Endingen

Mörder von Carolin G. soll auch eine Frau in Österreich getötet haben

Martin Wendel, David Weigend, Daniel Laufer, aktualisiert um 12.22 Uhr

Von Martin Wendel, David Weigend, Daniel Laufer & aktualisiert um 12.22 Uhr

Do, 26. Januar 2017 um 10:07 Uhr

Endingen

Die 27-jährige Carolin G. ist offenbar einem Täter zum Opfer gefallen, der 2014 in Österreich die 20 Jahre alte Studentin Lucile K. getötet haben soll. Das ergaben DNA-Spuren. Die Ermittler gehen von einem mobilen und sehr gefährlichen Täter aus. Hussein K. kommt als Täter nicht in Frage.

Die deutschen und österreichischen Ermittler gehen aufgrund übereinstimmender DNA-Spuren mit "hoher Wahrscheinlichkeit" vom gleichen Täter aus. Ausschlaggebend sind die kriminaltechnischen Abgleiche. Das gaben das Polizeipräsidium und die Staatsanwaltschaft Freiburg am Donnerstagmorgen bekannt. Einen Tatverdächtigen gibt es offenbar nicht. Aufgrund bestimmter Tatumstände rückt für die Ermittler verstärkt die Möglichkeit in den Fokus, dass der unbekannte Täter Fernfahrer sein könnte.

Lucile K. wurde mit Eisenstange erschlagen

Die 20-jährige Wirtschaftsstudentin Lucile K. aus der Gegend von Lyon besuchte im Rahmen eines Austauschprogramms die Fachhochschule in Kufstein und war in der Nacht zum 12. Januar 2014 kurz vor Mitternacht auf dem Weg zu einer Studienkollegin. Dort kam sie nie an. Am nächsten Tag fand die Polizei ihre Leiche am Innufer. Der Mörder hatte sie erschlagen - mit einer Eisenstange, die zwei Tage später im Fluss nahe des Fundortes der Toten entdeckt wurde: Ein Eisenrohr, wie es als Hebel bei hydraulischen Wagenhebern benutzt wird - oder bei Lastwagen, um die Fahrerkabine anzuheben.



Kurz nach der Tat hatte die Polizei ein Phantombild veröffentlicht. Es habe auch weiterhin Gültigkeit, so Walter Pupp, Leiter des Landeskriminalamts Tirol. "Es gibt Hinweise, dass diese Person mit der Tat zusammenhängt – in welcher Form auch immer." Der Mann könne ein Zeuge sein, womöglich aber auch der Täter. Auch das ZDF berichtete in der Sendung "Aktenzeichen XY Ungelöst" im Juni 2015 vom Fall Lucile K.



Die Verbindung zum Mord in Österreich ermöglichten genetische Spuren, die inzwischen bei den Ermittlungen im Fall Carolin G. gefunden wurden, erläutert Polizeisprecher Walter Roth auf Nachfrage der Badischen Zeitung. Dabei handele es sich allerdings nur um DNA-Fragmente. Auch beim Mord in Kufstein sicherte die Polizei Teile von DNA, die sie dem Mörder zuordnet. Allerdings zu wenig für automatische Datenbankabgleiche.

Diese ermöglichte erst zwei Jahre nach der Tat ein neuartiges Verfahren, bei dem Gerichtsmediziner das genetische Profil auf der Basis der DNA-Fragmente mathematisch komplettieren - eine hypothetische DNA. Die Ermittler und Kriminaltechniker aus Baden-Württemberg und Tirol sind trotz schwieriger Spurenlage davon überzeugt, dass beide Morde auf das Konto desselben Mannes gehen. Nähere Angaben zur Qualität der DNA-Spur mache man aktuell aber nicht, so Polizeisprecher Roth.

