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18. Januar 2017

Graswurzelbewegung im Eichwaldstadion

Alemannia Müllheim will zur kommenden Saison wieder eine aktive Herrenmannschaft für den Spielbetrieb melden / Perspektive für den Nachwuchs entsteht.

  1. Vor vierzehn Jahren feierte die erste Mannschaft von Alemannia Müllheim ihren Aufstieg in die Landesliga. Jetzt würden sie gerne an die erfolgreichen Zeiten vergangener Tage anknüpfen. Foto: Sigrid Umiger

  2. Sie wollen die Fäden ziehen: (v.l.n.r.): Benedikt Merkel, Stephan Reichenbach, Erkan Egin, Urs Fellmann, Gerhard Danzeisen, Winfried Heim, Ralf Behrens und Marcus Lammert. Foto: privat

MÜLLHEIM. Die Fußballabteilung der Alemannia Müllheim meldet zur nächsten Saison eine neue Herrenmannschaft an. Nach einigen Jahren fußballerischer Tristesse hat eine kleine Gruppe von Trainern, Betreuern und Eltern den Stein ins Rollen gebracht. Das Trainerteam steht. Auch einige Spieler haben bereits zugesagt. Weitere sollen folgen.

Auf dem Vereinsgelände der Alemannia Müllheim tut sich einiges. Das Clubheim und der Kabinentrakt sind neu gestrichen. Im Sommer wurde der alte Rasen im Eichwaldstadion herausgerissen und durch einen neuen Kunstrasen ersetzt. Einzig, was fehlt, ist eine gestandene Mannschaft, die diesen bespielt.

Doch das soll sich ändern. "Der Grundstein ist gelegt. Wir haben ein gutes Gefühl", sagt Marcus Lammert. Der gebürtige Müllheimer hat fast 20 Jahre lang das Tor der Alemannia gehütet. Um ihn herum hat sich vor ein paar Jahren der Arbeitskreis "Wieder am Leben" formiert, dessen Ziel es war, die erste Herrenmannschaft zu reaktivieren. Die kleine Crew, bestehend aus Jugendtrainern, Betreuern und engagierten Eltern hat die Abteilungen im Verein neu strukturiert. Die Jugend- und die Aktivenabteilung – so wurde früher der Seniorenbereich genannt – wurden zusammengelegt. Lammert soll neuer Abteilungsleiter werden, Urs Fellmann, Ralf Behrens, Winni Heim und Stephan Reichenbach ihn unterstützen.

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Die Spielvereinigung Alemannia 08 Müllheim brüstet sich damit, der erste Fußballverein im Markgräflerland zu sein. Der 1908 gegründete Club hat durchaus Tradition. Sogar ein Weltmeister hat schon mal im Müllheimer Eichwaldstadion vorgespielt: Max Morlock, Stürmer der legendären Elf, die 1954 unter Trainer Sepp Herberger in der Schweiz den WM-Titel gewann, kam 1956 mit seinem 1. FC Nürnberg nach Müllheim. Zur Einweihung des Stadions.

Vor vierzehn Jahren stieg die erste Mannschaft in die Landesliga auf. Doch auf den Rausch der Siegesfeier folgte der Kater. Man stieg ein Jahr später wieder ab. Es war der Anfang vom vorläufigen Ende. In den Folgejahren verließen viele Spieler den Verein, der Vorstand löste sich auf. Zurück blieben eine Altherrentruppe und ein Haufen kickender Kinder und Jugendlicher. 2012 hat der Verein die Mannschaft vom Spielbetrieb abgemeldet und sich fortan ausschließlich auf die Jugendarbeit konzentriert.

Doch die ganze Jugendarbeit sei vergebens, sagt Lammert, wenn es keine Herrenmannschaft gibt. "Eine erste Mannschaft ist das Aushängeschild eines jeden Vereins. Sie zeigt den Kids Perspektiven auf." Also habe man sich im Februar 2015 zusammengesetzt, um an der Zukunft des Vereins zu basteln. "Wir haben alle Hebel in Bewegung gesetzt und als erstes Projekt eine A-Jugend an den Start gebracht", so der 41-Jährige. Die erste Herrenmannschaft war dann für 2018 geplant, weil der Großteil der A-Jugendlichen dann in den Seniorenbereich gewechselt wäre. Doch die alleine wären kaum konkurrenzfähig gewesen, sagt Lammert. "Wir hatten in der A-Jugend einen hohen Zulauf und der Badische Sportverband hat uns unterstützt. Da haben wir uns entschlossen, schon für 2017 eine Herrenmannschaft auf die Beine zu stellen."

