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01. März 2017

Bleibt Niederweiler nahversorgt?

Die Zukunft des Lebensmittelmarktes im Müllheimer Stadtteil bereitet dem Ortschaftsrat Sorge, denn der jetzigen Neukauf hat nur einen Vertrag bis 2021.

MÜLLHEIM-NIEDERWEILER (mps). Wie geht es weiter mit der Nahversorgung in Niederweiler? Noch gibt es den Neukauf-Vollsortimenter am westlichen Dorfrand bis zum Spätherbst 2021. Was danach geschieht, treibt den Ortschaftsrat um. In einer vorgezogenen Sitzung verabschiedete das Gremium einen Antrag an den Gemeinderat, der sich für den Erhalt des Niederweiler Marktes einsetzen soll.

Obwohl die vorgezogene Sitzung am Rosenmontag stattgefunden hat, war den Ratsmitgliedern nicht zum Lachen: Vielmehr ist es dem Ortschaftsrat sehr ernst mit der Sorge, ein neuer Lebensmittelmarkt könnte zur Stilllegung des vorhandenen Nahversorgers führen. Ortsvorsteher Michael Fischer machte eingangs der Sitzung allerdings deutlich, dass der Bestand des Lebensmittelmarktes in Niederweiler seines Wissens nach vorerst nicht gefährdet sei. Ihn auch in Zukunft zu erhalten, sei für die Ortschaftsräte einhelliges Ziel, fasste Ortsvorsteher Fischer das Votum des Gremiums zusammen.

Ratsmitglied Bernhard Ritter widersprach Fischer allerdings in puncto Bestandserhaltung: "Das kann man nicht sagen. Fakt ist: In nicht allzu ferner Zukunft endet der Vertrag." Sein Anliegen für die Initiative sei es gewesen, auf die gleichberechtigten Interessen Niederweilers bezüglich der Nahversorgung hinzuwirken, bevor Müllheim entsprechende Tatsachen schafft. "Unser Interesse scheinen Gemeinderat und Bürgermeisterin nicht auf dem Schirm zu haben", so Ritter. Deshalb forderte er nochmals, bei Verhandlungen mit möglichen Investoren und Betreibern auf den Erhalt des Standortes in Niederweiler hinzuwirken und formulierte einen Brief als Appell.

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"Von der Sache her sind wir uns einig: Uns muss das zugestanden werden", betonte Ulrich Menny und ergänzte: "Wir müssen unsere Forderungen aber in einen Antrag an den Gemeinderat packen." Menny wandte sich gegen Ritters Forderung, keinen großflächigen Markt an die Peripherie in Richtung Niederweiler zu legen. Nach Mennys Überzeugung würde ein entsprechender Antrag von der Mehrheit des Gemeinderates direkt abgeschmettert werden.

Verärgert über die Entwicklung zum Thema Lebensmittelmarkt zeigte sich Ortschaftsrat Dieter Grether. Er erinnerte an die Geschichte des Neukauf-Marktes vor 40 Jahren, als auch dort Widerstand herrschte. Doch weder Gemeinderat noch Bürgermeister ließen sich davon beeindrucken. Und heute? "Niemand will auf diesen Markt verzichten", sagt Grether. Die Idee der Bürgermeisterin, einen großen Lebensmittelmarkt inmitten des Plangebietes "Am langen Rain" setzen zu wollen, hätte ein Fünftel wertvoller Wohnfläche gekostet. Nach Grethers Kalkulation wäre das ein finanzieller Verlust von rund 2,5 Millionen Euro gewesen. "Trotzdem war es das Lieblingskind der Bürgermeisterin", kritisierte er die Rathauschefin. Die von ihm erarbeiteten Alternativen wären bei ihr nicht auf Wohlgefallen gestoßen. Die "Tritschler Säge" – sie liegt im Grünzug – besitze kein altes Recht für eine andere Nutzung. "Das Anwesen ist eine Industriebrache", betonte Grether. Dass eine Nutzung trotz Grünzug durchaus möglich gewesen wäre, habe ihm der Chef der Bauabteilung im Landratsamt bestätigt. Allerdings: Es müsse gelingen, den kompletten Gemeinderat samt Vorsitzende, also die Bürgermeisterin, für dieses Projekt zu gewinnen.

"Der Gemeinderat hat unseren Alternativvorschlag damals einstimmig unterstützt. Nur die Bürgermeisterin hat sich enthalten", ärgert sich der Ortschaftsrat noch heute. Er unterstellt ihr, kein Interesse an dem Projekt gehabt zu haben. "Wir haben eine Riesenchance vertan. Ohne zu kämpfen war die Schlacht bereits verloren", stellte er fest. Auch der Vorschlag, den bestehenden Neukauf zu erweitern, sei mit falschen Planeinzeichnungen seitens des Rathauses verhindert worden, monierte Grether. Allerdings sieht er beim Ortschaftsrat deshalb eine Mitschuld. Die Vorteile seiner beiden Vorschläge lagen Grethers Überzeugung nach auf der Hand: "Kein Quadratmeter Ackerland oder Baugrundstück hätte geopfert werden müssen. Und das Beste: Es hätte die Stadt praktisch keinen einzigen Cent gekostet."

Menny sprang ihm bei: "Die Verwaltungsspitze favorisiert den Standort in Niederweiler nicht." Die Schlussfolgerungen Grethers will Bernhard Ritter allerdings nicht teilen. Seiner Meinung nach spreche für Edeka nichts dagegen, den Neukauf weiter zu betreiben oder einen anderen Betreiber zu beliefern und damit den Markt zu erhalten.

Am Ende der Debatte stand der Antrag an den Gemeinderat, dessen Wortlaut einstimmig verabschiedet wurde. Darin fordert der Ortschaftsrat den Gemeinderat auf, "die Verwaltung zu beauftragen, alles zu unternehmen, dass die qualitätsvolle Nahversorgung für Niederweiler, die Oststadt und für das künftige Wohngebiet Am langen Rain durch den bestehenden Standort erhalten bleibt." Über den Antrag soll der Gemeinderat nach dem Willen des Ortschaftsrates in seiner Sitzung am 15. März befinden.

Autor: mps