Tibet als Lebensthema

Erik Stahlhacke

Von Erik Stahlhacke

Sa, 17. März 2018

Müllheim

Abenteurer Bruno Baumann nimmt seine Zuhörer in Müllheim mit zu den Kraftplätzen auf den Spuren der Pilger und zu den heiligen Bergen der Himalayaregion.

MÜLLHEIM. Mundologia ist Spanisch und bedeutet Weltkenntnis. Im Rahmen der gleichnamigen Vortragsreihe teilte Abenteurer Bruno Baumann sein Wissen über Tibet. Die Zuschauer im gut besetzten Bürgerhaus begleiteten ihn auf den Spuren der Pilger zu den Kraftplätzen und heiligen Bergen der Himalayaregion.

Baumann selbst bezeichnet Tibet als sein "Lebensthema". Er ist fasziniert von der Anmut der Berge und davon, wie sich morgens einer nach dem anderen im Licht der Sonne entzündet. Buddhisten verehren die tibetischen Berge als heilig. Auf Pilgerwegen umwandern sie die Gipfel, die als Wohnsitz der Gottheiten gelten. Besonders fasziniert ist Baumann vom über 6600 Meter hohen Kailash. Mehr als 30 Mal hat er den Berg schon besucht. Seine erste Umrundung 1987 ist ihm in besonderer Erinnerung geblieben.

Zwei Wochen habe es gedauert, um die Erlaubnis der Behörden zu erhalten, sich dem Berg überhaupt nähern zu dürfen. Nach einer zehntägigen Fahrt mit einem rostigen chinesischen Lkw erreichte er den Fuß des Kailash und begann zu laufen. "Bei einem Fahrraddynamo erzeugt Rotation Energie", so Baumann. "Und Rotation um einen Berg setzt auch irgendetwas in Bewegung." Die Bildhaftigkeit und Hingabe seiner Erzählungen und die spektakulären Foto- und Filmaufnahmen katapultierten die Zuschauer in eine andere Welt. Wie ein Diamant erhebt sich der Kailash aus dem Grund und überragt die umliegenden Gipfel. Bis heute ist der Berg unbestiegen, aus Respekt vor seiner religiösen Bedeutung. Baumann kehrt jedes Jahr einmal zum Kailash zurück.

Doch Baumann hat mehr gesehen als den heiligsten Berg. Seine Reisen führten ihn zum Amnye Machen, dem zentralen Bergheiligtum der Yak-Nomaden, dessen Eispalast über der "großen Graswüste" Nordosttibets thront und zum sagenumwobenen Kha Karpo, dem "weißen Kristallberg", der sich über die Stromschluchten Osttibets erhebt. Auf seinen Touren schloss sich Baumann tibetischen Nomaden und ihren Grunzochsen an, besuchte buddhistische Mönche in ihren einsamen Hütten, berichtete für das deutsche Fernsehen und begab sich in Dörfer, die wegen des Erdbebens 2015 immer noch von der Außenwelt abgeschnitten sind.

Vor kurzem ist Baumann zu einem solchen Dorf in Nepal gewandert. Dort freue man sich über jeden Besuch, so der Abenteurer. Lange blieb er nicht, denn der nächste Bergpass bildete die Grenze zu Tibet. Baumann sah die einmalige Möglichkeit, unbemerkt und ohne Visum auf chinesisches Territorium zu gelangen. Doch kaum war er ein paar Stunden bergauf gelaufen, standen ihm, mitten im Nirgendwo, Kameramasten gegenüber, aufgestellt von der chinesischen Regierung. Baumann kehrte um. Die grenzenlose Freiheit der heiligen Berge – sie ist nur von politischen Grenzen beschränkt.

Seit Baumanns erster Reise nach Tibet hat sich viel verändert. Schotterpisten sind autobahnähnlichen Straßen gewichen, der Tourismus boomt und die Nomaden werden in Massenbehausungen eingepfercht. Da sie keinen festen Wohnsitz haben, erklärte Baumann, seien sie schwer zu überwachen und ein Dorn im Auge des chinesischen Staates. Das Publikum war überwältigt von Baumanns spannenden Geschichten und Bildern. Der Abenteurer gab ihnen mit: "Wir vergessen oft, dass die Zukunft durch die Gegenwart begründet wird." Die Pilger wissen das, deswegen gehe es ihnen auch nicht darum, möglichst schnell ans Ziel zu kommen, oder um die "Gipfeljagd", sondern vielmehr um die innere Einkehr.

Im November geht es bei der Müllheimer Mundologia-Reihe mit einem Vortrag von Holger Fritzsche über die Transsibirische Eisenbahn weiter.