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10. März 2017

Denkmalpflege statt Wohnungsbau?

Stadt Müllheim will auf dem ehemaligen Kasernenplatz Mietshäuser bauen / Regierungspräsidium erteilt Plänen Absage / Gerichtliche Auseinandersetzung scheint möglich.

  1. Einer Innenverdichtung auf dem historischen Kasernenplatz hat das Regierungspräsidium aus denkmalpflegerischen Gründen widersprochen. Foto: Volker Münch

MÜLLHEIM. Die Stadt Müllheim will auf dem alten Kasernenplatz, der im Volksmund als Zirkusplatz bekannt ist, und zur historischen Artilleriekaserne gehört, vier Mietshäuser bauen und damit der von der Politik geforderten Innenverdichtung nachkommen. Im Bauausschuss erfuhren nun die Ratsmitglieder, dass das Regierungspräsidium die Pläne durchkreuzt. Weil die Stadt nicht nachgeben möchte, ist also eine Auseinandersetzung vorprogrammiert. Das Vorhaben könnte sogar vor Gericht landen.

Schon lange wirkt der ehemalige Kasernenplatz nicht mehr wie eine große zusammenhängende Fläche. Mittlerweile befindet sich dort die Außenanlage des Kindergartens Bärenfels und im westlichen Teil sind mehrere Gebäude der Waldorfschule sowie zwei große Parkflächen. Rund herum stehen seit Jahrzehnten Bäume. Ein historisches Ensemble samt Exerzierplatz inmitten der historischen Artilleriekaserne ist kaum noch zu erkennen.

Die noch vorhandene Restfläche bietet aber nach Ansicht der Stadt ausreichend Platz, um vier im Karree angeordnete Wohnhäuser mit fünf Wohngeschossen zu errichten. Um die Bebaubarkeit zu erörtern, hat die Stadt eine entsprechende Bauvoranfrage gestellt. Es wäre ein weiterer Beitrag zur Innenverdichtung, die von der Bundes- und Landespolitik gefordert wird, um die Zersiedelung der freien Landschaft einzugrenzen. Weil die Stadt Eigentümerin des Grundstücks ist, musste das Regierungspräsidium als höhere Denkmalschutzbehörde eingeschaltet werden. Die Behörde sollte beurteilen, ob der ehemalige Kasernenplatz bebaut werden darf oder irgendwelche Schutzgründe höher einzustufen sind.

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Was dann folgte, glich schon fast einer Posse – manche Ratsmitglieder hörten bereits den Amtsschimmel wiehern, wie im Nachgang der Sitzung zu erfahren war. In einem Antwortschreiben verwies das Regierungspräsidiums auf das Gesamtensemble und dessen Schutzwürdigkeit. Die detaillierten Argumente, die folgten, bezogen sich zwar auf den ursprünglichen Kasernenplatz, hatten aber mit der heutigen Realität nur noch wenig zu tun. Nur eine kleine Restfläche, die seit Jahrzehnten im Volksmund als Zirkusplatz bekannt ist, lässt erahnen, welche Bedeutung dieser Exerzierplatz einst als Teil der Kaserne hatte.Von einem erhaltungswürdigen Kasernenplatz ist nicht viel übrig geblieben. Ganz anders die Ansicht der höheren Denkmalschutzbehörde: Sie unterstreicht den Charakter des Ensembles, will den Kasernenplatz als genau diesen erhalten wissen und untermalt ihre Argumente mit blumigen Erläuterungen zur Geschichte der Kaserne. Nur: Die geforderten Eigenschaften, die der historische Kasernenplatz haben müsste, sind schon vor Jahrzehnten verschwunden und durch den Bau der Waldorfschule, der Parkplätze und der Außenanlagen benachbarter Einrichtungen nicht mehr zu erkennen – so sieht man es zumindest auf Seiten der Stadt Müllheim. Trotzdem spricht die Denkmalschutzbehörde von einem öffentlichen Interesse, den Platz in seiner Ursprünglichkeit zu erhalten und versagt deshalb konsequent die Zustimmung für eine eventuelle Bebauung.

"Wir haben entschieden, der Empfehlung des Regierungspräsidiums, die Bauvoranfrage zurückzuziehen, nicht zu folgen", kündigte Bürgermeisterin Astrid Siemes-Knoblich an. Sie sieht einen Zielkonflikt zwischen den Forderungen des Denkmalschutzes und der Schaffung von dringend benötigtem Wohnraum, dem die Stadtverwaltung eine größere Priorität einräumt, als dem Erhalt eines bereits stark beschädigten Ensembles. "Es kann nicht sein, dass ein so großer Platz ungenutzt bleibt", ergänzte die Bürgermeisterin.

Er könne den Argumenten der Denkmalschutzbehörde zwar nicht folgen, tue sich aber mit der vorgeschlagenen Bebauung schwer, sagte Stadtrat Armin Imgraben. Ratskollege Michael Deiß sieht dagegen keine klotzige Bebauung. Für Stadtrat Martin Richter gehört dieses Thema in eine öffentliche Gemeinderatssitzung, um die vielen Aspekte in großer Runde diskutieren zu können.

Sicher ist: Die Stadt will es nun auf eine Konfrontation ankommen lassen und besteht auf einen entsprechenden Bescheid des Regierungspräsidiums, der juristisch überprüfbar sein wird.

Auch das nächste Bauvorhaben der Waldorfschule, die auf ihrem Grund einen zusätzlichen Pavillon für den Musikbereich und für weitere Fachräume erstellen möchte, wird vermutlich mit dem Ansinnen der Denkmalschutzbehörde kollidieren, erwartet die Bürgermeisterin. Trotzdem stimmte der Bauausschuss zugunsten der Bauvoranfrage.

Autor: Volker Münch