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22. Oktober 2016

Schüler schieben mit Elan Hilfe an

Nach dem Hurrikan "Matthew" will die Michael-Friedrich-Wild-Grundschule in Müllheim mit diversen Aktionen Kindern in Haiti helfen.

  1. Über die schlimme Lage nach dem Hurrikan gibt es Informationen direkt aus Haiti. Die Kinder in der Schulversammlung lauschen gespannt dem Bericht. Foto: A. Huber

MÜLLHEIM. Schon wieder Haiti. Diesmal war es der Wirbelsturm "Matthew", der das gebeutelte Land hart getroffen hat. Die allgemeine Hilfsbereitschaft allerdings lässt bislang zu wünschen übrig. Fast scheint es, als verliere die (Welt-)Öffentlichkeit angesichts der andauernden Katastrophen auf der Karibikinsel das Interesse an den Menschen dort. Nicht so die Schüler der Michael-Friedrich-Wild-Grundschule in Müllheim. Die Jüngsten zeigen mit großer Begeisterung ihre Hilfsbereitschaft – und wollen damit die ganze Stadt anstecken.

Dass die Motivation so hoch ist, liegt vor allem daran, dass es einen persönlichen Bezug der Schule zu einem Hilfsprojekt in Haiti gibt. Der direkte Draht ist Gabriele Kinle zu verdanken, die schon als Jugendliche in Wolfach die Ärztin Anke Brügmann kennengelernt hat. Brügmann ging mehrfach mit der Organisation "Ärzte ohne Grenzen" nach Haiti, bevor sie ihr Leben vollständig der Hilfe an den Menschen in diesem Land widmete, das zu den ärmsten der Welt zählt. 2002 entstand der Verein "Pwoje men kontre" – kreolisch für "Projekt der sich begegnenden Hände" – und mit ihm in der Ortschaft Beaumont ein Waisenhaus für 75 Kinder. Später kam eine Schule hinzu, die nochmals rund 250 Kinder besuchen.

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Anke Brügmann arbeitet weiter als Ärztin. In dem Land mit seiner miserablen Infrastruktur, wo allein die 250 Kilometer lange Fahrt von der Hauptstadt Port-au-Prince nach Beaumont einen ganzen Tag lang dauert, ist sie oft die nächste und vor allem zuverlässigste medizinische Fachkraft. Und ganz nebenbei ist das Kinder- und Schulzentrum von "Pwoje men kontre" auch einer der größten Arbeitgeber in der Region.

Der Hurrikan "Matthew", der Anfang des Monats mit voller Wucht über Haiti fegte, hat auch "Pwoje men kontre" hart getroffen. Kinder und Lehrer blieben zum Glück weitgehend unversehrt, doch die Gebäude des Zentrums wurden fast komplett zerstört, die dazu gehörenden Gärten und Äcker verwüstet. Anke Brügmann ist, so berichtet Yvonne Spindler, Konrektorin der Michael-Friedrich-Wild Grundschule (MFW), im medizinischen Dauereinsatz, die Medikamente werden knapp.

Für die MFW-Grundschüler ist der Verein "Pwoje men kontre" keine unbekannte Größe. Im Sommer wurden nicht mehr benötigte Schulmöbel von Müllheim nach Beaumont gebracht. Dass die Schule, der man doch gerade erst vor wenigen Monaten etwas unter die Arme greifen konnte, nun einem Trümmerfeld gleicht, trifft Schüler wie Lehrer gleichermaßen. Umso entschlossener der Wille zu helfen.

Wenn es an der MFW-Grundschule um etwas Bedeutsames geht, das die gesamte Schulgemeinschaft angeht, dann bedeutet das: Schulversammlung in der Aula – die fand nun am Donnerstag statt. "Die Kinder wissen dann schon: Jetzt kommt was Wichtiges", sagt Yvonne Spindler. Beeindruckend, wie schnell 360 Kinder zur Ruhe kommen können, spätestens als Gabriele Kinle auf der großen Leinwand den von Anke Brügmann per E-Mail übermittelten aktuellen Lagebericht aus Haiti vorträgt, ist auch das letzte Gemurmel verstummt und die Kinder hören gebannt zu. Die ersten Hilfsaktionen sind derweil schon angelaufen. Viertklässler haben spontan Muffins gebacken, verkauft und ihrer Lehrerin 46 Euro auf den Tisch gelegt. Für 1,50 Euro kann ein Kind in Beaumont einen Tag lang mit einer warmen Mahlzeit versorgt werden. Das zeigt nicht nur, wie wertvoll jeder Euro ist, sondern ist auch gleich mal eine praktische Aufgabe für den Matheunterricht.

"Die Kinder merken, dass sie angesichts der Not nicht hilflos bleiben müssen. Dass jeder Einzelne etwas beitragen kann. Das ist ungeheuer wertvoll", sagt Schulleiterin Barbara Dobuszewski. Die Lehrer sind sichtlich gerührt vom Feuereifer ihrer Schützlinge. Und nicht nur die – erste positive Ansteckungen hat es auch schon über die Schule hinaus gegeben. Während in den Klassenzimmern weitere Projekte wie Kuchenverkauf, Spielzeugflohmarkt und anderes in der Mache sind, haben die evangelische und die katholische Kirche in Müllheim schon mal zugesagt, in nächster Zeit eine Extrasammlung für Haiti zu organisieren.

Erste private Spontanspenden sind auch schon eingegangen, berichtet Barbara Dobuszewski. Für Mittwoch, 26. Oktober, ist in der Schule ein großer Brezelverkauf angesagt. Bäckermeister Reiner Kirschner brauchte nicht lange überredet zu werden: 400 Brezeln aus seiner Backstube wird er stiften, der Erlös fließt in den guten Zweck.

Hilfe für Haiti

Der Verein "Pwoje men kontre" braucht dringend Geld für Lebensmittel, Medikamente und den Wiederaufbau. Die Verantwortlichen versichern, dass die Spenden in voller Höhe den Hilfebedürftigen zugutekommen. Folgende Spendenkonten gibt es.
Sparkasse Wolfach:
IBAN: DE 0766 4527 7600 1014 8072
BIC: SOLADES1WOF
Volksbank Kinzigtal:
IBAN: DE 7266 4927 0000 2001 2501
BIC: GENODE61KZT
Wichtig: Bitte unbedingt den Verwendungszweck "MFW-Grundschule für Haiti" angeben. Infos im Internet unter http://www.menkontre.de  

Autor: bz

Autor: Alexander Huber