05. November 2009

Afghanischer Polizist erschießt britische Soldaten

Britische Soldaten trainieren in Afghanistan. | Foto: AFP
LONDON. Ein afghanischer Polizist hat fünf britische Soldaten an einem Kontrollpunkt erschossen. In Großbritannien löste diese Nachricht am Mittwoch Bestürzung aus. Viele fragen sich, ob Afghanistan solche Opfer wert ist. Erstmals fordert ein führender Politiker den Abzug. Die Regierung Brown will allerdings an ihrem Kriegseinsatz festhalten und bei Bedarf die Truppenstärke erhöhen. Seit Beginn des Afghanistan-Einsatzes sind 229 Briten getötet worden.

Drei der jüngsten Opfer gehörten der Grenadier-Garde an, zwei der Königlichen Militärpolizei. Sechs weitere Soldaten, offenbar aber auch afghanische Polizisten, wurden verletzt. Über das Motiv des Polizisten war am Mittwoch noch nichts bekannt. Allein die Identität des Schützen wollen britische Fahnder in Erfahrung gebracht haben. Es gibt die Vermutung, dass der Todesschütze von Taliban-Kämpfern zu der Tat angehalten worden war. Der frühere Vize-Chef der UN-Mission in Kabul, Peter Galbraith, kritisierte, dass die Kandidaten für eine Polizeiausbildung nicht ausreichend überprüft würden. Die britischen Soldaten und die afghanischen Polizisten hatten zwei Wochen lang ein Quartier in der Nähe des Kontrollpunkts geteilt. Oberst Richard Kemp, ein früherer britischer Afghanistan-Kommandant, sagte, es würde ihn nicht wundern, wenn viele britische Soldaten in Afghanistan nun den Finger schnell am Abzug hätten, sollten sie von afghanischen Polizisten oder Soldaten umgeben sein.

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Premier Gordon Brown drückte sein tiefes Bedauern über den "schrecklichen Verlust" aus. Die "heldenhaften" Soldaten seien im Einsatz gewesen, "um Afghanistan sicherer zu machen, vor allem aber um Britannien zu sichern gegen den Terrorismus und Extremismus, der uns weiterhin von den Grenzgebieten Afghanistans und Pakistans aus bedroht".

Dieses Argument, auf dem der britische Afghanistan-Einsatz im Wesentlichen beruht, wurde am Dienstag erstmals von einem führenden Labour-Politiker zurückgewiesen. Der frühere Außenamtsstaatssekretär Kim Howells, der jetzt Vorsitzender des Geheimdienst- und Sicherheitsausschusses im Unterhaus ist, nannte es absurd, dass man sich darauf einrichte, möglicherweise für immer in Afghanistan zu bleiben. Vernünftiger sei es doch, die große Mehrheit der Streitkräfte heimzuholen und das so eingesparte Geld für bessere Schutzmaßnahmen in Großbritannien auszugeben. Intensivere Geheimdienstarbeit und stringentere Überwachungsmaßnahmen seien eher geeignet, den Terrorismus abzuwehren als ein Einsatz in Afghanistan ohne absehbares Ende. Applaus erhielt Howells für seinen Ruf nach einem geordneten Truppenabzug von Gegnern des britischen Afghanistan-Einsatzes, deren Zahl auf der Insel Umfragen zufolge stetig wächst.

Vor allem im Lager der Liberaldemokraten, die auch gegen den Irakkrieg sind, wird erwogen, mit der Forderung nach Truppenabzug in die Unterhauswahlen zu ziehen. Nick Clegg, der Parteivorsitzende, machte angesichts des Debakels der Präsidentschaftswahl in Afghanistan darauf aufmerksam, dass "nun britische Soldaten eine Regierung stützen sollen, an die niemand mehr glaubt". Labour-Regierungschef Brown hält aber daran fest, dass der Afghanistan-Einsatz die richtige Strategie sei. Zeitgleich mit dem Rückzug aus dem Irak erhöhte London in diesem Jahr seine Truppenstärke in Afghanistan von 8000 auf 9000 Mann. Weitere 500 Soldaten sollen bereitgestellt werden, sobald es die Umstände verlangten.  

Autor: Peter Nonnenmacher



1 Kommentar

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catcarry 09. November 2009 - 13:50 Uhr

Herr Verteidigungsminister wann kommt endlich der Deutsche Abzugsplan. Hoffentlich bevor wir solche Verhältnisse wie die Engländer haben.