Windkraft am Blauen: Die Fronten sind verhärtet

Beatrice Ehrlich

Von Beatrice Ehrlich

Fr, 03. Juli 2015

Müllheim

Die Naturschutzorganisationen Nabu und BUND suchen das Gespräch zur Windkraft am Blauen, doch die Fronten sind verhärtet.

MÜLLHEIM-NIEDERWEILER. Die Debatte um Windräder am Blauen hat schon für viele Diskussionen gesorgt. Beim Dialogforum der Naturschutzorganisationen BUND und Nabu in der Römerberghalle hat der Verein Bürgerwindrad Blauen erneut sein Anliegen deutlich gemacht, auf dem Blauenkamm mehrere Windräder zu errichten.

In einem einführenden Referat erläuterten André Baumann, Landesvorsitzender des Nabu und Sylvia Pilarsky-Grosch als Vertretung für die BUND-Landesvorsitzende Brigitte Dahlbender die Position der beiden Naturschutzverbände zum Ausbau der Windenergie in Baden-Württemberg. Dass man die erneuerbaren Energien fördern will, steht für beide außer Frage. Sie befürworten das Ziel der baden-württembergischen Landesregierung, bis 2020 den Anteil der Windenergie an der Stromerzeugung auf zehn Prozent anzuheben.

Mit dem Dialogforum sowie aufwändig gestalteten Info-Broschüren, etwa zum Thema Windenergie und Artenschutz und Tipps für eine effektive Öffentlichkeitsarbeit, sollen die Akteure bei lokalen Projekten unterstützt werden. Die Form des Dialogs habe man gewählt, um auch andere Stimmen zu Wort kommen zu lassen, betont Martin Köppel vom BUND, der den Abend moderiert.

Im zweiten Programmteil kommt Torsten Schwarz zu Wort. Der Bauingenieur ist Berater in der Energie- und Wasserwirtschaft und Vorsitzender der Bürgerwerke, eines Dachverbands von Energiegenossenschaften, und kann daher aus eigener Anschauung vom Verlauf verschiedener Windkraft-Projekte berichten, etwa im Elztal und in Freiamt. Erfolgsfaktoren sind das Vortragsthema des glühenden Windkraft-Befürworters, anders gesagt: "Warum funktioniert es anderswo?" Er spricht über die Wertschöpfung vor Ort – Stichwort: Das Geld bleibt in der Region – und über die Notwendigkeit, frühzeitig das Gespräch mit den Kommunen zu suchen, als aus dem Publikum der Wunsch geäußert wird, doch bitte jetzt zum Thema Blauen zu kommen.

Die etwa 80 Personen, die am Montagabend in die Römerberghalle nach Niederweiler gekommen sind, darunter Müllheimer Gemeinderäte, die sich im Januar für den Blauen als Windrad-Standort eingesetzt haben, sind in ihrer Mehrheit Windrad-Befürworter. Nur wenige haben die Hand gehoben auf die Frage: "Wen stört’s?", als eine simulierte Landschaftsaufnahme mit Windrädern gezeigt wurde. Als letzter Vortragender skizziert Kurt Mayer, Vorstandssprecher von Bürgerwindrad Blauen, den aktuellen Stand der Dinge. Vom Vorhaben, den Standort "Blauen-Hohe Eiche" aus dem Flächennutzungsplan herauszunehmen, sei man regelrecht überrumpelt worden. Dies schließe jegliche weitere Untersuchung des Standorts von vorneherein aus.

Kritiker äußern Sorgen um Touristen und Thermalwasser

Und das, obwohl es sich, laut dem Windatlas Baden-Württemberg von 2011, um den am besten geeigneten Standort im ganzen Gemeindeverwaltungsverband handele. Die Windhöffigkeit – das heißt die Flächeneignung für Windenergie unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten – sei hier höher als an anderen Standorten, betont Mayer. Um genaue Messungen der Windstärke vorzunehmen, müsse aber erst die Genehmigung für das entsprechende Gebiet vorliegen.

Die anschließende Diskussion macht deutlich, dass die Fronten festgefahren sind. Die Windradgegner im Saal sind zwar wenige, ihr Einsatz ist dafür umso vehementer. Sie äußern Sorgen um das Thermal- und Trinkwasser in Badenweiler, um die Touristen, die nach Ruhe suchen und um drohende Gesundheitsschäden durch Infraschall. Ein Mann fragt nach Nabenhöhe und Rotordurchmesser eines solchen "Monstrums". Der Moderator versucht, die Wogen zu glätten. "Das ist ihre Meinung und kann auch ihre Meinung sein", sagt er beruhigend. Es war sicher nicht das letzte Wort, das über Windräder am Blauen gesprochen wurde.