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29. August 2011

"Wir müssen uns jetzt Sorgen machen"

INTERVIEW mit dem Klimaforscher Anders Levermann über Hurrikans und den Klimawandel.

  1. Anders Levermann Foto: DPA

Der Klimawandel lässt Hurrikans tendenziell an Stärke gewinnen. Der Forscher Anders Levermann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung hält es nicht für ausgeschlossen, dass sie eines Tages Europa treffen könnten. Mit ihm sprach Thomas Bremser.

BZ: Können Schäden durch Hurrikans wie "Irene" vorhergesagt werden?
Levermann: Einzelne Hurrikans vorherzusagen, ist sehr kompliziert. Es ist so etwa wie Wettervorhersage, die einzelnen Pfade oder die Stärke von Hurrikans vorherzusagen. Was wir aber wissen, ist, dass die Stärke der Hurrikans zunimmt mit der Oberflächentemperatur des Ozeans. Und diese Oberflächentemperatur hat in den letzten Jahren, tatsächlich in den letzten Dekaden, unter der globalen Erwärmung zugenommen.
BZ: Hat der Klimawandel Auswirkungen darauf, wo es Wirbelstürme gibt?
Levermann: Hurrikans gibt es nur ab einer gewissen Meerestemperatur. Deshalb treten sie ja immer im Sommer auf. Das Gebiet, in dem Hurrikans auftreten können, erweitert sich aber unter globaler Erwärmung. Deshalb müssen wir uns jetzt Sorgen machen um Hurrikans, die jetzt etwa nach New York einfallen.

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BZ: Könnte es Hurrikans bei uns geben?
Levermann: In der Nordsee oder der Ostsee ist es zu kalt, als dass dort Hurrikans entstehen könnten. Vor einigen Jahren ist jedoch ein Hurrikan in Richtung der portugiesischen Küste gezogen – das war bis dahin undenkbar. Jetzt müssen wir uns tatsächlich überlegen, ob wir auch in Europa eine Hurrikan-Saison bekommen können in der Zukunft. Das ist aber noch nicht entschieden.
BZ: Wie entsteht ein Hurrikan?
Levermann: Der Hurrikan entsteht dadurch, dass wir eine warme Meeresoberfläche haben und dadurch ein Scherwind entsteht zwischen der Atmosphäre und der warmen Meeresoberfläche. Die Energie, die in diese Winde transportiert wird, zieht der Hurrikan aus der Erwärmung der Meeresoberfläche. Und wenn Sie – unter globaler Erwärmung – diese Ozeanoberfläche erwärmen, dann bekommen Sie auch stärkere Hurrikans.

Autor: dpa