27. Juni 2009 14:36 Uhr

Marsch der Deutsch-Französische Brigade

Szenen am Rande des Marschs

Die befürchteten Krawalle während des Marschs der Deutsch-Französischen Brigade sind ausgeblieben – doch dass der Marsch in Müllheim stark polarisiert hat, ist am Samstagmorgen deutlich geworden. Die BZ hat einige Eindrücke von dem Ereignis gesammelt.

Hier die Friedensbewegung – da die massive Polizeipräsenz | Foto: MPS
"Ach, wenn die Bundeswehr doch nur was Buntes wär’", singt ein Friedensaktivist um acht Uhr morgens mit seiner Gitarre vor der evangelischen Stadtkirche. Kreisrat Axel Mayer ist schon seit sieben Uhr da und verkauft Buttons mit der Friedenstaube drauf und auch gegen Atomkraft, wenn er schon mal dabei ist. "Wir haben auch viel Unterstützung aus Frankreich bekommen", betont er. "Die französische Friedensbewegung teilt unsere Auffassung."

Ein paar Jugendliche in schwarzen Kapuzenpullis und Kappen fangen an zu kichern, als vor der Post der Chor der Müllheimer Friedensaktivisten "Dona nobis pacem" anstimmt. "Hardcore", meint einer von ihnen dazu. Auf ihrem Transparent steht "Kapitalismus zerschlagen". Einer von ihnen berichtet gerade von einem Info-Gespräch mit der Polizei: "Wenn ich einen Flyer auf die Fahrbahn werfe, ist das ein Angriff, dann kann ich in Gewahrsam genommen werden", sage die Polizei. Die Gruppe gehört ganz offensichtlich zur angereisten linksautonomen Szene. Woher er kommt, will der Kappenträger nicht verraten, er schüttelt nur den Kopf. Einer seiner Bekannten – in bunter Kleidung – ist da auskunftsfreudiger. Jonas ist mit dem Zug aus Freiburg gekommen, mit etwa 40 anderen aus der linken Szene, wie er sagt. Er kennt sich aus in Sachen Demos und Polizei, entziffert locker an Hand ihrer Nummern die eigentlichen Einsatzorte der Polizisten. Es gibt auch viele Staatsschützer hier in Zivil, sagt er, zeigt auf zwei Männer und nennt auch Namen. "Die kenn’ ich vom in Gewahrsam genommen werden", meint er und grinst. Die Militarisierung sei viel Thema in letzter Zeit gewesen, meint er, gerade nach dem Nato-Gipfel. Er beobachte mit Besorgnis, dass das Militär wieder salonfähig werde. Sein Fazit der Protestaktion ist zwiespältig – schließlich habe man gegen den Marsch nichts machen können. Aber immerhin: "Die Soldaten mussten im Kessel marschieren und hinter Hamburger Gittern. Das ist schön."

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Ein 51-jähriger Müllheimer ist gekommen, um seinen Unmut darüber zum Ausdruck zu bringen, dass der Marsch stattfindet – mit der Art des Protestes ist er allerdings auch nicht einverstanden: "Es vermischt sich hier vieles, was nicht mehr passt, das Weltpolitische mit dem hiesigen Standort. Das Ereignis wird zu gegenseitigen Beschimpfungen genutzt. Sinnvolle Diskussionen gehen verloren. Das finde ich schade." Paraden seien in der heutigen Zeit grundsätzlich nicht angebracht, meint er: "Ich akzeptiere aber, dass sie feiern."

Die deutsch-französische Brigade marschiert – das eigentliche Ereignis dauerte nur kurz. Foto: MPS



"Da kommen sie", sagt eine ältere Frau aufgeregt, als die ersten Soldaten am oberen Ende der Werderstraße auftauchen. Sie steht mit mehreren Rentnern am Rand, einer hat eine Krepp-Rosette in den Farben der Tricolore dabei, eine Rentnerin die Deutschlandfahne. "Sollen wir jetzt klatschen oder was machen wir jetzt?", fragt die Frau etwas unsicher. Doch die Frage hat sich bald erledigt, als die Menschen am Straßenrand demonstrativ zu klatschen anfangen.

Mathias, 19 aus Müllheim: "Ich bin pro Militärparade, aber gegen Krieg. Es hat eine maßlose Polarisation gegeben. Für mich ist das ein deutsch-französischer Freundschaftsmarsch."

"Soldaten sind Mörder" steht auf einem der Transparente. "Runter mit dem Schild", sagt ein Passant, "seid ihr noch ganz sauber?"

Ein Müllheimer Polizist hält zwei Rosen. Die hat er von einem Aktivisten des Friedensrats geschenkt bekommen. "Eine schöne Geste", meint er.

Als die Soldaten vorbei sind und die Absperrgitter auf den Seiten geöffnet werden, erobern die Demonstranten die Straße. Etwa 150 von ihnen laufen in einer bunten Gruppe die Werderstraße hoch. Mit etwas Abstand folgen ihnen 22 in schwarz gekleidete Beamte: die BFE, die "Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit", die ausgebildet ist, um bei Demonstrationen einzugreifen. Nahaufnahmen sind nicht erlaubt, teilt ein Beamter unwirsch mit, und kontrolliert die mit der Pressekamera aufgenommenen Digitalbilder.

Der Beginn des Demonstrationszuges macht beim Kreisel kehrt und steht so auf einmal den BFE-Beamten direkt gegenüber. Einen kritischen Moment lang reden beide Gruppen dicht an dicht aufeinander ein, dann gibt ein Aktivist vom Friedensrat über sein Megafon die Richtung vor: "Wir laufen jetzt zur Kirche, dort gibt es einen Friedensgottesdienst." Die Beamten drehen daraufhin um und laufen nun an der Spitze der Demonstration.

Eine ältere Aktivistin vom Friedensforum Freiburg sprach angesichts der Demonstration gelassen und entspannt von einer "ausgewogenen Sache". Es gehe "ganz einfach nur um Pro und Kontra".

"Das ist eine Schande für ihr Land, dass die Armee-Einheit mit so starken Polizeikräften und von Feldjägern geschützt werden muss", sagte ein Schweizer aus Baselland, der eigens wegen des Militärmarsches mit seinem Motorrad nach Müllheim gekommen war.

Der Friedensrat Markgräflerland hat ein Dutzend Ordner eingesetzt. "Wir stehen im Kontakt mit dem Antikonfliktteam der Polizei" sagte einer von ihnen. "Wir wollen keinen Krawall. Wir haben die Aufgabe, deeskalierend zu wirken", erklärt er.

Ein Mann, Jahrgang 1945, der früher selbst einmal bei der Bundeswehr war, sagt, nach seinen Eindrücken und Gefühlen befragt, mit Tränen in den Augen: "Es tut weh, wenn man lesen muss: Soldaten sind Mörder."  

Autor: gb,bm,kam



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