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16. März 2011

Windkraft in Münstertal

Belchenhalle konnte den Besucheransturm kaum fassen – Die Abstimmung soll es bringen.

  1. Paritätisch besetzt war das Windkraftpodium mit (von links) den Windkraftkritikern Eugen Rees, Philipp Lüscher, Rüdiger Ruh sowie den Windkraftbefürwortern (von rechts) Andreas Markowsky, Lothar Wolf und Matthias Weber. In der Mitte Bürgermeister Rüdiger Ahlers und Moderator Uli Homann vom SWR-Studio Freiburg. Foto: m. Lange

  2. Sinnvoll oder nicht? Argumente zur Windkraft wurden in Münstertal ausgetauscht. Foto: S. Barthmes

  3. Paritätisch besetzt war das Windkraftpodium mit (von links) den Windkraftkritikern Eugen Rees, Philipp Lüscher, Rüdiger Ruh sowie den Windkraftbefürwortern (von rechts) Andreas Markowsky, Lothar Wolf und Matthias Weber. In der Mitte Bürgermeister Rüdiger Ahlers und Moderator Uli Homann vom SWR-Studio Freiburg. Foto: m. Lange

  4. Sinnvoll oder nicht? Argumente zur Windkraft wurden in Münstertal ausgetauscht. Foto: S. Barthmes

MÜNSTERTAL. Das Fazit nach gut dreistündiger Diskussion zum Thema Windkraftnutzung in Münstertal fiel recht positiv aus. In der Zielsetzung sind sich beide Seiten, Befürworter wie Kritiker, im Grunde einig: Verzicht auf Atomkraft, hin zu einem alternativen und regenerativen Energie-Mix aus Bio-Masse, Erdwärme, Holz, Sonne, Wasser und Wind. Meinungsunterschiede gibt es indes bei der Frage, auf welchem Weg und in welcher Zeitspanne dieses Ziel erreicht werden kann.

Als Bürgermeister Ahlers am Montagabend die Informationsveranstaltung zum Thema "Windkraft in Münstertal" eröffnete, waren die zur Verfügung stehenden fast 600 Stühle voll besetzt, was Nachzüglern einiges an Stehvermögen abverlangte. Neben Bürgermeister Rüdiger Ahlers und Moderator Uli Homann vom SWR-Studio Freiburg war das Podium paritätisch besetzt mit drei Windkraftbefürwortern (Architekt Lothar Wolf als Sprecher der Lokalen Agenda, Höhenlandwirt und Windkraftbetreiber Matthias Weber aus St. Peter und Andreas Markowsky als Geschäftsführender Gesellschafter der Ökostromgruppe Freiburg) sowie mit drei Windkraftkritikern von der jüngst gegründeten "Bürgergemeinschaft Energie und Landschaftsschutz" (BEL) (Eugen Rees als Vorsitzender der Gastgebervereins im Tourismuszweckverband, Rüdiger Ruh als Sprecher der BEL und Philipp Lüscher als Holzenergie-Anlagenbauer aus der Schweiz).

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In wechselnden Statements ließ Moderator Uli Homann Fürsprecher wie Kritiker ihre Ideen und Argumente vortragen. Wolf verwies zunächst auf einige bereits umgesetzte und erfolgreich laufende alternative Energieprojekte (Hackschnitzel- und Solaranlagen), welche von der Lokalen Agenda angestoßen worden waren – auch gegen anfängliche Widerstände. Auf dem Weg zum energieunabhängigen Münstertal, das letztlich mehr Energie erzeugen wolle als es selbst verbrauche, spiele die Windkraft eine unverzichtbare Rolle, denn sie sei "direkt und regional, atomstromfrei und beherrschbar". Schon jetzt lägen je 1000-Euro-Einlagen von insgesamt 70 Bürgern vor, sagte Lothar Wolf.

Als erster Windkraft-Kritiker äußerte Eugen Rees Bedenken gegen Windräder, höher als der Freiburger Münsterturm, in einem Erholungsraum, der sich im Internet als unberührte "Magische Landschaft" und als "Natur in ihrer schönsten Form" präsentiere. Auch vom Schwarzwald-Tourismusverband werde "Natur und Landschaft als das eigentliche Kapital" des Schwarzwaldes beschrieben, sagte Rees, der das Wirtschaftspotenzial von jährlich rund 20 Millionen Euro – erwirtschaftet durch rund 300 000 Gästeübernachtungen pro Jahr – gefährdet sieht.