Ein Trainer ist bereits gefunden: Erkan Egin. Über ihn sagt Lammert: "Er ist der perfekte Mann. Wir wollten keinen von außen. Er weiß, wie wir hier ticken." Der 33-Jährige soll gemeinsam mit seinem Co-Trainer, dem ein Jahr jüngeren Benedikt Merkel, die Fäden ziehen. Im Mai wird er seine Prüfung zum B-Lizenztrainer bestreiten. Bis dahin lernt er an der Trainerschule in Steinbach, wie man ein Training sinnvoll aufbaut, ein Spiel liest, Schwächen und Stärken analysiert, an der Technik der einzelnen Spieler feilt, Taktik schult und das Positionsspiel verbessert. Erfahrungen als Trainer hat er bisher nur im Jugendbereich gesammelt. Dafür verfügt er über Kenntnisse im Umgang mit Menschen. Der gelernte Feinmechaniker macht gerade eine Umschulung zum Jugenderzieher und arbeitet als Sozialberater in einer Flüchtlingsunterkunft in Bad Krozingen.

Keine Stammplatzgarantie, keine Hierarchie

Egin soll eine komplett neue Mannschaft aufbauen. Alles fängt bei null an. Es gibt keine Stammplatzgarantie, keine bestehende Hierarchie. "Ich bin extrem motiviert", sagt Egin. Doch er weiß auch, auf was er sich eingelassen hat. "Ich muss aus einer wild zusammen gewürfelten Truppe ein eingeschworenes Team formen." Derzeit führt er viele Gespräche mit möglichen Kandidaten, größtenteils ehemaligen Jugendspielern. "Aus anderen Clubs wollen wir keine Spieler abwerben. So etwas gehört sich nicht", sagt Lammert.

Egin sucht junge, hungrige Spieler. Zwölf haben ihm schon fest zugesagt. Dazu stoßen mindestens vier Spieler aus der A-Jugend. "Stand jetzt haben wir einen Altersdurchschnitt von 22 Jahren."

Um eine schlagkräftige Truppe aufzustellen, braucht man eine Kaderstärke von mindestens 20 Spielern. Eigentlich auch eine zweite Mannschaft. "Es heißt, ohne eine Zweite geht es nicht", sagt Lammert. "Auf dem Papier ist das richtig, in der Praxis aber schwer. Wir konzentrieren uns zunächst auf die Erste. Die Zweite gehen wir dann im nächsten Jahr an."

Überstürzen will hier keiner etwas. Als Ziel für die ersten beiden Jahren formuliert Egin vorsichtig: "Spaß haben und ein Team auf die Beine stellen, das harmoniert." Auch Lammert tritt auf die Bremse: "Wir sind uns alle bewusst, dass das eine Riesenaufgabe wird. Das Potenzial ist vorhanden. Doch wenn das Projekt scheitert, wird es auf unabsehbare Zeit der letzte Versuch, eine Aktiven-Mannschaft aufzubauen."

Das Potential ist zweifelsohne vorhanden, schaut man sich die Mitgliederzahlen an. In den Mannschaften von der G- bis zur A-Jugend spielen derzeit 170 Kinder und Jugendliche. Insgesamt sind im Verein 480 Mitglieder gemeldet. Hierunter zählen Funktionäre, passive Mitglieder, ehemalige Jugendspieler und viele ältere Menschen, deren Herz, wie Lammert es sagt, am Verein hängt. Doch fallen auch Kosten an. Allein die erste Saison könnte bis zu 20 000 Euro verschlingen, vermutet Lammert und zählt auf: "Trikots, Trainingsanzüge, Spielmaterial. Dazu Gebühren, die an den Südbadischen Fußballverbund und an die Schiedsrichter entrichtet werden müssen." Nur mit den Vereinsbeiträgen lässt sich das schwer stemmen. Daher werden Sponsoren gesucht. Erste Gespräche finden demnächst statt. Namen möchte Lammert nicht nennen. Nur so viel: "Es gibt ein paar Firmen, die versprochen haben, uns zu unterstützen, sobald wir wieder eine Herrenmannschaft gründen."

Info: Wer Interesse hat ab der nächsten Saison für Alemannia Müllheim zu kicken, muss sich bis Mitte August beim Verein anmelden. Am Freitag, 27. Januar, findet um 19 Uhr im Clubheim, Ziegleweg 9, ein erstes Treffen für alle Interessierten statt.

Weitere Infos unter: http://www.a08muellheim.de

Autor: Sebastian Krüger