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11. Februar 2012

250 000 Kindersoldaten weltweit

Vor zehn Jahren trat die UN-Kinderrechtskonvention in Kraft / In vielen Ländern wird sie ignoriert.

  1. Kinder einer Kadettenschule in Simbabwe Foto: DPA

BERLIN /GOMA (KNA). "Ich bekomme zwar Alpträume, aber Töten ist für mich normal geworden, wie Händeschütteln bei einer Begrüßung", erzählt ein Junge im Auffanglager für Kindersoldaten der Caritas in Goma. In den Grenzgebieten zwischen der Demokratischen Republik Kongo, Burundi, Ruanda, Uganda und dem Sudan gehört das Töten für Tausende Kinder zum Alltag. Im Kampf um Rohstoffe und Macht zwingen skrupellose Milizen die Minderjährigen in ihren Dienst.

Seit zehn Jahren wird am 12. Februar an das Schicksal dieser Kinder erinnert. An diesem Tag trat 2002 eine Erweiterung der UN-Kinderrechtskonvention in Kraft, die den Einsatz von Jugendlichem unter 18 Jahren in Konfliktregionen verbietet. Nach Angaben des UN-Kinderhilfswerks Unicef dienen derzeit trotzdem weltweit 250 000 Kinder als Krieger, Spione, Köche und Sexsklaven in Konfliktgebieten: in den Drogenkriegen in Mexiko und Kolumbien, in Afghanistan und Libyen ebenso wie auf den Philippinen, in Uganda und im Jemen. Der UN-Sicherheitsrat veröffentlicht jedes Jahr eine "Liste der Schande", um diese Verstöße zu dokumentieren.

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Die Lage im Osten des Kongo gilt als besonders gravierend. Armut, Hunger und ein handlungsunfähiger Staat spielen dort den Milizen in die Hände, erklärt der Experte des katholischen Hilfswerks Misereor, Raoul Bagopha. "Jugendliche lassen sich sogar freiwillig rekrutieren, weil sie den Militärdienst als Chance für Ruhm und Ansehen betrachten", erklärt er. Kommandeure der Rebellenorganisationen, die selbst als Kindersoldaten angefangen haben, gelten als Vorbild.

Doch schnell wird der Traum zum Alptraum. Die jungen Kämpfer werden mit Brutalität, Drogen und Vergewaltigung gefügig gemacht. Die meisten Kindersoldaten werden aber gewaltsam rekrutiert. "Entführungen gehören im Ost-Kongo zur Tagesordnung", so Bagopha. "Gruppen wie die Lord’s Resistance Army überfallen Dörfer, meucheln die erwachsene Bevölkerung und entführen die Kinder."

Welchen Wert haben dann die Resolutionen der Völkergemeinschaft? Für Bagopha stellen sie zunächst die Milizenführer international an den Pranger. Außerdem zeige das Völkerrecht nach der Einrichtung des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag auch Wirkung. Bagopha verweist etwa auf den Fall des Rebellenführers Thomas Lubanga. Er ist der erste Angeklagte vor dem Internationalen Strafgerichtshof, der auf sein Urteil wartet. Das Tribunal will demnächst über die Anklage wegen des Einsatzes von Tausenden Kindersoldaten entscheiden.

Eine Verurteilung hätte Signalwirkung, so Bagopha. Sie würde allen Rebellenführern zeigen, dass sie für ihre Taten früher oder später zur Verantwortung gezogen werden. Zugleich warnt er aber auch vor übertriebener Hoffnung. Eine schnelle Veränderung der politischen Lage "steht leider nicht in Aussicht".

Deshalb drängt Unicef auf härtere Sanktionen der UNO. Waffenembargos, Kontosperren und ein Reiseverbot von Milizenführern müssten den Einsatz von Kindersoldaten bestrafen. Selten nütze der Sicherheitsrat die Bandbreite der Möglichkeiten aus, kritisiert das UN-Hilfswerk. Für die Caritas ist das ein Grund, Kindersoldaten konkret zu helfen. Sie unterhält fünf Übergangszentren im Ost-Kongo. Einige der Jugendlichen kamen nach Friedensverhandlungen frei. "Die meisten flüchten aber auf eigene Faust und suchen hier Unterschlupf", sagt ein Caritas-Mitarbeiter in Goma. Die Helfer versuchen den Jugendlichen durch psychologische Betreuung, medizinische Versorgung und Unterricht den schwierigen Weg in ein normales Leben zu ebnen.

Autor: Benedikt Angermeier (KNA)