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06. Juli 2011

München

Olympia 2018: Von Bürgern, Bauern und Bewerbern

Wie stehen die Chancen für München? Und wie steht die Politik dazu? Antworten zur Olympia-Bewerbung.

Wie stehen die Chancen Münchens,
den Zuschlag zu bekommen?

Nicht schlecht. Lange Zeit galt das südkoreanische Pyeongchang als Favorit. Doch vor allem in den vergangenen Wochen scheint München in der Gunst der IOC-Mitglieder gestiegen zu sein. In den IOC-Berichten kommt Pyeongchang sehr gut und München ziemlich gut weg, während am Konzept von Annecy in den französischen Alpen einiges kritisiert wurde.

Welche Vorzüge hat die
Münchner Bewerbung?
Es ist ein kompaktes Konzept. Die Wettkampfstätten liegen vergleichsweise nah beieinander. Außerdem hat München die umweltfreundlichste Bewerbung abgegeben (siehe unten). Ein weiterer Bonus ist die gute Erinnerung an die Münchner Sommerspiele 1972. Pyeongchangs Bewerbung kommt gut an, weil Südkorea bereit ist, viel Geld auszugeben und alles neu zu bauen – dies allerdings auf Kosten der Natur. Die IOC-Mitglieder begrüßen außerdem, dass die Südkoreaner begeistert hinter Olympia stehen. Zudem hat Pyeongchang sich schon zweimal beworben. In Annecy dagegen sind die Wege weit. Auf Missfallen beim IOC stößt auch, dass nur 50 Prozent der Franzosen sich die Spiele wünschen, in Deutschland sind es nach einer neuen Umfrage 78 Prozent.

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Wer unterstützt die Bewerbung?
Allen voran steht Katarina Witt, die den Bekleidungsunternehmer Willy Bogner an der Spitze der Bewerbungsgesellschaft abgelöst hat. Bogner war vorgeworfen worden, nicht genug Sponsoren aufzutreiben, sodass ein erheblicher Teil der Olympia-Vorbereitungen aus Steuergeldern gezahlt werden müsse. Auch wurde ihm angekreidet, dass er die Bauern in Garmisch-Partenkirchen gegen Olympia aufgebracht hat mit der Bemerkung, sie würden ihre Flächen nicht zur Verfügung stellen, um die Preise hochzutreiben. Viele weitere Prominente unterstützen die Bewerbung öffentlich, etwa Basketballer Dirk Nowitzki, Schauspielerin Senta Berger und der Kabarettist Ottfried Fischer.

Welche Probleme hat es bei
der Bewerbung gegeben?
Erst einmal ist Oberammergau ausgestiegen. Dort war vor den finanziellen Risiken gewarnt und ein Bürgerentscheid angestrebt worden. 59 Bauern aus Garmisch-Partenkirchen lehnen es ab, ihre Grundstücke herzugeben. Die Bewerbungsgesellschaft plant nun um diese Flächen herum. Ein Landwirt mit einer unverzichtbaren Wiese an der bekannten Kandahar-Abfahrt stellte diese kürzlich doch zur Verfügung. In Garmisch-Partenkirchen kam es zu einem Bürgerentscheid, den die Olympia-Befürworter aber mit 58 Prozent gewannen. Alle wichtigen Umweltverbände lehnen Olympia aber weiterhin ab.

Wie steht die Politik dazu?
Keineswegs geeint, vor allem die Grünen nicht. Auf dem Bundesparteitag in Freiburg lehnten sie die Bewerbung mit knapper Mehrheit ab, während Führungsfrau Claudia Roth im Unterstützerkomitee saß. In der SPD hat sich vor allem Münchens OB Christian Ude zum Fürsprecher gemacht. Einen Olympia-Zuschlag würde er als Krönung seiner langen Amtszeit ansehen, die 2014 endet. Nur vordergründig stehen die Christsozialen komplett hinter Olympia. Gerade in Garmisch-Partenkirchen gibt es einige CSU-Mandatsträger, die die Spiele ablehnen.

Olympia 2018 wird teuer. Wer zahlt?
Das Spektakel würde in München knapp drei Milliarden Euro kosten. 1,3 Milliarden davon kommen vom IOC, damit soll der Ablauf der Spiele an sich finanziert werden. Weitere 1,6 Milliarden für die benötigte Infrastruktur müssen von Deutschland aufgebracht werden. Dazu zählen die Errichtung oder Modernisierung von Sportstätten sowie Unterkünften und einige Verkehrsprojekte. Ob am Ende ein Überschuss oder ein Minus herauskommt, lässt sich nicht sagen. Ein Defizit müsste die öffentliche Hand tragen.

Welche Vorteile bringen die
Spiele, welche Risiken bergen sie?
Vor Garmisch-Partenkirchen wird die A 95 bis an den Ort ausgebaut, bisher ist das ein berüchtigtes Nadelöhr. Außerdem erhält die Stadt zwei Umgehungstunnel, gegenwärtig erstickt das Zentrum im Verkehr. Andere Vorteile werden aber bezweifelt: Denn in dem Ort befindet sich der Skitourismus im Niedergang, wegen des Klimawandels gibt es immer weniger Schnee. So könnte ein weiterer Ausbau der Skipisten in die genau falsche Richtung gehen. Profitieren würde München. 40 Jahre nach den Sommerspielen ist das Olympia-Gelände renovierungsbedürftig. Alles würde dann erneuert werden, auch nach ökologischen Kriterien. Und aus dem neuen Olympischen Dorf würden danach Wohnungen werden, die in München Mangelware sind.

Autor: Patrick Guyton