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24. Januar 2014

Ein Jahr lang kostenlos Strom

Wie die Buchhandlung Beidek den Unternehmer und Autor Matthias Willenbacher auf sich aufmerksam macht.

  1. Dejana Schaff Foto: gb

  2. Diese Schaufensterauslage machte Passanten neugierig wie keine zuvor. Die Buchhandlung Beidek gewann damit den ersten Preis. Foto: Buchhandlung Beidek

MÜLLHEIM. Ein Jahr lang den Strom kostenlos beziehen, das rechnet sich. Die Buchhandlung Beidek kommt in diesen Genuss, weil sie einen Preis gewonnen hat. Und der steht ganz im Zeichen des Themas "Energie", zufällig passend zum Motto des Jahres in Müllheim, das die Bürgermeisterin beim Neujahrsempfang ausgerufen hat. Hinter dem Gewinn steckt eine wahrhaft spannende Geschichte. Sie beginnt mit einem Flug nach Chile, bei dem ein Mann bei der Bundeskanzlerin abgeblitzt ist.

EIN BUCH STATT BRIEF
Der Mann hat die Vision einer Welt ohne Atomstrom und Kohlestaub. Weil er als Teilnehmer einer Wirtschaftsdelegation nach Chile der Bundeskanzlerin nicht persönlich seine Vorstellung von der Umsetzung der Energiewende bis 2020 vortragen konnte, sondern von ihr gebeten wurde, ihr einen Brief zu schreiben, verfasste er gleich ein ganzes Buch. "Mein unmoralisches Angebot an die Kanzlerin" lautet der Titel und es hat Matthias Willenbacher sehr schnell bekannt gemacht. Der 44-jährige, der aus kleinsten Anfängen mit der Windkraft und einem Kompagnon ein Weltunternehmen mit 1800 Mitarbeitern aufgebaut hat, ist überzeugt, dass der schnelle Umstieg auf saubere und dezentrale Energie möglich ist, und würde dafür alles hergeben, was er sich geschaffen hat. Er verspricht, seine Unternehmensanteile zu verschenken – an die rund 500 Energiegenossenschaften in Deutschland, wenn Angela Merkel die Energiewende "ohne Wenn und Aber" umsetzt. "Jetzt und hier."

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DER PURE ZUFALL
Was aber hat dies alles mit Müllheim zu tun? Zunächst einmal ist alles andere, was in Mülheim bezüglich dieser Thematik sonst noch stattfindet, nicht mehr als eine bemerkenswerte Zufälligkeit: das von der Bürgermeisterin ausgerufene Jahr der Energie ebenso wie die seit seit Fukushima unablässigen Montagsaktionen gegen die Atomkraft. Weil Willenbacher die Energiewende so wichtig sei, erzählt Beidek-Geschäftsführerin Antonia Schulze-Hackenesch, habe er mit großem Nachdruck darauf hingewirkt, dass sein Buch noch vor der Bundestagswahl (22. September 2013) erschienen ist und auch in den Schaufenstern publikumswirksam dargeboten wurde. Deshalb haben er und der Freiburger Herder-Verlag einen Schaufensterwettbewerb ausgeschrieben, bei dem die Müllheimer Buchhandlung den ersten Preis gewann.

EIN HINGUCKER
"Wir haben uns sehr gefreut", sagt Antonia Schulze-Hackenesch. Die Atomkraft hat dabei keine untergeordnete Rolle gespielt. In unmittelbarer Nähe und im Gefahrenbereiche des ältesten und maroden französischen Atomkraftwerks Fessenheim sei dieses Thema "eine Herzensangelegenheit" gewesen. Mitarbeiterin Dejana Schaff hat sich ihrer angenommen und besonders viel Kreativität in die Auslagengestaltung gesteckt. Die Elektrofirma Heitz tat für sie sogar noch alte Schukostecker auf, die sie über einem dicken Kabelgewirr drapierte, um zum Ausdruck zu bringen, dass wir alle viel Energie verbrauchen und dies in Zukunft noch mehr tun werden. "Die Reaktionen waren fast phänomenal", sagt die Buchhändlerin, Passanten seien ins Geschäft gekommen und hätten sich erkundigt, worum es hier eigentlich geht. Besser kann man offenbar nicht für eine Neuerscheinung werben, was der Autor nun auch zu würdigen weiß. Er zahlt ein Jahr lang den Strom, den die Buchhandlung verbraucht. Die Krönung wäre gewesen, wenn Autor und Unternehmer Willenbach bei der Preisverleihung hätte anwesend sein können, wie er es vorhatte. Seine weltweiten Aktivitäten fordern ihn aber andernorts.

Preisübergabe ist am Montag, 27. Januar, 10 Uhr, in der Buchhandlung Beidek. Vertreter des Herder-Verlags und der Willenbacher Juwi-AG sind anwesend.

Das Buch "Mein unmoralisches Angebot an die Kanzlerin", erschienen im Herder-Verlag Freiburg, ISBN 978-3-451-30926-7, kostet 9,99 Euro.

Autor: Gabriele Babeck-Reinsch