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09. Januar 2012 00:19 Uhr

Berlin

Wulff: Affäre bald vorbei

Bundespräsident Christian Wulff hält die Affäre um Hauskredite und Medienanrufe bald für ausgestanden. Doch während die Union alle Planspiele über eine Nachfolge dementiert, bietet die SPD für den Fall eines Rücktritts schon ihre Zusammenarbeit an.

  1. Der Optimist von Bellevue Foto: dpa

In nordafrikanischen Ländern mögen Demonstrationen vor dem Domizil der jeweiligen Präsidenten an der Tagesordnung sein. In Deutschland gibt es das erst, seit Christian Wulff das höchste Staatsamt ausübt. Am Samstag hatten sich rund 450 seiner Bürger vor Schloss Bellevue versammelt. Sie schwenkten Schuhe zum Zeichen ihres Ärgers über die Affären des Bundespräsidenten.

Wulff selbst soll sich beim Neujahrsempfang für seine Mitarbeiter am Dreikönigstag zuversichtlich geäußert haben, "dass dieses Stahlgewitter bald vorbei ist". Ungewöhnlich an der Formulierung ist nicht nur Wulffs trotziger Optimismus, sondern auch die Ausdrucksweise: "In Stahlgewittern" hieß das erste Buch des Schriftstellers Ernst Jünger, der darin die Brutalität des Ersten Weltkriegs beschreibt. So martialisch scheint Wulff nun die gegen ihn gerichtete Kritik zu deuten.

Schon bei dem umstrittenen Anruf beim Chefredakteur der Bild-Zeitung hatte er von "Krieg" gesprochen. Und den, glaubt Wulff offenbar, werde er gewinnen. "In einem Jahr ist das alles vergessen", soll Wulff jetzt vor seinen Mitarbeitern gesagt haben.

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Im Lager derer, die ihm zu seinem Amt verholfen haben, scheint die Zuversicht nicht ganz so ausgeprägt. Dort wird angeblich schon über Strategien nachgedacht, was im Falle eines Rücktritts zu geschehen hätte. Aus der FDP wird berichtet, es sei "völlig klar, dass sich die Parteivorsitzenden bei einer so wichtigen Frage abstimmen". Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung zitiert anonyme Quellen aus der FDP-Spitze, wonach über einen Kandidaten nachgedacht werde, der auch für die Sozialdemokraten akzeptabel wäre.

Diese Spekulationen werden aus der Union energisch dementiert. Die Kanzlerin sehe "keine Veranlassung, über eine Nachfolge für den Bundespräsidenten zu sprechen", sagt ihr Sprecher Steffen Seibert. CSU-Chef Horst Seehofer versichert, an solchen Gerüchten sei "nicht das Geringste dran". Vor Wulffs Fernsehinterview gab es unter den Strategen der Koalition aber tatsächlich entsprechende Planspiele. So war etwa der Name Klaus Töpfer als möglicher Präsidentenkandidat mit überparteilicher Akzeptanz gefallen.

SPD sendet widersprüchliche Signale

SPD-Chef Sigmar Gabriel zeigte sich gestern in diesen Fragen kompromissbereit. Union und FDP bräuchten keine Sorge zu haben, "dass die SPD diese Situation zu nutzen versucht, um einen eigenen Kandidaten durchzusetzen", sagte Gabriel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Die SPD sei bereit, auf einen eigenen Bewerber zu verzichten und gemeinsam einen parteiübergreifenden Kandidaten für das Präsidentenamt zu finden. Zugleich widersprach Gabriel seiner Generalsekretärin Andrea Nahles, die nach einem möglichen Rücktritt Wulffs vorgezogene Bundestagswahlen gefordert hatte. Dies nannte CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe gegenüber der Badischen Zeitung eine "hanebüchene Forderung". Sie sei nur "ein weiterer Akt im schäbigen Spiel der Opposition" mit dem höchsten Staatsamt. Gabriel versicherte jedoch: Die SPD "würde keine weiteren Forderungen wie etwa die nach Neuwahlen erheben".

Wulff mag trösten, dass keine belastenden Umstände von größerem Belang mehr ans Tageslicht kamen. Das Nachrichtenmagazin Spiegel schreibt in der jüngsten Ausgabe: "Der Hauskredit spielt jetzt die entscheidende Rolle, wenn es um die Glaubwürdigkeit Wulffs geht." Erneut wird die Frage aufgeworfen, ob die BW-Bank Wulff eine "Vorzugsbehandlung" angedeihen ließ, weil er deren Mutter, die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), bei der Porsche-Übernahme vor schweren Verlusten bewahrt habe. Solche Fragen werden noch zu erörtern sein – sie ticken wie eine Zeitbombe.

Autor: Armin Käfer