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29. Juni 2017

Anwohner zeigen sich besorgt

Bürgerinformationsveranstaltung zum geplanten neuen Kindergarten an der Rosenburgschule.

  1. Architekt Thorsten Fünfgeld stellt das Raumkonzept vor. Foto: V. Münch

MÜLLHEIM. Die Sorgen vor Kinderlärm, vor einer verbauten Aussicht, vor einer chaotischen Verkehrssituation und vor Parkplatzproblemen beschäftigen die Anwohner des geplanten Kindergartens neben der Rosenburgschule. Bürgermeisterin Astrid Siemes-Knoblich versprach den anwesenden Bürger bei einer Informationsveranstaltung, die Sorgen in der weiteren Diskussion mitzunehmen, unterstrich aber auch, nach einer Abwägung im Interesse der Allgemeinheit zu entscheiden.

"Wir werden mit dem Bau des neuen Kindergartens gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen", betonte die Bürgermeisterin vor den rund 30 anwesenden Bürgern, darunter Bewohner der benachbarten Wohnhäuser und Eltern des heutigen Kindergartens Kirchgasse. "Wir wollen deshalb frühzeitig informieren und ihre Anregungen zu dem Projekt erhalten", betonte Siemes-Knoblich, sagte aber auch, dass Einwendungen und Vorschläge nicht ohne Abstriche in die weiteren Entscheidungen eingehen könnten. "Wir müssen viele Faktoren, beispielsweise den Nutzen für eine größere Anzahl von Menschen berücksichtigen", erklärte sie den folgenden Abwägungsprozess.

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Doch was steckt hinter dem ambitionierten Zeitplan, schließlich soll noch in diesem Jahr der Bagger rollen? Es geht zunächst um den zeitlich begrenzten Ersatz für den Kindergarten Kirchgasse, der abgebrochen werden soll, und später eine weitere Nutzung als Kinderbetreuungseinrichtung, für die die Stadt einen entsprechenden Bedarf sieht (siehe auch BZ-Bericht vom 23. Juni).

Raumkonzept, Größe und Gebäudestruktur wurden vom stellvertretenden Baudezernenten Ralf Kuppel und vom Architekten des Projekts, Thorsten Fünfgeld, vorgestellt. "Wir wollen die Kosten so gering wie möglich halten, das Flachdach begrünen und eingeschossig bauen, um weitgehend Rücksicht auf die unmittelbaren Nachbarn zu nehmen", sagte Kuppel. Rund 900 Quadratmeter beträgt die Grundfläche für das eingeschossige Haus, 650 Quadratmeter soll die eingezäunte Außenfläche haben. Die Idee aus dem Bauausschuss, über eine zweigeschossige Bebauung oder zumindest für die Schaffung von Strukturen, die eine spätere Aufstockung ermöglichen könnte, nachzudenken, wurde durch die Reaktionen der Anwohner von vorneherein verworfen. Im Gegenteil: Ein Anwohner sorgt sich bereits bei einer einstöckigen Bauweise um die Aussicht der Erdgeschoss-Bewohner und um eine drohende Verschattung der Wohnungen. "Das ist der Grund dafür, dass wir nur eingeschossig bauen wollen. Da das Haus aber zwölf Meter vom Wohnhaus abgerückt wird, ist eine Verschattung praktisch ausgeschlossen", betonte Architekt Fünfgeld.

Andere Anwohner befürchten ein Verkehrschaos und fragten deshalb nach einem entsprechenden Konzept. Damit rechnet der Architekt nicht, denn: "Wir werden die Zahl der Stellplätze drastisch von vorgeschrieben vier auf 18 erhöhen." Weil manche Eltern sehr undiszipliniert seien, rechnet Gisela Patzner, Leiterin der Rosenburgschule, mit einem regen Fußverkehr vom Parkplatz vor der Schule vorbei an den Klassenzimmern zum rückwärtig gelegenen Kindergarten hin. Patzner ergänzt: "Wir bekommen schon unseren eigenen Parkplatzverkehr nicht in den Griff."

Ein anderer Anwohner stellte den Standort grundsätzlich in Frage, der die Lebensqualität besonders der älteren Anwohner gefährdet sehe. Er forderte, die Kindertagesstätte im künftigen Baugebiet "Am langen Rain" massiv zu vergrößern. "Wir wollen nirgends einen Massenbetrieb bei der Kinderbetreuung", hielt Bürgermeisterin Siemes-Knoblich dagegen. Außerdem würde sich die Realisierung um Jahre verzögern. "Zeit, die wir nicht haben," erinnerte sie an den notwendigen Neubaus des Kindergartens Kirchgasse. Sozialdezernent Michael Kaszubski ergänzte: "Es gibt auch einen Rechtsanspruch für einen Betreuungsplatz in der Nähe des Wohnortes."

Tatsächlich könnte angesichts der häufig zu hörenden Forderung nach einer Verdichtung der Innenstädte, auch eine andere Nutzung für das Gelände infrage kommen. "Die Stadt könnte das Grundstück auch an einen Investor verkaufen, der dort dann mehrgeschossigen Wohnungsbau betreiben könnte", meinte Kaszubski. Sollte der Zeitplan eingehalten werden, dann könnten die Kindergartenkinder aus der Kirchgasse nach der Winterpause 2018/19 bereits einziehen, der neue Kindergarten vermutlich im Spätsommer 2020 schon in Betrieb gehen.

Autor: Volker Münch