Aufbruchstimmung bei den Genossen

Volker Münch

Von Volker Münch

Mo, 30. Januar 2017

Müllheim

Sozialdemokraten aus Müllheim, Badenweiler, Auggen und nun auch Neuenburg bündeln Kräfte im neuen Ortsverein Markgräflerland.

MÜLLHEIM/NEUENBURG. Aufbruchstimmung bei der SPD im Markgräflerland: Erst fusionierten im Laufe weniger Monate drei Ortsvereine der Sozialdemokraten in der Region, nun kam auch die Neuenburger SPD zum neuen, großen Ortsverein Markgräflerland. Beflügelt werden die Genossen auch durch die bundespolitischen Entwicklungen bei der SPD.

Wie in vielen Parteien an der Basis überalterte auch die SPD in den vergangenen Jahren und schrumpfte vor sich hin. Besonders kleine Ortsverbande wie in Auggen und Badenweiler litten vermehrt darunter. Um wieder zu mehr Stärke gerade mit Blick auf kommende Wahlen zu kommen, machten sich die Verantwortlichen in Auggen, Badenweiler, Müllheim und Neuenburg Gedanken darüber, wie sich Kräfte bündeln ließen und die Basis-SPD vor Ort schlagkräftiger werden könnte. Im Juli 2016 ging der ebenfalls geschwächte, aber immer noch größte Ortsverein Müllheim eine partnerschaftliche Verbindung mit den Ortsverbänden in Badenweiler und in Auggen ein, erklärte Hartmut Hitschler. Am vergangenen Donnerstagabend nun sprach der Vorsitzende des fusionierten Ortsvereins, Hartmut Hitschler von einem denkwürdigen Ereignis: "Heute gehen wir mit den Neuenburger Parteifreunden zusammen. Weil wir auf diese Weise ein Zeichen für raumschaftliche Verantwortung setzen, schreiben wir Geschichte."

Es müsse im Sinne der Entwicklung der Raumschaft mit einem Konkurrenzdenken vorbei sein, forderte er. Hitschler – und mit den anschließenden Stimmergebnissen auch die anwesenden SPD-Mitglieder – zeigten sich davon überzeugt, dass die "Klemmbachschiene" mit großer Effizienz sozialdemokratische Politik vermitteln könne. "Gemeinsam können wir viel mehr bewegen", sagte Hitschler. Schon nach der ersten Fusionsrunde habe man mit dem ersten Politik-Talk in Auggen zum Thema Rheintalbahn Zeichen gesetzt.

Im letzten Rückblick zog der bisher eigenständige Ortsverein Neuenburg Bilanz. "Wir haben ebenfalls ein hohes Durchschnittsalter bei unseren 33 Mitgliedern. Gerade vor Wahlen fehlt es uns dann an Manpower", berichtete Oliver Eichling. Angesichts großer Themen wie dem schwierigen Wohnungsmarkt vor allem für eher finanzschwache Menschen fehle es den Neuenburger Sozialdemokraten an personellen Ressourcen diese aufzubereiten. Deshalb freuten sich die Sozialdemokraten aus der Zähringerstadt auf die Zusammenarbeit, "auch wenn sie wegen unterschiedlicher Interessenslagen in den verschiedenen Kommunen nicht konfliktlos sein wird", kündigte Eichling an. "Genau diese Barrieren wollen wir abbauen", betonte Hitschler, denn: "Wir wollen Zeichen für eine gute Zusammenarbeit setzen, so wie sie zum Beispiel bereits auf sportlichen Ebenen bestens funktioniert." "Wir haben alle etwas davon, wenn ein stärkerer Ortsverein Themen aufbereitet", ergänzt der Neuenburger Jost Meyen. Langfristig hätten die Kommunen auf der neu gebildeten Achse gemeinsame Interessen. Die Stärkung hält die frühere Vorsitzende, ehemalige Stadt-, Ortschafts- und Kreisrätin Monika Eitel für notwendig: "Nur gemeinsam können wir unsere politische Arbeit interessant gestalten."

Mit künftig 104 Mitgliedern ist der Ortsverein Markgräflerland der größte im Kreisverband der SPD. Dass es die anwesenden Sozialdemokraten mit dem Schritt ernst meinten, zeigte die Einigkeit bei der Abwicklung der Regularien. Praktisch bei allen Wahlergebnissen, die satzungsgemäß geheim vollzogen wurden, herrschte Einstimmigkeit. Einig war sich die Versammlung, dem wiedergewählten Vorsitzenden Hartmut Hitschler entsprechend der vier Kommunenanteile jeweils einen Stellvertreter beiseitezustellen. So wurden für den Bereich Badenweiler Hans-Dieter Paul, für den Bereich Auggen Klaus Höferlin, für Müllheim Philipp Lang und für Neuenburg Sigbert Maier gewählt.

Die Fusion kam aus Sicht der Sozialdemokraten gerade zur richtigen Zeit. Der wachsende Populismus und die Entscheidung, Martin Schulz zum Kanzlerkandidaten zu küren, brächten der SPD erstmals wieder einen Mitgliederzuwachs, hieß es in der Versammlung.