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23. Oktober 2015 15:10 Uhr

Energiewende

Windkraft-Befürworter sehen den Blauen weiter im Spiel

Ginge es nach den Mehrheiten in Müllheim und Badenweiler bliebe der Blauen bei den zukünftigen Windkraft-Planungen außen vor. Doch die Befürworter hoffen auf ein Eingreifen der übergeordneten Behörden.

  1. Bleibt der Blauen wirklich ohne Windräder? Foto: Julia Jacob

Seit der knappen Abstimmung im Müllheimer Gemeinderat scheint klar: Der Gemeindeverwaltungsverband (GVV) Müllheim-Badenweiler möchte bei den potenziellen Windkraftstandorten ohne den Blauen planen. Für den Verein Bürgerwindrad Blauen und die dazugehörende Genossenschaft könnten sich damit ein Großteil, wenn nicht alle Pläne zerschlagen. Doch geschlagen gibt man sich keineswegs. Die Verantwortlichen bei Bürgerwindrad setzen auf ein Eingreifen der übergeordneten Behörden.

"Letztlich wird der GVV am Blauen nicht vorbeikommen", ist Kurt Mayer, Vorstandsmitglied beim Verein Bürgerwindrad Blauen überzeugt. Derzeit freilich sieht es so aus, als wäre der Markgräfler Hausberg als potenzieller Windkraftstandort erst mal draußen. Zwar hat sich zuletzt Sulzburg noch als einzige Gemeinde im GVV für die Aufnahme des Blauen in die weiteren Planungen ausgesprochen, doch dieses Votum ist eher symbolisch zu sehen. Eine große Mehrheit im GVV wird dafür stimmen, ohne den Blauen in die Offenlage zu gehen, am Ende soll dann ein geänderter Flächennutzungsplan stehen, der Vorranggebiete für Windkraftanlagen ausweist – und der Blauen soll nicht dabei sein.

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Spätestens hier aber, und das tragen Kurt Mayer und sein Vorstandskollege Bernhard Genswein mit großem Optimismus vor, werde das Landratsamt und/oder das Regierungspräsidium einschreiten. Für die Vertreter von Bürgerwindrad Blauen ist klar, dass eine Windkraft-Planung ohne den Blauen eine reine Alibi-Planung ist – die anderen Standorte seien nicht einmal annähernd so windhöffig und vermutlich würden sich Windräder dort gar nicht rechnen.

Wird das Regierungspräsidium die GVV-Pläne kippen?

Der Blauen spielt für die Nutzung der Windenergie im Südschwarzwald eine zentrale Rolle, und zwar weit über den GVV hinaus, ist Genswein überzeugt. "Wenn man genau hinschaut, gibt es im ganzen Schwarzwald gar nicht so viele geeignete Standorte. Und da macht es absolut keinen Sinn, die wenigen, die es gibt, wie etwa den Blauen, von vorne herein auszuschließen", so Genswein. Was die Mitglieder vom Verein Bürgerwindrad vor allem stört, sind nicht die Bedenken an sich, die vorgetragen werden – wie etwa die Sorge um das Trink- und Thermalwasser – sondern das Vorgehen des GVV, das a priori verhindere, dass den Risiken, aber auch Chancen für Windkraft am Blauen in tiefergehenden Untersuchungen nachgegangen werden kann.

Das werde spätestens auch das Regierungspräsidium so sehen, sind Mayer und Genswein überzeugt – denn vor der Prämisse der Energiewende, nämlich dass der Windkraft substanziell Raum zu geben sei, sei die Planung des GVV Müllheim-Badenweiler nicht zu halten. Die Frage, ob Bürgerwindrad Blauen womöglich gar gegen den GVV-Beschluss klagen werde, stelle sich daher derzeit nicht, sagt Mayer. "Wir gehen davon aus, dass das Regierungspräsidium die GVV-Planung nicht absegnet."

Was den Befürwortern von Windkraft auf dem Blauen ebenfalls in die Hände spielen könnte, sind die Entwicklungen im Landkreis Lörrach, auf dessen Gemarkung ebenfalls Teile des Berges liegen, wo Windräder nach Ansicht von Bürgerwindrad Blauen lukrativ sein könnten. Anders als im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald, wo sich die Spitze des Landratsamtes mit Aussagen zur Windkraft eher zurückhält, hat sich die Lörracher Landrätin Marion Damann klar zum Ausbau der Windkraft bekannt – gerne auch auf dem Blauen.

Die Anliegergemeinde Malsburg-Marzell steht Windrädern auf ihrer Gemarkung am Blauen schon lange positiv gegenüber, in Schliengen dagegen gibt es bekanntlich Vorbehalte. Doch auch die werden sich, meint Bernhard Genswein, der für die Grünen im Schliengener Gemeinderat sitzt, letztlich nicht halten lassen. Denn die Verwaltungsgemeinschaft Schliengen-Badenweiler, so Genswein, habe abgesehen vom Blauen überhaupt keine Alternativ-Standorte anzubieten – nicht einmal für eine Alibi-Planung.

Und so ärgert die Vertreter von Bürgerwindkraft Blauen vor allem die aus ihrer Sicht verlorenen Zeit in dem ganzen Prozedere. An ihrer Vision – nämlich, dass sich einmal vier bis fünf Windräder auf dem Kamm des Blauen drehen werden – wollen sie aber nicht rütteln lassen. "Wir sind in der ersten Halbzeit zwar in Rückstand geraten", geben sich Mayer und Genswein kämpferisch, "aber wir sind dennoch zuversichtlich, das Spiel zu gewinnen – wenn es sein muss auch in der Verlängerung."

Autor: Alexander Huber