Parallelen in der Tatausführung

Die Ermittler sehen auch deutliche Parallelen in der Tatausführung. Hatte die Polizei bislang keine Angaben zum Tathergang im Fall Carolin G. gemacht, bestätigt sie nun, dass die junge Frau in Endingen ebenso wie das Opfer in Kufstein erschlagen wurde - laut Ergebnissen der Obduktion wohl mit einem harten Gegenstand, zum Beispiel einer Eisenstange. Gefunden wurde in Endingen allerdings keine Tatwaffe. Und noch eine Übereinstimmung gibt es: Carolin G. fiel einem Sexualverbrechen zum Opfer und auch bei Lucile K. gehen die Ermittler in Tirol laut Roth inzwischen von einem Sexualdelikt aus.

Angaben zu etwaigen weiteren Parallelen mache man nicht, da es sich dabei um potenzielles Täterwissen handele. Der österreichische LKA-Chef Walter Pupp erklärte gegenüber der Tiroler Tageszeitung: "Wir können nun einige Dinge in Kufstein ausschließen. Wir gehen von einem mobilen und sehr gefährlichen Täter aus." Die Tiroler Ermittler stufen den Mord an der 20-jährigen Französin nun auch als Sexualverbrechen ein.

Hussein K. scheidet als Tatverdächtiger aus

Hussein K, der im Verdacht steht, am 16. Oktober 2016 die Studentin Maria L. in Freiburg ermordet zu haben, scheidet als Tatverdächtiger im Fall Lucile K. aus. Hussein K. saß zwischen 2013 und 2015 in Griechenland in Haft. Somit ist auch mit höchster Wahrscheinlichkeit auszuschließen, dass er etwas mit dem Mord an Carolin G. zu tun haben könnte.

Täter könnte Fernfahrer sein

Die Ermittler suchen nun danach, was den Täter sowohl mit Endingen als auch mit Kufstein verbinden könnte. Dafür, dass der Täter möglicherweise Fernfahrer sein könnte, spricht für die Polizei nicht nur die Tatwaffe im Fall Lucile K. Beide Taten geschahen zu Uhrzeiten, zu denen sowohl in Deutschland als auch in Österreich Fahrverbot für Lkw besteht – Carolin wurde an einem Sonntag, Lucile an einem Samstag getötet. Geprüft werde darüber hinaus aber jeder nur denkbare Bezug zwischen beiden Tatorten.
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In beiden Mordfällen gehen die Ermittler davon aus, dass der Täter eine gewisse Ortskenntnis hatte. Carolin G. begegnete ihrem Mörder nach Erkenntnissen der Polizei nahe des Wäldchens, in dem Tage später ihre Leiche gefunden wurde. "Der Täter muss schon einmal dort gewesen sein", betont Polizeisprecher Roth. Denkbar wäre auch, dass sowohl Endingen als auch Kufstein auf einer sich wiederholenden Route des Täters liegen. Bei der Suche nach dem Zusammenhang werden nun sämtliche Quellen geprüft und Daten abgeglichen, zum Beispiel alle verfügbaren Verkehrsüberwachungssysteme. In der Region laufen - unter anderem - gezielte Befragungen bei Firmen zu Lieferungen im fraglichen Zeitraum.

28.500 Euro Belohnung

Auch wenn mit der Verbindung nach Kufstein sehr viel für den "großen Unbekannten" als Täter spreche, verfolge die Soko auch alle anderen Spuren weiter, betont Roth, wenngleich mit veränderter Priorität.
Für Hinweise, die zur Ermittlung und Ergreifung des Täters führen, sind im Mordfall Carolin G. inzwischen 28.500 Euro Belohnung ausgelobt, davon 6000 Euro von der Staatsanwaltschaft, 22.500 Euro von privater Seite. Im Mordfall Lucile K. ist eine Belohnung von 10.000 Euro ausgesetzt.

Wie läuft eine DNA-Analyse ab?


Hinweise

Wer Hinweise auf Personen oder Umstände geben kann, die einen Bezug zu den beiden Tatorten Endingen am Kaiserstuhl und Kufstein/Tirol oder zu deren näherer Umgebung haben könnten, wird gebeten, sich mit der Soko "Erle" unter Telefon 07641/582-114 in Verbindung zu setzen.

Die zuständige Dienststelle in Österreich ist das LKA Tirol - dessen Journaldienst für Hinweise ist von Deutschland aus unter der Telefonnummer 0043/59133703333 erreichbar.

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