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13. März 2015

Leitlinien auf 36 Seiten

Vorbereitungen für den städtebaulichen Wettbewerb MÜ 1.

  1. Noch ist hier freies Feld, das soll sich alsbald ändern: Der Entwurf für den Wettbewerbstext für das Plangebiet „Am langen Rain“ steht. Foto: Volker Münche

MÜLLHEIM. Der Entwurf des Auslobungstextes für den Wettbewerb im Plangebiet MÜ 1, dem künftigen Baugebiet "Am langen Rain" steht. Der Bauausschuss einigte sich am Mittwoch auf eine Vorlage, die Anregungen aus der Bürgerschaft, die in dieser Phase für die Entwicklung relevant sein werden, enthält. Diskutiert wurde nochmals die prozentuale Aufteilung der verschiedenen Bebauungsarten.

Einigkeit herrschte bei den Regularien, die der eigentlichen Projektbeschreibung in den Teilen A und B vorausgehen. Kleine redaktionelle Änderungen wurden sofort in den 36-seitigen Textentwurf eingearbeitet. Auch bei der Zulassung von so genannten "Berufsanfängern" unter Stadt- und Landschaftsplanern folgte der Ausschuss dem Vorschlag der Verwaltung, der sich an den allgemeinen Gepflogenheiten bei Wettbewerbsausschreibungen orientiert habe, wie Baudezernent Hartmut Klein erklärte. So können sich Planer vom Geburtsjahrgang 1980 an um die gesetzten Plätze für Berufsanfänger bewerben – unter entsprechenden Zulassungskriterien wie eines Nachweises zur beruflichen Qualifikation. Noch einmal ausführlich diskutiert wurde der Nutzungsmix, der die prozentuale Aufteilung verschiedener Gebäudearten beschreibt.

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Diskussion um Nutzungsmix
Das Verhältnis von rund 50 Prozent Flächenanteil für Einfamilienhäuser, Doppelhäuser und Reihenhäuser, etwa 30 Prozent für Geschosswohnungsbau (Mehrfamilienhäuser) und weitere 20 Prozent für Sonderbauformen beispielsweise Mehrgenerationenhäuser, Baugruppen und flächensparendes Bauen wurde von Stadtrat Martin Richter in Frage gestellt. Er wünschte sich ein Verhältnis von 40 zu 40 Prozent jeweils für die Individualbauweise und für die Mehrfamilienhäuser, um die Grundstücksflächen besser ausnützen zu können. "Wir haben doch zurzeit genug Geschosswohnungsbau. Wir müssen uns doch am Bedarf orientieren", entgegnet dem Michael Deiß.

Und tatsächlich: Nach den Erkenntnissen von Patrick Weichert, dem zuständigen Fachbereichsleiter für Grundstücksangelegenheiten, scheint die Nachfrage nach Grundstücken für Einzel-, Doppel- und Reihenhäuser deutlich an erster Stelle zu stehen. "Es geht uns um bezahlbare Mietwohnungen", gab Richter zu bedenken. Das Nutzungsverhältnis relativierte Stadtrat Jürgen Nafz: "Eigentlich muss man die Sonderbauformen zum Geschosswohnungsbau hinzuzählen."

Das Aussehen des künftigen Baugebietes hatte Armin Imgraben im Blick. Er meinte: "Dieses Baugebiet ist in exponierter Lage die Visitenkarte Müllheims am nordöstlichen Rand." Er sprach sich für den vorgeschlagenen maßvollen Mix aus. Welche Auswirkungen die unterschiedliche Nutzung auf das Gebiet haben werden, zeigte Stadtplanerin Julia Brocke anhand von Grundstücksflächenberechnungen. Von der 37 500 Quadratmeter Nettobaufläche entfallen bei dem vorgeschlagenen Nutzungsmix 18 750 Quadratmeter auf Einfamilienhäuser, Doppel- und Reihenhäuser. Je nach Gewichtung ergeben sich zwischen 37 Bauplätze (ausschließlich Einfamilienhäuser mit rund 500 Quadratmeter Grundstücksfläche) bis zu 62 Plätze bei 300 Quadratmeter Fläche, wie sie bei Doppelhäusern oft üblich seien.

Auf den 11 250 Quadratmetern, die für den Geschosswohnungsbau vorgesehen sind, lassen sich je nach Bauart etwa 13 Baufelder realisieren. Das wären bei einer drei- bis viergeschossigen Bauweise zwischen 120 bis 150 Wohnungen, ergänzte Bürgermeisterin Astrid Siemes-Knoblich. Mit den 7500 Quadratmetern bei den Sonderbauformen ließen sich je nach Grundstücksgröße – man geht von 200 bis 250 Quadratmeter pro Einheit aus – 30 bis 37 Bauplätze realisieren. Für Stadtkämmerer und Beigeordneter Günter Danksin steht jedenfalls fest: "Unsere vorgeschlagene Aufteilung spiegelt die heutigen Anforderungen des Marktes wider."

Viele Hinweise für die Planer
Zahlreiche weitere Kriterien betonen die Anforderungen der Stadt, wie sie beim Bürgerworkshop konkret gewünscht wurden. "Wir haben viele ausschließlich als Hinweise behandelt, um die Kreativität der Wettbewerbsteilnehmer nicht zu sehr einschränken zu wollen", erklärte Thomas Thiele von der Firma Kommunalkonzept, die den Prozess der Entwicklung des Baugebietes begleitet. So wurde der "Kurzschluss", also eine abkürzende durchgehende Verbindung von der einen zur anderen Landesstraße, untersagt. Ein weiteres Stichwort lautet "Straßenraum als Lebensraum".

Auch die Stellplatzfrage sowie die Anbindung des öffentlichen Personennahverkehrs und die Grünstruktur – der Hinweis auf die bestehende Grünzäsur ist ebenfalls enthalten – spielen eine Rolle im Auslobungstext. Die beiden Walnussbäume, die als Naturdenkmale schützenswert sind, werden ebenfalls Bestandteil des Wettbewerbsinhaltes sein. "Wir sind ganz gespannt, welche Rolle sie bei den Konzepten spielen werden", sagte Thiele. Regenrückhaltung und die Reduzierung des Abflusses von Oberflächenwasser müssen ebenfalls berücksichtigt werden.

Mit zwei Enthaltungen (Martin Richter und Gabriele Seehaus) stimmte der Bauausschuss für die in der Sitzung überarbeitete Textvariante. Der vorgeschlagene Wettbewerbstext soll nun in einer der nächsten Sitzungen des Ortschaftsrates in Niederweiler vorgestellt und anschließend in der Sitzung des Gemeinderates am 19. April verabschiedet werden.

Autor: Volker Münch