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16. Januar 2009 18:38 Uhr

Mobilfunk-Gutachten

Stadt Müllheim hat mehr Einfluss

Mit dem Mobilfunk-Gutachten, das der Gemeinderat einvernehmlich guthieß, hat sich die Stadt Müllheim Einfluss auf Antennen-Standorte verschafft.

  1. Die Bürgerinitiative hat was erreicht (von links): Karl-Detlef Schulz-Tavares, Cecília Schulz-Tavares und Markus Röllgen Foto: Babeck-Reinsch

MÜLLHEIM. Mit dem Mobilfunk-Gutachten, das der Gemeinderat einvernehmlich guthieß, hat sich die Stadt Einfluss auf Antennen-Standorte verschafft. Entsprechend der Selbstverpflichtung müssen die Betreiber den Suchkreis für Anlagen bei den Kommunen anmelden, die Alternativen vorschlagen können, so der Sachverständige Thomas Gritsch vom TÜV Süd, der die Expertise erstellte. Die Untersuchungen sollen jetzt auf die Ortsteile ausgedehnt werden.

Die Strahlenbelastung kann minimiert werden, wenn die Mobilfunkanlagen auf exponiert hohen Standorten gebündelt werden. Der Gutachter hat mehre Kombinationen der Standorte Bismarckstraße, Rathaus, Krankenhaus, Humberg, Josberg und Kaserne untersucht. Sein Ergebnis: Die Kombination von Josberg, Humberg und Kaserne bietet die "optimalste, umweltverträglichste Versorgungssituation". So könnte die Strahlenimmission bei voller Auslastung der Anlagen auf 6,6 Prozent des Grenzwertes reduziert werden. Bei den Anlagen, wie sie jetzt in der Stadt verteilt sind, beträgt dieser Wert knapp 15 Prozent.

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Mit den drei Standorten Josberg, Humberg und Kaserne können funktechnisch etwa 90 Prozent des Stadtgebietes abgedeckt werden, eine Versorgungslücke bleibe allerdings im nordöstlichen Bereich. Da dieser vor allem das Krankenhaus und das Schulzentrum betreffe, sei dies aus Sicht der Bürger sogar wünschenswert, so der Gutachter. Allerdings, schränkte Thomas Gritsch ein, seien drei Standorte auf Dauer nicht ausreichend, da sich eine schnellere UMTS-Variante (HSDPA mit Übertragungsgeschwindigkeiten bis sieben Megabit ) im Aufbau befinde. Nachteil dieser Technik sind geringere Reichweiten. Sie würde das Stadtgebiet mit einem deutlich dichteren Standortnetz überziehen und stelle deshalb eine neue Nutzung dar. Gritsch hält deshalb das Festhalten der Firma Vodafon am Standort Krankenhaus mit der Begründung eines HSDPA-Einsatzes nicht für ohne weiteres zulässig.

Alle von ihm untersuchten Alternativstandorte würden technisch funktionieren, sagte Gritsch, darauf könne sich die Stadt berufen. Die Betreiber haben jetzt nicht mehr so einfaches Spiel, wenn sie die Standorte abzulehnen versuchten. Er empfahl der Stadt eine offensive Strategie, sie solle den Anbietern Grundstücke vorzuschlagen.

Bürgermeister René Lohs nannte die Müllheimer Vorgehensweise "einmalig in der Region". Er will den eingeschlagenen Weg mit dem Gemeinderat weitergehen, die drei Standorte im Flächennutzungsplan festhalten und auch eine entsprechende Satzung für die Kernstadt erlassen. Erneut betonte er die konstruktive Zusammenarbeit mit der Bürgerinitiative, die davon getragen war, eine für alle Seiten akzeptable Lösung zu finden, wohl wissend auch, dass die Kommunen nur begrenzte Möglichkeiten haben. Mit dem Gutachten geht er nun in die Verhandlungen mit den Mobilfunkbetreibern.

Karl-Detlef Schulz-Tavares, Sprecher der Initiative gegen Elektrosmog durch Mobilfunkstrahlung erklärte, das Gutachten sei ausführlich und nachvollziehbar. Wenn Gemeinderat und Verwaltung ihm folgten, würde sich die Initiative sehr freuen.

Autor: Gabriele Babeck-Reinsch