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16. November 2013

Mit Haut und Haar gegen Rüstungsexporte

Jürgen Grässlin präsentierte in der Buchhandlung Beidek interessierten Zuhörern sein "Schwarzbuch Waffenhandel".

  1. Mahner gegen Waffenexporte: Jürgen Grässlin Foto: beatrice ehrlich

MÜLLHEIM. Manchmal haben sich Menschen einem Ziel verschrieben, das sie ihr Leben lang nicht loslässt. Der Freiburger Jürgen Grässlin gehört zu ihnen. Am Donnerstag war der Autor, der sich schon seit vielen Jahren mit großer Beharrlichkeit gegen deutsche Rüstungsexporte einsetzt, bei einer Veranstaltung der Buchhandlung Beidek mit dem Arbeitskreis Frieden im Kirchenbezirk Breisgau-Hochschwarzwald zu Gast.

Sein "Schwarzbuch Waffenhandel", veröffentlicht im Mai dieses Jahres, ist auf große Resonanz gestoßen, es erscheint gerade in zweiter Auflage. Grässlin hat sich mit jahrzehntelangen akribischen Recherchen den Ruf als Deutschlands bekanntester Rüstungsgegner hart erarbeitet. Die Reihe der von ihm veröffentlichten Bücher ist lang, sein Rüstungsinformationsbüro in Freiburg einzigartig. "Das ist mein Leben", so lautet sein radikales Bekenntnis vor den gut 20 Besuchern der Lesung. Beim Bestreben, die Rüstungsexporte deutscher Firmen in Konfliktgebiete weltweit einzudämmen, scheut Grässlin keinen noch so mächtigen Gegner. Auch juristischen Auseinandersetzungen geht er nicht aus dem Weg. Seine Wortmeldungen bei der Aktionärsversammlung von Daimler – Grässlin und seine Mitstreiter sind als kritische Aktionäre jeweils im Besitz einer Aktie – haben Berühmtheit erlangt. Erbarmungslos prangert er die Beteiligung des Konzerns an Rüstungsverkäufen an. 2011 wurde er dafür mit dem Preis der Aachener Friedensbewegung ausgezeichnet.

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Nur punktuell liest der Autor aus seinem 624 Seiten starken Buch vor, den restlichen Abend spricht er frei. Immer wieder kommen neue Fälle hinzu, aktuell etwa die geplante Lieferung deutscher Kampfpanzer nach Saudi-Arabien. Über die Jahre hat sich der Realschullehrer Wissen angeeignet. Infolge eigener Recherchen, aber auch mit Hilfe von Informanten stößt er immer wieder auf brisante Fälle. Sogar illegalem Waffenhandel kommt er auf die Spur, wie er beim Vortragsabend belegt. Doch Grässlin belässt es nicht bei der Dokumentation. Die in seinen Augen Schuldigen in Industrie und Politik nennt er in seinem Buch provozierend beim Namen. Den Opfern, denen er bei seinen Reisen in ehemalige Kriegsgebiete begegnet ist, gibt er ein Gesicht. Für Grässlin sind Rüstungsexporte nicht mit unseren Werten vereinbar. Auch mit seiner einstigen Partei, den Grünen, hat er sich überworfen. Die Entscheidungen der Rot-Grünen Regierung über Kriegseinsätze und Rüstungsexporte trug er nicht mit.

Autor: Beatrice Ehrlich