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12. Dezember 2015

Ist’s so genug – oder schon zu viel?

Im überarbeiteten Entwurf für das Müllheimer Neubaugebiet "Am langen Rain" sind nun deutlich mehr Wohneinheiten eingeplant.

MÜLLHEIM. Das künftige Wohngebiet "Am langen Rain" – auch bekannt als "Mü 1" – am Ostrand der Müllheimer Kernstadt nimmt weiter Formen an. Jetzt stellten die beiden Architekten, die den städtebaulichen Wettbewerb gewonnen haben, dem Bauausschuss des Gemeinderates die überarbeitete Planung vor. Ein Kernauftrag der Stadt für die weitergehende Planung war die deutliche Steigerung der Anzahl der Wohneinheiten. Anstatt 146 Wohneinheiten sind nun mehr als 200 Wohnungen vorgesehen.

In seinen Grundzügen sind sich die beiden Architekten Ferdinand Schmelzer und Alessandro delli Ponti treu geblieben: Die modulare Struktur, die Grünbereiche und der Erhalt der Streuobstwiesen als, so Schmelzer nach wie vor begeistert, "besonderer Akzent für das Markgräflerland", bleiben weiterhin erhalten. Nur: Das Konzept wird mit jedem Überarbeitungsschritt schärfer und beantwortet zahlreiche Fragen, die vom Gemeinderat und von der Stadtverwaltung im Laufe der bisherigen Diskussion gestellt wurden. "Eines vorweg, es macht viel Freude mit diesen beiden hoch motivierten und kreativen Architekten zusammenzuarbeiten", betonten Baudezernent Hartmut Klein und Bürgermeisterin Astrid Siemes-Knoblich.

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Zum ersten Mal wurde nun die aktuelle Überarbeitung dem Bauausschuss vorgestellt werden. In der nächsten Phase soll sich der Ortschaftsrat Niederweiler mit dieser Variante auseinandersetzen und nach einer weiteren Überarbeitung nochmals dem Bauausschuss vorgestellt werden. Erst dann werden die optimierten Pläne dem Gemeinderat zur weiteren Beratung vorgelegt werden.

Schwerpunkt war die Erhöhung der Wohnungsdichte. "Das ist uns gelungen, ohne das städtebauliche Grundgerüst aufzugeben", erklärte Ferdinand Schmelzer. In der Überarbeitung, die nun dem Bauausschuss vorgelegt wurde, standen bereits 198 Wohneinheiten, die durch weitere Optimierungen und Veränderungen im Detail sogar auf jetzt 211 Wohneinheiten erhöht werden können. Gelungen ist diese Verdichtung durch die Reduzierung der Zahl von Einfamilien- und Reihenhäusern zugunsten von Mehrfamilienhäusern. Die meisten Baugrundstücke sind wegen einer besseren Ausnutzung und Bewirtschaftung quadratisch oder rechteckig angelegt. Nur in Randlagen gibt es ein paar wenige Grundstücke, die eine Dreiecksform haben werden.

Ein großzügiger Erosionsstreifen mit einer Breite von 15 bis 18 Metern, mit entsprechender Begrünung und einem Wirtschaftsweg grenzt das Gebiet nach Osten ab. Nehmen Dichte und Höhe der Gebäude zur Landschaft hin ab, so konzentrieren sich die Mehrfamilienhäuser in der Mitte des künftigen Wohngebietes "Am langen Rain". Der Bereich für den sozialen Wohnungsbau konzentriert sich an der Ostseite zur Sulzburger Straße hin mit 39 geförderten Wohneinheiten. Ferner gibt es ein Baufenster für eine Kindertagesstätte und einen großzügigen Quartiersplatz. Von der Haupterschließungsstraße, die optional mit einem Kreisverkehr an die Sulzburger Straße (Landesstraße in Richtung Zunzingen) angeschlossen wird, und einer möglichen zweiten Zufahrt im nördlichen Bereich, werden die Häuser mit Ringerschließungen angeschlossen.

Ein weiterer Diskussionspunkt war die Stellplatzfrage. Am Ende einigten sich die Mitglieder des Bauausschusses auf 1,5 Stellplätze pro Wohneinheit. Das ergibt nach der Planung der beiden Architekten insgesamt 289 Stellplätze, von denen 170 in Tiefgaragen und 119 oberirdisch – etwa im Bereich des sozialen Wohnungsbaus, um Kosten zugunsten günstiger Mieten einzusparen – angelegt werden sollen. Hinzu kommen zehn Parkplätze bei der geplanten Kindertagesstätte und 60 öffentliche Stellplätze.

Besonderen Charme und Wertigkeit erhält das Konzept durch den weitgehenden Erhalt der Streuobstwiesen und der wertvollen Bäume, die als Naturdenkmale registriert sind. Darauf haben die beiden Architekten großen Wert gelegt. Der Quartiersplatz wird entsprechend der Planung als Ort der Begegnung gestaltet, die Dächer der Gebäude sollen mit flachen Neigungen und mit Dachbegrünung ausgestattet werden. Das sei auch ein Beitrag zum Klimaschutz und zur Regenrückhaltung, erklärt der Planer.

Mit Blick auf das Regenwassermanagement sind zwei Retentionsbecken – das eine im südwestlichen Bereich nahe der Landesstraße in Richtung Oberweiler, das andere beim Quartiersplatz – vorgesehen. Um den Abfluss zu verlangsamen, schlagen die Architekten Entwässerungsgräben im Bereich der Grünflächen vor.

Kontrovers wurde die reduzierte Zahl der Einfamilienhäuser diskutiert. Für Stadtrat Jürgen Nafz (CDU) fiel die Reduzierung zu heftig aus, für Ratsmitglied Philipp Lang (SPD) können es nicht genug Wohneinheiten sein. Eine gute Durchmischung im Zuge der veränderten Planung machte Ratskollegin Dora Pfeifer-Suger (ALM/Die Grünen) aus. "Am Ende ist es eine politische Entscheidung, welche Gebäudestrukturen in welcher Konzentration umgesetzt werden sollen", führte Baudezernent Klein aus.

Die Bürgermeisterin erinnerte daran, dass für die Stadt entsprechend einer Wohnflächenbedarfsberechnung bis zum Jahr 2020 rund 400 Wohneinheiten in Mehrfamilienhäuser und eine gleiche Zahl an Wohnraum in Einfamilien- und Reihenhäuser erforderlich wären. "Blickt man auf bereits gebaute oder in Planung befindliche Mehrfamilienhäuser, dann kommen wir bei dieser Forderung hin. Bei den Einfamilienhäusern gibt es allerdings großen Nachholbedarf", betonte die Siemes-Knoblich und meinte: "Deshalb müssen wir das Plangebiet Riedboden ebenfalls vorantreiben." Sie verwies auf die erhöhte Nachfrage in allen Preislagen und nach allen Haustypen.

Autor: Volker Münch