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25. September 2015

"Auch auf das Wie kommt es an"

Vor der Bürgermeisterwahl in Münstertal: Bilanz und Ausblick.

  1. Ein wichtiger Tag in Rüdiger Ahlers’ bisheriger Amtszeit: die Einweihung der modernisierten Münstertalbahn am 21. September 2013 – im Bild mit Landrätin Dorothea Störr-Ritter. Foto: A. Huber

MÜNSTERTAL. Münstertal wählt am kommenden Sonntag einen neuen Bürgermeister, und es gibt offiziell nur einen Kandidaten: den bisherigen Amtsinhaber Rüdiger Ahlers. Der kann das Fehlen von Konkurrenz durchaus als Bestätigung seiner ersten Amtszeit interpretieren. Zwar lief auch unter Ahlers nicht alles rund, doch verglichen mit anderen Zeiten und anderen Gemeinden hat Münstertal acht relativ ruhige Jahre hinter sich, in denen sich der Ort gut weiterentwickeln konnte.

Es war eine veritable Überraschung an jenem 7. Oktober 2007: Allen Prognosen zum Trotz holte Rüdiger Ahlers bereits im ersten Wahlgang mit 55 Prozent der Stimmen die absolute Mehrheit und drängte damit Peter Jehle aus dem Amt. Manch einer im Münstertal musste da doch erst mal kräftig schlucken: Der neue Bürgermeister war kein Verwaltungsfachmann, sondern kam aus der freien Wirtschaft, war kein Alteingesessener, hatte ein SPD-Parteibuch und war nicht mal verheiratet. Vor allem in politisch konservativen Kreisen machte das Stichwort "Betriebsunfall" die Runde.

Acht Jahre später ist davon keine Rede mehr. Ahlers hat sich schnell eingearbeitet und dann nach und nach eine beachtliche Anzahl von für das Münstertal wichtigen Themen in Angriff genommen. Geholfen hat ihm dabei sicherlich ein Gemeinderat, dessen Verhältnis zum Rathauschef, aber auch untereinander man als durchaus harmonisch bezeichnen kann. Ein Indiz dafür war auch die Kommunalwahl 2014, die im Münstertal nur wenige Veränderungen brachte.

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Manch einem ging die Harmonie jedoch an der einen oder anderen Stelle auch zu weit. In der Frage um die Ansiedlung eines Lebensmittelmarktes im Bahnhofsumfeld regte sich in Teilen der Bevölkerung Unmut, weil sie ihre Argumente in den offiziellen Gremien der Gemeinde nur unzureichend vertreten sahen. Die Kritik entzündete sich damals vor allem an der Größe des heutigen Rewe-Marktes. Ahlers verweist im Rückblick darauf, dass man auch bei der Neugestaltung des Bahnhofsumfeld etliche Elemente der Bürgerbeteiligung eingebaut habe, räumt aber ein, dass man den Prozess heute wohl etwas anders gestalten würde. "Heute würden wir so ein Projekt wohl nicht so schnell durchziehen."

Insgesamt aber zählt der Münstertäler Bürgermeister die neue Dorfmitte ganz klar zu den großen Fortschritten seiner ersten Amtszeit. "Wir haben es geschafft, auch einem so lang gestreckten Ort wie Münstertal etwas wie ein Zentrum zu geben. Wenn Sie damals mit dem Zug in Münstertal ankamen, war der erste Eindruck kein guter. Und heute?", fragt Ahlers selbstbewusst. Mit der Neugestaltung des Bahnhofsareals einher gingen die Elektrifizierung der Münstertalbahn und weitere Verbesserungen im ÖPNV – für die Gemeinde wichtige Aufwertungen.

Beim Ausbau der Windkraft ausgebremst

Stichwort Bürgerbeteiligung: Bei einem anderen Thema sorgte Rüdiger Ahlers diesbezüglich für Beachtung über seine Gemeinde hinaus. Die Landtagswahl 2011 nutzte er, um die Bürger zum Thema Windkraft zu befragen – mit einem erstaunlich deutlichen Ergebnis zugunsten dieser Energieform. Und doch: Ahlers, der stets deutlich machte, dass das Vorantreiben der Energiewende auf kommunaler Ebene für ihn ein Herzensanliegen ist, musste erleben, wie er beim Thema Windkraft von diversen Widerständen ausgebremst wurde.

Zuletzt belastete die Diskussion auch das Verhältnis zu Staufen, dem Partner im gemeinsamen Verwaltungsverband, wo man bei Windrädern auf dem Breitnauer Kopf um die Sicherheit der Wasserquellen für die Fauststadt fürchtete. Nun wendet sich die Aufmerksamkeit potenziellen Standorten an der Gemarkungsgrenze zu Ehrenkirchen zu. Aufgeben, das stellt Ahlers klar, will er bei der Windkraft nicht, er verweist aber darauf, dass man auf anderen Feldern der regenerativen Energien – beim Ausbau der Nahwärme, der Photovoltaik und der Wasserkraft – weitere Schritte vorangekommen sei.

