19. Juni 2009 18:53 Uhr

Gegner rufen zu Protest auf

Buntes Straßenfest zum Brigade-Marsch?

Die Kritiker des Marsches der Deutsch-Französischen Brigade durch Müllheim rufen zu einer Protestaktion auf. Ihnen schwebt ein buntes Fest vor, das im Idealfall sogar den Marsch der Brigade durch die zentrale Werderstraße verhindern soll.

Die Gegner: Udo Grotz, Ulrich Rodewald, Dora Pfeifer-Suger (von links) | Foto: Katharina Meyer
MÜLLHEIM. Auf Flyern und im Internet rufen die Gegner des Marsches zu Protest auf. Der Kreis der Kritiker hat sich zwischenzeitlich vergrößert: Neben dem Friedensrat Markgräflerland, dem Arbeitskreis Frieden der Evangelischen Bezirkssynode Breisgau-Hochschwarzwald und dem Ortsverein der Grünen haben auch die Ortsgruppe des DGB sowie der Kreisverband der Partei "Die Linke" die Flyer unterzeichnet.

Dort entwerfen sie unter dem Motto "We have a dream" das Szenario eines Festes mit "bunten Kostümen und Peace-Fahnen, Transparenten, Trillerpfeifen und Blumen". Der Protest soll am 27. Juni um 7.30 Uhr in der Werderstraße beginnen, kündigte Ulrich Rodewald vom Friedensrat an. Die Gruppen übernehmen ihm zufolge die politische Verantwortung für die Aktion. Eine Demonstration werde aber nicht angemeldet. "Es handelt sich um zivilen Protest und da ist jeder für sich selbst verantwortlich", so Rodewald, der aber bei einem Pressegespräch am Freitag den friedlichen Charakter der Aktion betonte. Auch beim Festvortrag des Stadtfestes am 26. Juni, den der ehemalige Kommandant der Brigade und heutige Generalinspekteur des Heeres, Hans Otto Budde, halten wird, wollen die Gegner mit Transparenten und Flyern Präsenz zeigen.

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Im Pressegespräch wurde die zweifache Stoßrichtung der Kritik deutlich: Zum einen richtet sie sich konkret gegen die Art der Deutsch-Französischen Brigade, ihr Jubiläum zu begehen. Das Eindringen des Militärs in den zivilen Raum erreiche eine neue Dimension, kritisiert Dora Pfeifer-Suger (Grüne). "Das gab es so in Müllheim bisher nicht." Die Rolle des Bürgermeisters dabei werde noch zu klären sein.

Die Gruppen haben eine Unterschriftenaktion gegen die Einbindung der Brigadefeierlichkeiten in das Stadtfest gestartet. 250 Bürger haben laut Rodewald bisher unterschrieben.

Außerdem wollen die drei Kritiker eine Grundsatzdebatte zur Rolle des Militärs in Deutschland anregen. "Wir nehmen die Gelegenheit wahr, zu fragen: Welchen Weg wollen wir gesamtgesellschaftlich gehen?", sagte Grotz. Sie wenden sich in deutlichen Worte gegen die heutige Form von Auslandseinsätzen: Pfeifer-Suger sprach von "Missionskriegen" der Nato, Rodewald davon, dass die Bundeswehr wieder beim "Söldner" angekommen sei.

Nächste Veranstaltung: Friedensratschlag, Montag, 20 Uhr, Stadthaus Müllheim  

Autor: kam



3 Kommentare

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BK-Elle 19. Juni 2009 - 20:56 Uhr

Die Motivation der politischen Gruppierungen erschließt sich mir ja, wenn ich diese auch nicht unterstütze. Was sich aber die Ortsgruppe des DGB dabei gedacht hat, kann ich nicht nachvollziehen. Ich wäre einmal gespannt, wenn die Arbeitsplätze ihrer Mitglieder, die zweifelslos auch bei der D-F Brigade beschäftigt sind, bzw. durch deren Bestehen Arbeit und Aufträge hierzu erhalten, ihren Arbeitsplatz verlieren würden. Der Aufschrei wäre sicherlich groß.
Ich bin auch Angehöriger einer Gewerkschaft, die im DGB organisiert ist, werde mir aber bei solchen Tendenzen ernsthaft Gedanken über meine weitere Mitgliedschaft machen.

 

taudorinon 20. Juni 2009 - 13:00 Uhr

Das Ausblenden von ungeliebten Themen schein im Moment Hochkonjungtur zu haben. Nach Kinderpronographie und "Killerspielen" soll jetzt auch noch die Brigade ausgeblendet werden. Wäre ja schlimm wenn sich der mündige Bürger selbst ein Bild machen könnte.
Lieber schreiten hier Politik und Interessenverbände ein, um uns zu schützten. Danke Deutschland, das ich nicht mehr selbst denken muss.

 

Axel Mayer 21. Juni 2009 - 08:35 Uhr

6 Jahrzehnte Frieden in Zentraleuropa
führen bei vielen Menschen zur Illusion der Friede sei der Normalzustand. Doch ein Blick in die Welt oder in irgendeine Nachrichtensendung zeigt, dass dies eine Illusion ist. Wir sind nicht besser oder schlechter als Hutus und Tutsi, als Serben und Kroaten, als Iraker und Iraner...
Wenn es „gut organisiert“ wird fallen auch in Deutschland nach wenigen Jahren Propaganda Christen über Moslems, Raucher über Nichtraucher oder Schwarzhaarige über Blonde her... Nicht Frieden, sondern Kriege, Pogrome und Massaker waren und sind die Realität der Menschheitsgeschichte und dabei spielt das Militär eine wichtige Rolle.. Diesen Zustand zu überwinden ist unsere Aufgabe. Axel Mayer