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17. November 2014

Eine unfriedliche Zeit

Beigeordneter Danksin hält eine bemerkenswerte Ansprache.

  1. Am Ehrenmal auf dem alten Friedhof wurde der Opfer von Krieg und Terror gedacht. Der Auftritt des Friedensrats mit einem Transparent kam nicht gut an. Foto: Volker Münch

MÜLLHEIM (mps). Das Gedenken an Opfer von Kriegen, Gewaltverbrechen und Terror am Volkstrauertag ist aktueller denn je. Das machte gestern Beigeordneter Günter Danksin bei der Feier auf dem alten Friedhof deutlich. Eine Abordnung der Deutsch-Französischen Brigade, der Reservisten, des VdK und viele Bürger gaben den Verstorbenen die Ehre.

Frieden und Freiheit waren das große Thema einer bemerkenswerten Rede, die Beigeordneter Günter Danksin hielt. Er dankte ausdrücklich den Vertretern der Brigade, der Reservistenkameradschaft und des VdK-Ortsverbandes für ihre Anwesenheit, um nicht nur den Opfern der Weltkriege zu gedenken, sondern der vielen Menschen anderer Nationen, die bis heute durch Krieg, Gewalt und Terror ihr Leben verlieren. Darunter, so Danksin, seien auch "unsere Soldaten, die in den vergangenen Monaten bei Auslandseinsätzen uns Leben gekommen sind."

"Wo stehen wir heute 100 Jahre nach Beginn des Ersten Weltkrieges und 70 Jahre nach Ende des Zweiten in Sachen Frieden und Freiheit?", war die in seiner Rede beherrschende Frage. Die Hoffnung, 55 Millionen Toten im letzten Weltkrieg seien genug Mahnung für Frieden und Freiheit, müsse angesichts der gewaltvollen Auseinandersetzungen seit 1945 in Frage gestellt werden. Danksin nannte seit dieser Zeit mehr als 200 Kriege und Bürgerkriege. "Nein, wir leben in keiner friedlichen Welt", betonte Danksin. Der Volkstrauertag mahne die Deutschen, sich für eine Welt in Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit einzusetzen. Deshalb habe Deutschland die historische Verpflichtung, anderen Völkern beizustehen. "Wir dürfen nicht wegschauen und diese Verantwortung beiseiteschieben", mahnte der Beigeordnete zum Handeln. Die Auswirkungen dieser unfriedlichen Zeit spüre man auch im eigenen Land, stellte Danksin fest.

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Zurzeit befänden sich weltweit 51,2 Millionen Menschen auf der Flucht vor Kriegen und Hungersnöten. Allein vor den Küsten Europas spielten sich unglaubliche humanitäre Katastrophen ab. Auch Deutsche mussten 1945 wegen der Kriegsfolgen aus der Heimat in eine ungewisse Zukunft fliehen. "Daran sollten wir uns erinnern, wenn nun einige Flüchtlinge nach Müllheim kommen und eine neue Heimat suchen", rief der Beigeordnete zu einer freundlichen Willkommenskultur auf. Die auf unabsehbare Zeit anhaltend große Zahl an Flüchtlingen stelle in vielerlei Hinsicht eine Herausforderung dar, der sich Stadt, Landkreis und Bürgerschaft gemeinsam stellen müssten. "Wir sind in Müllheim mit dem Helferkreis auf einem guten Weg", so Danksin weiter und: "Wir können den Flüchtlingen unsere Kultur erklären, und die der Flüchtlinge versuchen zu verstehen. Wir sollten Ihnen das Gefühl geben, willkommen zu sein."

Unter die Gäste, die der Einladung der Stadt am Volkstrauertag gefolgt waren, mischte sich auch eine kleine Abordnung des Friedensrates mit einem Transparent, auf dem stand: "Beendet die Kriege, den Hass, die Gewalt – Frieden jetzt!". Die Gruppe hängte auch weiße Papiertauben an einen Strauch direkt neben dem Ehrenmal. Was wohl als Mahnwache gedacht war, kam bei den meisten Besuchern der Feier nicht gut an. Wohl auch, weil der Friedensrat gefordert hatte, dass an der Gedenkfeier kein Militär teilnehmen dürfe. Kopfschütteln und Diskussionen unter den Anwesenden machten das deutlich. Sauer reagierte der ehemalige General der Bundeswehr, Helmut Neubauer: "Ich hätte die nicht auf den Friedhof gelassen. Das widerspricht dem Gedanken der Trauer um die Toten und diskreditiert die Anwesenden." Musikalisch umrahmt wurde die Gedenkfeier von der Stadtmusik und der Sängervereinigung.

Autor: mps