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04. Oktober 2011

Pofalla gegen Bosbach

"Ich kann deine Fresse nicht mehr sehen"

Derber Streit in der CDU.

BERLIN (AFP). Nach derben Angriffen gegen den CDU-Politiker Wolfgang Bosbach wegen dessen Nein zu einer Aufstockung des Euro-Rettungsschirms steht Kanzleramtsminister Ronald Pofalla (CDU) massiv in der Kritik. Medienberichten zufolge beschimpfte Pofalla Bosbach mit den Worten: "Ich kann deine Fresse nicht mehr sehen." Bosbach sagte dem Kölner Express, nach einer Entschuldigung Pofallas sei die Sache für ihn erledigt.

Berichten zufolge soll Pofalla den Vorsitzenden des Innenausschusses vor anderen Parlamentariern am Montag vergangener Woche mehrfach mit Kraftausdrücken bedacht haben. Auf einen Hinweis Bosbachs auf die im Grundgesetz garantierte Entscheidungsfreiheit von Abgeordneten soll Pofalla geantwortet haben: "Ich kann den Scheiß nicht mehr hören." Auch soll er dem Kollegen vorgeworfen haben: "Du machst mit deiner Scheiße alle Leute verrückt." Der Vorfall ereignete sich nach einem Treffen der NRW-Landesgruppe der Unionsfraktion im Vorfeld der Bundestagsabstimmung über den Euro-Rettungsschirm EFSF.

Pofalla erntete für seine Attacken im eigenen Lager und bei der Opposition deutliche Kritik. SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles sagte der Zeitung Die Welt (Dienstagsausgabe): "Roland Pofalla ist offenbar nicht in der Lage, seinen Job angemessen auszuüben." Die Szene zeige, "wie sehr die Nerven in der Union und vor allem im Kanzleramt blank liegen". Nahles forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf, sich in der Angelegenheit zu erklären.

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Auch bei diversen Koalitionspolitikern stieß der Auftritt Pofallas auf teils scharfe Kritik. Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) sagte, Bosbach sei einer der angesehensten Kollegen der Bundestagsfaktion und habe "Anspruch auf Respekt".

Die CDU-Vizevorsitzende Ursula von der Leyen wies im ZDF Vorwürfe zurück, Abweichler seien von der Koalitionsspitze gemobbt worden. Allerdings gehe es hier um "bis an die Existenz gehende Debatten". Diese seien notwendig, da es sich um historische Entscheidungen handle. Klar sei, so könne es in Europa nicht weitergehen.

Autor: Tagesspiegel, Seite 1