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09. August 2017

72 Jahre nach den Atombombenabwürfen

Mahnwache von Atomkraftgegnern und Mitgliedern des Friedensrats stand im Zeichen des Angriffs auf Hiroshima am 6. August 1945.

  1. 334. Mahnwache zum Atomausstieg – und dieses Mal auch 72. Gedenktag zum Abwurf der Atombombe auf Hiroshima. Foto: Volker Münch

MÜLLHEIM (mps). Es war die 334. Mahnwache. Seit einigen Jahren treffen sich Atomkraftgegner und Mitglieder des Friedensrats wöchentlich auf dem Platz vor der Sparkasse in Müllheim, um die Stilllegung des Atomkraftwerks Fessenheim zu fordern. Am Montag stand die Mahnwache im Zeichen des Gedenkens an den Abwurf der ersten Atombombe über Hiroshima, bei der mehr als 130 000 Menschen durch die unglaubliche Gewalt der Explosion in Bruchteilen von Sekunden getötet wurden.

Blickt man in Richtung Nordkorea, dann wird deutlich, wie aktuell die Angst vor einem Atomkrieg ist. Auch die Gefahr lebensbedrohender Zwischenfälle, die beispielsweise vom maroden Kernkraftwerk Fessenheim ausgeht, ist ebenfalls aktuell. Deshalb verwunderte es, dass sich außer den nicht einmal 20 Protagonisten der Atomkraftgegner und des Friedensrates keine Passanten von diesem Thema angesprochen fühlten. Im Gegenteil: Die vorübergehenden Menschen blickten allenfalls verstohlen auf die Gruppe und ihre Transparente, die meisten ignorierten sie.

Es war der 6. August 1945 als die erste Atombombe über Hiroshima gezündet wurde. Ein unvorstellbarer Feuerball walzte schneller als ein Orkan über die japanische Stadt hinweg und riss mindestens 130 000 Menschen in den Tod. Drei Tage später ereilte die Bewohner der Stadt Nagasaki das gleiche Schicksal. "Mit Blick auf Hiroshima sagte Uli Rodewald vom Friedensrat: "Die japanische Stadt mit ihren damals 300 000 Einwohner hörte um 9.15 Uhr auf, zu existieren." Immer noch erkrankten Menschen infolge der Verstrahlung an Krebs, viele seien bereits an den Folgen gestorben. Eine Tatsache, die heute weltweit anerkannt wird. Bis heute seien die atomare Abschreckung und die friedliche Nutzung der Atomenergie miteinander verknüpft, stellte Rodewald einen direkten Zusammenhang her. Deshalb sei es 72 Jahre nach den Atombombenabwürfen geboten, den Einsatz von Atomwaffen als unmoralisch zu ächten, den Besitz zu verurteilen und auf die Abschaffung von Atomwaffen zu drängen. Zwar werde von der Politik immer behauptet, die nukleare Abschreckung hätte im Kalten Krieg eine entsprechende Eskalation verhindert, allerdings zum Preis einer möglichen weltweiten Katastrophe. Rodewald sprach sich dafür aus, die Finanzmittel, die seit dem Ende des Kalten Krieges in die Modernisierung des Atomwaffenarsenals gesteckt wurden, künftig besser in die Bekämpfung von Armut und Hunger zu investieren. So fordert die Friedensbewegung einen konsequenten Atomwaffensperrvertrag.

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Tatsächlich lagern in Deutschland rund 20 Atomraketen, etwa im rheinland-pfälzischen Büchel, wo die Bundesluftwaffe einen Fliegerhorst unterhält. Seit dem 7. Juli 2017 gebe es einen Atomwaffenverbotsvertrag, zitierte Uli Rodewald aus einer Veröffentlichung der Organisation "Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges". Die Organisation wurde 1985 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Dieser Vertrag sei ein erster Schritt für einen Paradigmenwechsel in der atomaren Abrüstung auf internationaler Ebene. Zwei Drittel aller UN-Mitglieder habe sich in die Vertragsverhandlungen eingebracht – nur nicht die Bundesrepublik Deutschland, so die Informationen der Ärzteorganisation.

Am Ende der Aktion legten sich Teilnehmer der Mahnwache auf den Boden und ließen ihre Silhouette wie bei Todesopfern an Tatorten mit Kreide skizzieren. Ein symbolischer Akt, der die Gefahr eines atomaren Militärschlags eindrücklich unterstrich.

Autor: mps