Förderantrag für Breitbandausbau

Michael Gottstein

Von Michael Gottstein

Mi, 24. Januar 2018

Murg

Gemeinderat Murg beauftragt ein Fachbüro / Planer rechnet mit mindestens 80 Prozent Zuschüssen vom Land.

MURG. Fördergelder von Land zu erlangen, ist eine Kunst, vor allem wenn es sich um ein so kostspieliges Projekt wie den Breitbandausbau handelt. Der Gemeinderat Murg hat daher am Montag das Büro Gutmann GmbH aus Höchenschwand beauftragt, den "Förderantrag Breitbandversorgung" für die Ortsteile Oberhof und Hänner zu erstellen. Die Kosten für das Büro schätzt Hardy Gutmann auf rund 45 000 Euro.

In der Gemeinderatssitzung wies der Planer auf die Dringlichkeit des Breitbandausbaus hin und appellierte an alle Bürger, dabei mitzumachen. Deutschland sei mit einem Anteil von zwei Prozent Glasfaserverbindungen Vorletzter der OECD-Staaten. Diese Fasern erlauben Übertragungsraten von 1000 Mbits pro Sekunde und mehr und sind Kupferkabeln weit überlegen. "Auch wer heute zufrieden ist, wird in Zukunft schnell unterversorgt sein", sagte Hardy Gutmann und warnte, dass der ländliche Raum ohne Glasfaserversorgung weiter zurückfallen werde.

Da dünn besiedelte Gebiete für die Privatversorger ökonomisch uninteressant sind, haben die Kommunen die Sache in die Hand genommen. Der Landkreis baut derzeit die Hauptleitung ("Backbone"), an die sich die Gemeinden anschließen werden. Die Stadt Laufenburg sowie die Gemeinden Murg und Albbruck haben sich zu einem "IKZ Breitband" zusammengeschlossen, und die jeweiligen Masterpläne wurden durch die Gemeinde Hohentengen in Zusammenarbeit mit den einzelnen Kommunen fertiggestellt. Nun gilt es, den Förderantrag zu stellen, und Murg möchte mit den bisher besonders schlecht versorgten nördlichen Ortsteilen mit 466 Wohneinheiten beginnen. Hardy Gutmann verwies auf die Erfahrungen seines Büros, das die Förderanträge für den IKZ Dachsberg (mit den Gemeinden Schluchsee, Bernau, Todtmoos, Ibach, St. Blasien, Dachsberg, Höchenschwand und Görwihl) gestellt und dabei Förderquoten von 80 bis über 90 Prozent herausgeholt habe, was einer Summe von 30 Millionen Euro entspreche. Bei der Antragstellung müsse man geschickt vorgehen und das Areal in richtig zugeschnittene Fördergebiete einteilen, denn jedes einzelne Gebiet wird mit maximal einer Dreiviertelmillion Euro bezuschusst. Gefördert wird der Bau der Längsgräben bis zu den Gewerbetreibenden, und diese müssten einen Mangel an Breitbandversorgung nachweisen. Nicht gefördert werden die Gräben auf Privatgrundstücken und die Hausanschlüsse zu den Privatkunden. Ein solcher Hausanschluss kostet 2500 Euro, kann aber von den Gemeinden gefördert werden. Erfahrungsgemäß müssten Bürger zwischen 800 und 1000 Euro für einen Anschluss bezahlen. Bürgermeister Adrian Schmidle unterstrich, wie wichtig ein lückenloses Netz sei: "Wenn jemand zuerst glaubt, dass die vorhandenen Leitungen ausreichen, und nachträglich doch einen Glasfaseranschluss wünscht, wird es viel teurer, als wenn die Arbeiten von Anfang an in einem Zug erledigt werden." Um die Bürger zum Mitmachen zu bewegen, müsse von der Gemeinde "eine positive Stimmung" ausgehen, sagte Gutmann. Er kündigte an, den Förderantrag in der zweiten Jahreshälfte 2018 zu erstellen und im dritten Quartal einzureichen. Er zeigte sich zuversichtlich, auch für Oberhof und Hänner eine Förderquote von 80 bis 90 Prozent herausholen zu können.

Die Frage von Otto Frommherz (CDU) nach dem Zeitpunkt, wann die Bürger in Hänner Breitbandversorgung bekämen, sei indes schwer zu beantworten: Weil das Land derzeit mit Hochdruck an der Verbesserung der Breitbandversorgung arbeite, seien die Baufirmen ausgelastet, und die Lieferzeiten für Kabel und Maschinen betrügen viele Monate, so Gutmann. Eventuell könne man 2019/2020 mit dem Bau beginnen. Ein weiterer Unsicherheitsfaktor ist das Backbone-Netz des Landkreises: Der Bau begann in Stühlingen und wird im Gegenuhrzeigersinn weitergeführt. "Wir kommen relativ spät an der Reihe", so Schmidle, "aber vielleicht schauen Murg und Niederhof bald neidisch auf Oberhof und Hänner".

Wie nötig der Netzausbau ist, belegt der Fall eines Bürgers aus Hänner, dessen Anschluss die Telekom wegen zu geringer Kapazitäten gekündigt hatte. "Dagegen vorzugehen dürfte nicht einfach werden", meinte Gutmann.