113 Lungenärzte zweifeln an den Grenzwerten

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Von dpa

Do, 24. Januar 2019

Deutschland

Berlin streitet über Autoabgase.

BERLIN (dpa). 113 Lungenspezialisten bezweifeln den gesundheitlichen Nutzen der Grenzwerte für Feinstaub und Stickoxide (NOx). Sie sehen keine wissenschaftliche Begründung, die die Obergrenzen rechtfertigen würde, heißt es in einer am Mittwoch veröffentlichten Stellungnahme. Viele Studien, die Gefahren durch Luftverschmutzung zeigen sollen, hätten Schwächen. Zudem seien Daten einseitig interpretiert worden.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) sieht den Vorstoß als wichtige Initiative, um "Sachlichkeit und Fakten" in die Diesel-Debatte zu bringen. "Der wissenschaftliche Ansatz hat das Gewicht, den Ansatz des Verbietens, Einschränkens und Verärgerns zu überwinden", sagte er den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) macht sich dafür stark, die Grenzwerte auszusetzen. Der Städte- und Gemeindebund will eine Neubewertung. Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) verteidigte indes bestehende Grenzwerte. Dass Luftschadstoffe Lebenszeit verkürzen und Krankheiten befördern, sei wissenschaftlich unumstritten, so ein Sprecher.

Der Verband der Lungenärzte reagiert überrascht

Die Grenzwerte für Stickstoffdioxid (NO2) – der Jahresmittelwert darf 40 Mikrogramm pro Kubikmeter in der Außenluft nicht überschreiten – gelten in der EU seit 2010. Auch für Feinstaub gibt es je nach Partikelgröße Grenzwerte. Wo Grenzwerte über längere Zeit deutlich überschritten werden, drohen Fahrverbote für Diesel-Fahrzeuge.

Mit ihrem Vorstoß stellen sich die Lungenärzte gegen ein Positionspapier der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) von Ende 2018, in dem es heißt: "Studien zeigen, dass die Feinstaub-Belastung durch Landwirtschaft, Industrie und Verkehr gesundheitsschädlich ist." Das jetzt veröffentlichte Papier wurde an 3800 DGP-Mitglieder verschickt, 113 Fachleute haben die Stellungnahme unterschrieben. DGP und Lungenstiftung zeigten sich überrascht: Die Gruppe der Forscher und Lungenärzte, die der aktuell vorherrschenden Position widersprechen, sei deutlich größer als angenommen.

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