird, um Fragen zu beantworten und über Gruppenverhalten, Alkohol und die Tragweite von Straftaten zu sprechen. Das Schicksal der jugendlichen Täter beschäftigt die Schüler, sagt Imke Heidegger, genauso wie die Frage, ob sie nach der Reinigung der Schule ihre Bücher und Aufzeichnungen wieder bekommen, die großenteils noch unter den Schulbänken liegen.

Inge Reinert ist sicher, dass ihr Klassenzimmer vom Brand sehr beschädigt wurde. Freiarbeitsmaterial, das die Englischlehrerin in 15 Jahren zusammengetragen hat, sei wahrscheinlich nicht mehr nutzbar, fürchtet sie. Gerhilde Schönborn ist die Hauswirtschaftslehrerin. 20 Ordner mit Rezepten, Stoffe und Dekomaterial für die Projektprüfung und für Klassenfeste liegen in der Schule. "Vielleicht kann man ja etwas davon reinigen", hofft sie.

Infos: Über Veränderungen im Schulalltag informiert die aktuelle Schul-Homepage unter http://www.hexentalschule.de

Die Anmeldung der Erstklässler am Freitag, 8.50 bis 12.35 Uhr und am Samstag,9.50 bis 11.10 Uhr, findet im Rathaus statt.

Autor: gln