Nicht nur in der Diskussion um die Windkraft harzte es im Verhältnis zu den Nachbarn in Staufen, auch bei den Überlegungen zur Schulentwicklung entwickelte sich die Zusammenarbeit nicht so, wie Ahlers sich das für seine Gemeinde gewünscht hätte. Und dennoch: Von einem schlechten Verhältnis zwischen Staufen und Münstertal lässt sich – abgesehen von den traditionellen Frotzeleien – wirklich nicht sprechen. Geschuldet ist dies sicherlich auch der nüchternen Art beider Rathauschefs, die es trotz der Meinungsverschiedenheiten in Einzelfragen nie zu einem offenen, womöglich gar emotional geführten Konflikt haben kommen lassen.

Ahlers wagt dabei einen veritablen Spagat. Der 50-Jährige beteuert glaubhaft seinen Willen zur interkommunalen Zusammenarbeit, spricht aber auch ganz offenen von einem Wettbewerb zwischen den Kommunen und davon, dass sich Münstertal in diesem Wettbewerb behaupten muss und Respekt und Anerkennung einfordert. Hat der Ort an mangelndem Selbstbewusstsein gelitten, als Ahlers sein Amt antrat? "Ich will die Vergangenheit nicht bewerten. Aber ja: Durch das, was wir in den vergangenen Jahren erreicht haben, haben wir an Selbstbewusstsein gewonnen", sagt der Rathauschef. Dabei gab es auch Aufwertungen, die die Gemeinde schwarz auf weiß entgegennehmen konnte – wie etwa die Anerkennung als prädikadisierter Kurort mit dem Therapiestollen Teufelsgrund.

Es bleiben aber auch noch etliche Baustellen für die kommenden Jahre. Die größte von ihnen ist – im ganz wortwörtlichen Sinne – die weitergehende Sanierung der L 123. Die Hauptverkehrsachse durchs Münstertal ist sowohl an der Fahrbahndecke als auch darunter teilweise in einem verheerenden Zustand, die vorbereitenden Verfahren zum Weiterbau haben sich erheblich in die Länge gezogen. Nun aber, verspricht Ahlers, stünde der Startschuss für den nächsten Bauabschnitt kurz bevor.

Altenpflegeeinrichtung steht ganz oben auf der To-Do-Liste

Ungeklärt ist auch die Zukunft der weiterführenden Schule in Münstertal, auch wenn es aktuell, nicht zuletzt aufgrund guter Anmeldezahlen, wieder etwas Hoffnung gibt. Und der SPDler Ahlers sagt ganz pragmatisch: "Da müssen wir jetzt auch mal abwarten, wie die kommende Landtagswahl ausgeht." Am anderen Ende des Altersspektrums der Gesellschaft besteht ebenfalls Handlungsbedarf in Zeiten des demographischen Wandels. Eine Altenpflegeeinrichtung steht bei Ahlers ganz oben auf der To-Do-Liste für die kommende Amtszeit.

Und natürlich bewegt auch im Münstertal das Thema Flüchtlinge aktuell die Gemüter. Ob es Ahlers gelingen wird, seine Strategie der dezentralen und möglichst individuellen Unterbringung fortzusetzen, das entscheiden unter anderem auch Entwicklungen, die ein Bürgermeister aus Münstertal wohl kaum direkt beeinflussen kann.

"Nicht nur die Ergebnisse selbst sind wichtig, sondern auch wie sie zustande gekommen sind", lautet Rüdiger Ahlers’ Credo. "Der Gemeindefriede ist unser aller wichtigstes Ziel", steht in seinem Wahlwerbeprospekt. Den Schlüssel dazu sieht er darin, auch in Konfliktsituationen die sachliche Ebene nicht verlassen und persönlich-emotionale Auseinandersetzungen zu vermeiden.

Info: Die Wahl zum Bürgermeister in Münstertal findet am Sonntag, 27. September, in der Zeit von 8 bis 18 Uhr. Es gibt vier Wahlbezirke mit den jeweiligen Wahlräumen im Rathaus, in der Abt-Columban-Schule, in der Rotenbuck-Schule und in der Spielweg-Schule. Neben der Wahl des auf dem Stimmzettel aufgeführten Bewerbers ist es auch möglich den Namen einer anderen wählbaren Person unter unzweifelhafter Bezeichnung dieser Person einzutragen.

Autor: Alexander Huber