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16. Februar 2009

Wichtig ist "ein Bewusstseinswandel"

BZ-INTERVIEW: Frieder Laupe und Timo Wehrlin über das Steinbruchprojekt ihrer Gemeinde.

  1. Frieder Lauppe (13, links) aus Au und Timo Wehrlin (14) gehen in diesem Jahr zur Konfirmation. Sie engagieren sich wie alle Konfirmanden der Johannesgemeinde Merzhausen für das Projekt Steinbruch. Foto: Silvia Faller

MERZHAUSEN/AU. Die evangelische Johannesgemeinde will einen Steinbruch in Südindien erwerben und ihn dann den Arbeitern vor Ort überlassen. Denn die Männer, ihre Frauen und auch die Kinder werden bislang unter menschenunwürdigen Bedingungen ausgebeutet. Im Gespräch mit BZ-Mitarbeiterin Silvia Faller erzählen Frieder Lauppe (13) aus Au und Timo Wehrlin (14) aus Merzhausen, worum es geht. Die beiden Konfirmanden warben für das Projekt.

BZ: Wo genau befindet sich denn der Steinbruch?
Frieder: Es war geplant, einen Steinbruch in dem südindischen Dorf Maya Bazaar zu kaufen. Mittlerweile aber ist es fraglich, ob das klappt. Wenn nicht, suchen wir einen anderen.
BZ: Wieso ist das fraglich?
Timo: Unser Ansprechpartner ist Benjamin Pütter. Er wohnt im Vauban und ist Mitglied unserer Gemeinde. Beim Hilfswerk Misereor ist er Experte für Kinderarbeit. Er kennt sich gut in Indien aus, hat Kontakte zu den regionalen und lokalen Behörden und hat mitgewirkt, Prüfkriterien für ein Zertifikat zu entwickeln, das garantiert, dass Natursteine nicht von Kindern oder Sklavenarbeitern gehauen wurden. Die jüngste Information ist nun, dass der Besitzer des Steinbruches von Maya Bazaar sich weigert, ihn zu verkaufen. Aber es gibt viele andere Steinbrüche, in denen die Situation für die Arbeiter auch sehr schlimm ist.

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BZ: Glaubt ihr, dass das alles wahr ist? Frieder: Ja, Herr Pütter hat uns Fotos gezeigt, die er selbst gemacht hat und hat uns erzählt, was er gesehen hat. Zum Beispiel hat er miterlebt, dass Kinder Granit mit 45 Kilogramm schweren Presslufthämmern aus dem Stein brechen.

BZ: Und das hört auf, wenn ihre Eltern selbst den Steinbruch besitzen?

Frieder: Sie werden vertraglich dazu verpflichtet, dass sie Kinder wirklich nicht mehr beschäftigen. Und sie müssen mit den Gewinnen aus dem Steinverkauf die soziale Infrastruktur verbessern, so dass Kindertagesstätten und Schulen eingerichtet werden. Babys werden oft mit Opium ruhig gestellt, dass die Eltern arbeiten können und mit zwei oder drei Jahren kriegen sie Werkzeuge in die Hand.

BZ: Ihr geht dieses Jahr zur Konfirmation. Sammeln alle Konfirmanden für den Steinbruch Geld?

Timo: Ja, wir haben uns in mehrere Gruppen aufgeteilt und jede Gruppe macht etwas anderes. Beispielsweise wurden beim Gemeindefest Waffeln gebacken. Und beim Schulfest an der Hexentalschule wurde an einem Stand für das Projekt Geld eingenommen. Frieder und ich haben die Aufgabe übernommen, den Gemeinderäten davon zu erzählen.

BZ: Warum? Was können denn die Gemeinden für das Projekt leisten?

Frieder: Wir haben die Gemeinden um Spenden gebeten und dabei auch an alle Bürger appelliert, das Projekt zu unterstützen. Aber es geht uns um viel mehr. Wir wollen einen Bewusstseinswandel bewirken. Dabei können Bürgermeister und Gemeinderäte sehr viel tun. Sie können zum Beispiel in der Friedhofsordnung festsetzen, dass für Grabmale nur zertifizierte Steine verwendet werden dürfen. Auch könnten sie das bei der Vergabe von Arbeiten fordern. In beiden Gemeinden wird die Ortsmitte neu gestaltet. Bei der Gestaltung der Außenanlagen könnte man schon daran denken.

BZ: Wie reagieren denn die Leute, wenn ihr davon erzählt?

Frieder: Die Leute interessieren sich sehr. Manche sind regelrecht erschüttert, wenn sie hören, dass schon sehr kleine Kinder in diese Steinbrüchen arbeiten müssen und erst recht, wenn sie auf Bildern sehen, wie schwer man sich verletzen kann. Die Arbeit ist sehr gefährlich. Viele Kinder sind verkrüppelt.

BZ: Und wie ist es euch ergangen als ihr davon gehört habt?

Timo und Frieder: Es macht uns traurig zu wissen, dass es Kindern und Jugendlichen so schlecht geht. Wir wollen unbedingt dazu beitragen, dass sich ihre Lebensverhältnisse verbessern.

BZ: Ihr habt von einem Zertifikat erzählt. Was steckt dahinter?

Timo: Es heißt Xertifix. Der frühere Bundesarbeitsminister Norbert Blüm ist Vorstandsvorsitzender des Trägervereins, der seinen Sitz in Freiburg hat.

Für das Steinbruch-Projekt sind  15 000 Euro nötig, die Hälfte etwa hat die Gemeinde schon gesammelt. Spenden sind möglich auf das Konto 2268266 bei der Sparkasse Freiburg (BLZ 68050101) 

http://www.xertifix.de

Autor: sf