In herkömmlichen Läden wäre der Kleiderkauf zu teuer

Wolf-Wilhelm Adam

Von Wolf-Wilhelm Adam

Do, 10. August 2017

Merzhausen

Flüchtlinge sind dankbar über das Angebot des Spendenlagers in Merzhausen, das kürzlich alle Bürger zum Sommerschlussverkauf eingeladen hat.

MERZHAUSEN. Der Helferkreis für Flüchtlinge Merzhausen hat kürzlich zu einem Sommerschlussverkauf in das Spendenlager eingeladen. Willkommen waren dabei nicht nur die vielen Flüchtlinge, die regelmäßig hier aus und ein gehen, sondern jeder, der etwas brauchen konnte.

Grund für diesen Sommerschlussverkauf ist, um mit den Worten der Einzelhändler zu sprechen, die Umstellung auf die Winterkollektion. "Wir haben viele Kleiderspenden bekommen. Immer wieder sind auch Dinge dabei, die von den Flüchtlingen einfach nicht getragen werden. Bevor wir die Winterware jetzt einräumen, möchten wir einfach auch etwas Platz schaffen. Der Erlös geht zu 100 Prozent an den Helferkreis, womit wir die Flüchtlinge weiter unterstützen", berichtete Hannah Kegel, die im Vorstand des Vereins für die Kasse zuständig ist.

Was beim Sommerschlussverkauf nicht weggeht, wird vom Team um Clara Kecskeméthy in drei Rubriken aufgeteilt. Ein Teil, der einfach nicht mehr zu gebrauchen ist, wird tatsächlich weggeworfen. Der zweite Teil wird der Stelle für Obdachlose übergeben und der dritte Teil eingemottet und für den nächsten Sommer aufgehoben. "Die Wintersachen stehen schon in den Startlöchern und wir werden nun langsam auf die kältere Jahreszeit umstellen", erzählt Clara Kecskeméthy im Gespräch mit der Badischen Zeitung.

Für die Flüchtlinge spielt das Spendenlager eine enorm große Rolle. "Wir könnten uns unsere Kleidung in den normalen Läden von Freiburg nicht leisten", berichtet Alamin Iman. Er ist einer von sechs jungen Männern, die vor mittlerweile knapp zwei Jahren aus Eritrea nach Deutschland gekommen sind. Mittlerweile spricht er sehr gut Deutsch und absolviert aktuell diverse Praktika im metallbearbeitenden Bereich. Dass er so gut Deutsch spricht, hat er vor allem seiner Deutschlehrerin Ines Haag zu verdanken. "Ines ist zu einem wichtigen Menschen für uns alle geworden. Sie ist nicht nur unsere Deutschlehrerin, sondern hat uns quasi in ihre Familie aufgenommen", schwärmt der Mann aus Eritrea.

Über das Spendenlager und den Helferkreis hat Alamin nun auch einen Laptop zur Verfügung gestellt bekommen, mit dem er für die nächsten drei Monate arbeiten kann. "Wir leihen solche Geräte für maximal drei Monate aus. Damit sind wir mit den Flüchtlingen immer im Austausch und sehen das für sie als Zwischenschritt an, denn bald können sie sich selber solche Geräte kaufen", berichtet Hannah Kegel. Hierunter fallen auch Nähmaschinen, Musikinstrumente und ähnlich wertvolle Gegenstände. "Wir sind sehr dankbar für die Unterstützung, die uns der Helferkreis bietet", sagt Alamin Iman.

Zum Sommerschlussverkauf kamen dann eben auch einige Interessierte, die sich zum einen über die Arbeit des Helferkreises informierten und zum anderen auch selbst fündig wurden. Kinderbücher sind beispielsweise etwas, was bei Flüchtlingen eher selten genutzt wird. "Die Eltern können ihren Kindern meist noch nicht vorlesen, was in den Büchern steht und so bleiben diese meist im Spendenlager liegen", erzählt Clara Kecskeméthy. Eine deutsche Mutter, die mit ihren beiden Kindern im Spendenlager vorbeikam, freute sich aber riesig über die Bücher.

Und so ist es generell im Spendenlager: Die Leute freuen sich über die Hilfe, die ihnen geboten wird und genau das ist es, was den Helferkreis und seine Mitglieder anspornt. "Es ist eine tolle Aufgabe, bei der uns sehr viel Dankbarkeit und Freude entgegengebracht wird. Das macht unheimlichen Spaß", berichtet Kecskeméthy. Und da das Spendenlager mit seiner kleinen Fahrradwerkstatt immer mehr auch zum regelmäßigen Treffpunkt der Flüchtlinge wird, bekommt man etwas von deren Leben mit. Bestes Beispiel war ein Syrer, der stolz und überglücklich seine Frau und seine drei Kinder vorstellte. Er hatte sie seit mehr als zwei Jahren nicht gesehen und durfte sie vor fünf Tagen das erste Mal wieder in die Arme schließen. Sie durften nach Deutschland nachkommen, nun ist die Familie wieder vereint.

Was der Helferkreis an Spenden sucht, findet man auf der Internetseite http://www.helferkreis-merzhausen.de