Mit dem Doppeldecker der Küste folgen

Max Schuler

Von Max Schuler

Fr, 31. August 2018

Glottertal

Burkhard Zach aus Glottertal fliegt in seinem Flugzeug 8200 Kilometer weit – bei den Stopps am Boden schläft er meist im Zelt.

GLOTTERTAL. Burkhard Zach aus Glottertal hat einen Campingurlaub der besonderen Art hinter sich. Er reiste zwar in bekannte Urlaubsländer, wie Spanien, Frankreich oder Portugal. Doch als Transportmittel nutze er weder Auto noch Bahn, sondern sein Doppeldeckerflugzeug. Damit überflog er die Länder und wollte sich fühlen, wie die Piloten in den 1920er Jahren in Amerika. Genächtigt hat er auf kleinen Landeplätzen – und dort viele tolle Begegnungen erlebt, wie er erzählt.

Die Idee reifte vor fünf Jahren. Der 47-jährige Zach wurde inspiriert von den Piloten, die nach dem Ersten Weltkrieg mit ihren Maschinen umherflogen, nachts am Boden auf den Tragflächen schliefen und sich tagsüber den Sprit verdienten, in dem sie Menschen auf ihre Flüge mitnahmen. "Dieses Gefühl, sich einfach treiben zu lassen, wollte ich auch haben", sagt Zach. Die Tragfläche seines Kiebitz war dem Maschinenbauingenieur allerdings zu hart und so packte er ein Minipackzelt ein und flog vom Flugplatz in Eschbach los auf seine 8200 Kilometer lange Reise.

Drei Ziele waren Zach wichtig, wie er berichtet. Auf der linken Seite seines Fliegers wollte er überwiegend auf das Meer blicken, einmal sollte der Landeplatz in Marokko liegen und den Pilgerort Santiago de Compostela wollte er besuchen. So durchquerte er Deutschland und Frankreich, flog an der Mittelmeerküste Spaniens entlang, wechselte bei Gibraltar an die Atlantikküste und folgte dieser über Portugal bis hoch zur Nordsee. Er passierte Belgien und die Niederlande, um am Ende wieder Richtung Süden abzubiegen und in Eschbach zu landen. Sieben Wochen war er unterwegs. "Der Kiebitz fliegt sich gutmütig", sagt Zach. Seinen Flieger hat er sich 2010 zugelegt, davor machte er viele Jahre Gleitschirmfliegen und Segelfliegen. "Ich habe Werkzeug dabei gehabt, damit hätte ich den kompletten Flieger in seine Einzelteile zerlegen können inklusive Motor." Am Ende musste er aber nur eine Schelle nachziehen.

Die ersten zwei Landeplätze suchte er sich vor seiner Reise aus, danach flog der gebürtige Norddeutsche in den Tag hinein. Zeit hatte er, da er sich in einem beruflichen Sabbatical befand. In der Regel rief er kurz vor der Landung bei den meist privaten Landeplätzen an und fragte, ob Platz für ihn und seine Maschine da ist – und natürlich für sein Zelt. "Im Allgemeinen waren die Menschen super hilfsbereit und hatten sogar schon Sprit vorbereitet", sagt Zach. Direkt neben seinem Flugzeug zu schlafen und abends unter dem Wasserschlauch zu duschen, fand Zach schöner als ins Hotel zu gehen, was er auf seiner Reise auch gelegentlich machte. "In einem Fünf-Sterne-Hotel erlebst du aber keine Abenteuer, da ist alles perfekt, abenteuerbefreit und es gibt keine Überraschungen".

"In einem Fünf-Sterne-Hotel erlebst du keine Abenteuer."
Burkhard Zach
Mit seinem Zelt auf den Flugplätzen war er ein Exot. "Auf der Reise habe ich keinen anderen Piloten getroffen, der gecampt hat", sagt Zach.

Im Durchschnitt schaffte er 200 bis 300 Kilometer am Tag. Mit Rückenwind kam die Maschine auch schon mal auf 180 Kilometer pro Stunde. Doch es ging ihm nicht darum, schnell anzukommen, sondern er wollte die Landschaft genießen. Halbinseln überflog er nicht, sondern kostete jeden Küstenmeter aus. An Flussläufen nahm er jede Biegung mit und für schöne Burgen machte er gerne einen Abstecher. Meist hatte er dabei eine Reisehöhe von 200 bis 300 Metern. Er zieht einen Vergleich: Während sich Linienflüge anfühlen, wie wenn man in einem Wintergarten sitzt, ist ein Flug im Doppeldecker ein Besuch in einem echten Garten. So kann er beispielsweise die Felder riechen, die er überfliegt.

Was in Erinnerung bleibt, sind viele Anekdoten. Beispielsweise der Besuch bei einem Spanier, den er am Flugplatz kennenlernte und mit dem er kurzerhand zu einem Segeltörn aufbrach. Die beiden verstanden sich auf Anhieb so gut, dass der Spanier jetzt mit seinem Flugzeug im Oktober in Eschbach im Gewerbepark landen will. Zach hatte sich bewusst entschieden, alleine die Reise anzutreten, doch zeitweise hatte er mit einer Ameisenkolonie blinde Passagiere an Bord. Als Gegenleistung für den kostenlosen Flug reinigten die Ameisen abends den Flieger von toten Insekten. Unvergessen ist die Landung in Tanger in Marokko. Dort musste Zach den Flughafen verlassen, um Sprit zu besorgen. Auf dem Rückweg zu seinem Kiebitz stand er mit zwei Faltkanistern voll mit Benzin, Werkzeug, Taschenmesser und ohne Ticket in der Warteschlange, während ihn Polizisten mit Maschinengewehren beäugten. Glücklicherweise konnte er das Sicherheitspersonal rechtzeitig über seine Absichten aufklären und so durfte er passieren.

Der nächste Flug soll an der Donau entlang gehen bis zum Schwarzen Meer. Dann möchte er seine Frau auf die Reise mitnehmen – und natürlich sein Zelt.