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31. Juli 2015

Mehr Wohneinheiten gefordert

Neubaugebiet "Am langen Rain": Müllheimer Gemeinderat beauftragt Wettbewerbssieger mit weiteren Planungen.

  1. Die Entwurfsskizze der Wettbewerbssieger, die hier die Bürgermeisterin begutachtet, zeigt die modulare Struktur – aufgeteilt in „Quadranten“. Dort sollen auch noch mehr Wohneinheiten möglich sein. Foto: Volker Münch

MÜLLHEIM. Die Sieger des städtebaulichen Wettbewerbs zum künftigen Wohngebiet "Am langen Rain" wurden mit der weiteren Ausarbeitung für das bevorstehende Bauleitplanverfahren beauftragt. Die Mitglieder des Gemeinderates betonten, dass die Zahl der Wohneinheiten noch deutlich angehoben werden müsse. Für die beiden Architekten Ferdinand Schmelzer und Alessandro delli Ponti scheint das kein Problem zu sein.

Beide Architekten – Alessandro delli Ponti unterhält ein Büro in Paris, Ferdinand Schmelzer arbeitet in Berlin – waren zur Vorstellung ihrer Wettbewerbsarbeit vor dem Gemeinderat eigens angereist. Beide Architekten machten nochmals deutlich, wie sie sich dem Projekt genähert hatten. Die Landschaft hatte beide sehr beeindruckt. Die Sicht auf das Hügelland, die Berge, dann die Streuobstwiesen, das ansteigende Gelände mit dem wertvollen Baumbestand sahen beide Architekten als die große Herausforderung an. Und als der gebürtige Italiener die vorhandene Struktur des künftigen Baugebietes beschrieb, geriet er fast ins Schwärmen. Sein Kollege, Ferdinand Schmelzer, fasste diese Begeisterung in Worte: "Wir wollten sensibel vorgehen. Wir wollten diesem schönen Flecken Erde nicht einfach etwas überstülpen."

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Das Gelände "abräumen", also alles bis auf die nackte Erde entfernen, entspräche nicht ihrer Philosophie, machte Schmelzer deutlich. "Wir wollen mit unserem Entwurf das Vorhandene ergänzen und behutsam entwickeln", erklärte der Berliner die Vorgehensweise, die am Ende zur Siegerarbeit geführt hatte (siehe auch BZ vom 20. Juli). Noch einmal erläuterte er die Struktur der "Quadranten", die sich aneinander reihen und dem Besucher Orientierung geben sollen. Dann der zentrale Platz am Ende der Erschließungsachse, die von der künftigen Kreuzung – die Zufahrt zum Gebiet erfolgt auf Höhe der heutigen Abzweigung zur Helios Klinik und zum Wohngebiet Erlenbuck – ostwärts durch das Gebiet führt und in einen südlichen und nördlichen Bereich teilt. Dort öffnet sich der Blick zur Landschaft auf der einen Seite und von dem erhöhten Punkt wieder ins Wohngebiet. Die modulare Struktur der "Quadranten" lässt mit der Leistungsfähigkeit flexibel umgehen. Das wird auch notwendig sein, wie die anschließende Diskussion im Gemeinderat deutlich machte.

"Ihr Entwurf bewegt sich bei der Ausnutzung der Wohnflächen wohl am unteren Rand", stellte Stadtrat Ulrich Menny fest. Tatsächlich beinhaltet die Siegerarbeit bis dato etwa 146 Wohneinheiten. Auch der Ortschaftsrat von Niederweiler bezeichnet die Zahl der Wohneinheiten als zu gering. Das berichtete die stellvertretende Ortsvorsteherin Astrid Richert dem Ratsgremium. Man habe auch eine fehlende Tabelle, die die Zahl der Wohnungen vergleichbar machen könnte, vermisst.

Am Ende habe sich eine knappe Mehrheit des Ortschaftsrates für die Siegerarbeit ausgesprochen, erklärte Richert – allerdings an verschiedene Forderungen geknüpft. So wünscht sich der Ortschaftsrat eine weitere Steigerung der Wohnungszahlen um 30 Prozent, bei der Planung zwei Stellplätze pro Wohneinheit zu berücksichtigen und ein deutliches Votum des Gemeinderates, keine weitere Bebauung anzuschließen und die Grünzäsur zu erhalten.

"Der Entwurf ist flexibel genug, um die Zahl der Wohneinheiten zu erhöhen, ohne die gelungene Struktur zu verlieren", antwortete Bürgermeisterin Astrid Siemes-Knoblich. Abwägen wollte Dora Pfeifer-Suger zwischen der Wohnungszahl und der zu erwartenden Versiegelung. "Wir müssen an den Siedlungsdruck denken, aber gleichzeitig darauf achten, dass dieses schöne Gebiet nicht zu sehr zugebaut wird", sagte die Stadträtin. Für Ratskollege Michael Nutsch war genug geredet: "Wir wollten jetzt nicht Erbsen zählen, sondern lieber den gelungenen Entwurf würdigen."

Schmelzer und delli Ponti machten deutlich, dass die Struktur durchaus eine nennenswerte Erhöhung der Wohneinheiten zuließe. Das müsse nicht über größere Grundflächen realisiert werden. "Wir wollen den wertvollen Grünbereich zwischen den Gebäuden nicht noch mehr verringern", erklärte Schmelzer. Deshalb denken die beiden Architekten daran, in die Höhe weiter zu entwickeln, also die meist zweistöckigen Gebäude um ein weiteres Geschoss zu erhöhen. Diese Aussage gefiel wohl auch den Kritikern: Am Ende votierte der Gemeinderat einstimmig für die Vergabe der weiteren Planung an die Wettbewerbssieger.

Autor: Volker Münch