Als Mann der Praxis präsentierte sich der Landwirt Matthias Weber vom "Gschwinghof" in St. Peter, der seit zehn Jahren eine hundert Meter hohe private Windkraftanlage (WKA) 600 Meter von seinem Hof entfernt betreibt und dessen Kühe sich gerne auf der Wiese direkt unter dem Windflügel einfinden. "Die Windkraft ist das größte Potenzial auf unserem Hof", der inzwischen im Rahmen einer GbR auch eine Hackschnitzelanlage betreibt. Die starke Nachfrage nach den Ferienwohnungen seines Hofes habe diesem in der jüngsten Vergangenheit schon mehrere Auszeichnungen wie "Ferienhof des Jahres" eingebracht.

Der Weg zum alternativen Energie-Mix kann ganz unterschiedlich aussehen

Einen weiteren alternativen Gegenpunkt zur Windkraft setzte der Schweizer Holzenergieunternehmer Philipp Lüscher vom 250 Mitarbeiter umfassenden Familienunternehmen Schmid AG. Für jede nur denkbare Art von Holz gebe es heute effektive CO2-neutrale Heizungsanlagen in jeder gewünschten Größe, jederzeit und rasch realisierbar. Angesichts der in Münstertal reichlich vorhandenen Ressourcen, so Lüscher, dürfte die regionale Holzenergienutzung auch langfristig keine Probleme bereiten.

In den Augen von Andreas Markowsky von "Ökostrom Freiburg" ist die massive Energieverwertung der fossilen Brennstoffe unverantwortlich im Hinblick auf Natur und Mensch – heute und zukünftig. Bei der Photovoltaik wie beim Wind komme es ganz entscheidend auf den Standort an. In Höhenlagen um und über tausend Meter und einer Windhöffigkeit um sechs bis sieben Meter pro Sekunde belegten die bisherigen Erfahrungen, dass bei einer WKA jeder zusätzliche Meter an Höhe einen Energiezuwachs von einem bis zwei Prozent bringe. Zum touristischen Aspekt stellte Markowsky fest, dass Kurgäste sich zunehmend für Windräder im Schwarzwald interessieren und angebotene WKA-Führungen (wie in St. Peter) gerne mitmachen wollen.

Als letzter Vertreter der Windkraftkritiker hatte BEL-Sprecher Rüdiger Ruh in einer eindrucksvollen Präsentation eine Fülle von Daten von Umweltorganisationen aus dem Internet aufbereitet. "Wir sind keine Windkraftgegner", stellte Ruh einleitend klar. "Wir verfolgen dasselbe Ziel wie die Agenda und wollen den schnellstmöglichen Ausstieg aus der Atomkraft und den raschen Ausbau der alternativen Energien". Den Weg dazu sieht die BEL jedoch nicht über die Windkraft – "zeitaufwendig, risikobehaftet, hoch spekulativ, nicht planbar, teuer, unwirtschaftlich"–, sondern in der rasch umsetzbaren Nutzung von Holz und Wasser – "vor Ort, kurzfristig umsetzbar, kalkulierbar, risikofrei".

In einer sehr lebhaften Diskussion kamen Meinungen aller Seiten zu Wort, wobei es Moderator Uli Homann gelang, dass trotz spürbarer Emotionen die Grenzen der Fairness eingehalten wurden. Mehrfach stellten die Diskussionsteilnehmer die Notwendigkeit eines Energie-Mixes heraus, zu dem neben Sonne und Wasser, Biomasse und Erdwärme eben auch die Windkraft gehöre. Weitgehend im Raum stehen bleiben mussten Fragen zu den Kosten solcher WKA, wer sie wie finanziert, wer sie betreibt und betreut und wer per Einspeisevergütung Gewinne (oder auch Verluste) daraus zieht. "Können wir uns das alles leisten?" war die Frage, deren Beantwortung in die Feststellung mündete, dass der Weg zum alternativen Energie-Mix ganz unterschiedlich beschritten werden kann.

Moderator Uli Homann fand die "aufmerksame, geduldige und disziplinierte Bürgerschaft in der Belchenhalle Münstertal ganz toll", während Bürgermeister Rüdiger Ahlers mit dem Verweis auf die Abstimmung am 27. März den Schlusspunkt unter die Zusammenkunft setzte.

Autor: Manfred Lange