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29. Juni 2012 08:31 Uhr

Zwischenbilanz

Bundesfreiwilligendienst wird zum Hit

Wäre der Bundesfreiwilligendienst (BFD) ein Sportler, könnte man sagen: Nach einem holprigen Start hat er einen Sprint hingelegt und ist nach der ersten Runde rechtzeitig im Ziel eingelaufen.

  1. Bufdi im Einsatz Foto: dpa

  2. Foto: dpa-infografik

So in etwa fällt die Bilanz aus, die das zuständige Bundesfamilienministerium, die Wohlfahrtsverbände und die freien Träger ein Jahr nach der Einführung des neuen Freiwilligendienstes ziehen.

32 000 Plätze sind derzeit vergeben, mit den abgeschlossenen Verträgen, die aber noch nicht begonnen haben, sind es 35 000, meldete das Bundesamt für Familien und zivilgesellschaftliche Aufgaben dieser Tage . Damit sind alle Plätze, die vom Staat eingeplant gefördert werden, belegt. Das können selbst die Mitarbeiter des zuständigen Familienministeriums nicht so recht glauben. "Dass der Bundesfreiwilligendienst so überwältigend positiv angenommen wird, damit hat niemand gerechnet", sagt Jens Kreuter, Leiter des Arbeitsstabes Freiwilligendienste.

Wenige Monate nach dem Start am 1. Juli 2011 hatte es noch ganz anders ausgesehen. Kaum Freiwillige meldeten sich, kurz nach seiner Einführung galt der Bundesfreiwilligendienst als Flop – vor allem, weil er nach dem Ende der Wehrpflicht als Ersatz für den Zivildienst überhastet eingeführt worden war. Doch dann, irgendwann zwischen Herbst und Winter, verselbständigte sich das Interesse am BFD. Hinzu kommt nun, dass der doppelte Abiturjahrgang die Schule verlassen hat und nach einer Beschäftigung sucht.

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Die meisten Bufdis, wie die Bundesfreiwilligen oft genannt werden, gibt es im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen, in Sachsen und in Baden-Württemberg. Im Südwesten engagierten sich im Mai dieses Jahres 3561 Bundesfreiwillige. Auch beim Deutschen Caritas-Verband ist der Dienst, für den Freiwillige maximal 330 Euro im Monat erhalten, sehr gut angenommen worden. "Auch die Sorge, dass das Freiwillige Soziale Jahr damit den Bach runtergeht, hat sich nicht erfüllt. Das Interesse an beiden Formaten ist sehr hoch", sagt der Generalsekretär der Caritas, Georg Cremer.

Anders als beim Freiwilligen Sozialen oder Ökologischen Jahr (FSJ und FÖJ) – in beiden sind 42 000 Menschen aktiv – gibt es beim Bundesfreiwilligendienst keine Altersgrenze. Im Mai machten die über 27-Jährigen nach Zahlen des Bundesamts mehr als ein Drittel aus, fast jeder Fünfte war über 50. Diese Zahlen sind jedoch nur bedingt aussagekräftig. Im Frühjahr sind turnusmäßig mehr ältere Menschen als Bufdis gemeldet als in den Sommermonaten, wenn viele Schüler ihre Arbeit als Freiwillige begonnen haben.

Besonders viele ältere Freiwillige gibt es im Osten

Trotz dieser Einschränkung fällt auf, dass es besonders viele Ältere in den östlichen Bundesländern gibt: Hier ist mehr als die Hälfte älter als 27 Jahre. Das Centrum für soziale Investitionen und Innovationen der Universität Heidelberg und die Hertie School of Governance, die eine Studie zum BFD erhoben haben, führen dies darauf zurück, dass die Arbeitslosenquote im Osten höher ist und die Bekanntmachung des BFD aktiver geschah.

Erfolg mit den älteren Freiwilligen haben derweil nicht nur die ostdeutschen Träger. "Für manche Ältere bedeutet der Bundesfreiwilligendienst eine Art Wiedereingliederung in das Berufsleben", sagt Rainer Luithardt von der Arbeiterwohlfahrt Freiburg. Ähnliches ergab die nicht-repräsentative Umfrage der Uni Heidelberg: Vor allem Menschen in Umbruchphasen nutzen den Bundesfreiwilligendienst, etwa nach einer Familienphase, oder zur Aufbesserung der geringen Rente oder des Hartz-IV-Bezugs. Beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) fragen die älteren Freiwilligen vor allem den Bereich der Seniorenhilfe sehr stark nach.

Der Erfolg des BFD hat jedoch seine Grenzen. Der Ansturm auf die Plätze hat zu Problemen in der Verwaltung geführt. "Beim Zusammenspiel zwischen Einsatzstellen, Trägern, Zentralstellen und Bund läuft noch nicht alles rund", sagt Michael Bergmann vom Caritasverband. Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) sagte, dass alles, was bisher über die Dienstpflicht lief, nun durch die Freiwilligkeit ersetzt wird. Dem stimmen die meisten Träger nicht zu. In vielen Einrichtungen fehlen Tausende Stellen, die nach dem Zivildienst nicht mehr ersetzt wurden. Allerdings, räumt Bergmann ein, war das auch nie so geplant gewesen. Der BFD ist mit seinen Möglichkeiten jedenfalls ein Erfolg. Und der ist so groß, dass einige Träger bereits jetzt eine Aufstockung der Plätze fordern. Eine Erhöhung der Mittel wird es nach derzeitigem Stand aber nicht geben.

Autor: Ines Fuchs