Architektur der Gründerzeit

Bärbel Nückles

Von Bärbel Nückles

Mo, 10. Juli 2017

Kultur

UNESCO II: Auch die sogenannte Straßburger Neustadt ist ab jetzt Weltkulturerbe.

Straßburgs wilhelminische Neustadt gehört ab sofort zum Weltkulturerbe. Seine Entscheidung fällte das Unesco-Komitee am Sonntagnachmittag im polnischen Krakau. Damit steht nicht mehr nur Straßburgs historische Altstadt auf der Welterbe-Liste. Die Aufnahme des Gründerzeitviertels, entstanden in den Jahrzehnten zwischen deutsch-französischem Krieg und Erstem Weltkrieg, bedeutet eine Erweiterung des bereits seit 1988 ausgezeichneten Areals rund um das weltberühmte Münster – einer der touristischen Anziehungspunkte der elsässischen Hauptstadt.

"Wir haben auf diese Entscheidung gewartet", kommentierte Oberbürgermeister Roland Ries das Votum für Straßburg vor dem Komitee. "Sie besitzt historischen Wert für uns, weil sie dazu beiträgt, die Wunden und Narben der Vergangenheit zu heilen", sagte Ries und verwies auf Straßburgs historische Position als Zankapfel zwischen Deutschland und Frankreich. Mit der Aufnahme Straßburgs in das Welterbe unterstreiche die Unesco, deshalb auch die Bedeutung seiner Stadt für die deutsch-französische Freundschaft.

Straßburg hatte die Bewerbung seit mehr als fünf Jahren unter anderem mit einem detaillierten Bestandskatalog vorbereitet. Ende 2016 war die Neustadt neben den Kultstätten von Taputapuatea auf Französisch-Polynesien als einer der französischen Kandidaten nominiert worden. Letztere gehören seit gestern ebenfalls dem Welterbe an.

Die Neustadt gilt als größtes zusammenhängendes architektonisches Ensemble der deutschen Gründerzeit, als das Elsass Teil des deutschen Kaiserreiches war. Straßburg wurde als Machtzentrum des Reichslandes Elsass-Lothringen mit neuen Prachtbauten für Verwaltung und Universität ausgestattet. Gleichermaßen entstanden tausende von Bürgerhäusern und etliche Villen in dieser Epoche. Nicht zuletzt durch Zuzug aus dem Reichsgebiet verdoppelte sich die Bevölkerung Die "deutsche Stadt" erstreckt ich vor allem auf den Norden und Nordosten der mittelalterlichen Altstadt.

Der Berichterstatter der Unesco-Beratungsorganisation ICOMOS hob vor dem Komitee die Einzigartigkeit des Gebäudeensembles hervor, lobte den Denkmalschutz und das touristische Management. Dies zusammen rechtfertige eine Entscheidung für Straßburg. Unter anderem unterstützten die Jury-Mitglieder aus Portugal und Kasachstan eine Aufnahme der Neustadt.