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13. November 2008

Ohne Andrea geht es nicht

Der große Renaissancemaler Andrea Mantegna war wohl auch Pionier der Druckgrafik: Ausstellung in der Stuttgarter Staatsgalerie.

Hat Andrea Mantegna, als Maler eine der prägenden Gestalten der Frührenaissance, auch Druckgrafiken geschaffen? Keine Einigkeit herrscht in dieser Frage bei der Forschung, doch dafür spräche neben der Meisterschaft einiger ihm unter Vorbehalt zugeschriebener Kupferstiche die nach vielen Seiten ausgreifende Experimentierfreude des Künstlers. Sollte er, der als Erster in Italien in größerem Stil eine Kupferstichwerkstatt betrieb, dieses künstlerische Neuland ganz seinen Schülern überlassen haben?

Die Ausstellung "Andrea Mantegna und die Druckgrafik" in der Stuttgarter Staatsgalerie bietet jetzt Anschauungsmaterial. Neben Kupferstichen, deren Zuweisung an den Hofmaler der Gonzaga in Padua strittig ist, sind auch Beispiele von Reproduktionsgrafik ausgestellt: Blätter, die sich auf Bilder des Meisters beziehen wie eine Folge von Radierungen nach Fresken in der Kirche der Eremiten des heiligen Augustinus in Padua – ein Frühwerk Mantegnas. Im Besitz der Graphischen Sammlung der Staatsgalerie befindlich, liefern diese Radierungen des Mitte des 18. Jahrhunderts bei Genua geborenen Grafikers Giovanni David den Legitimationsgrund zu der Ausstellung an diesem Ort. Sie liegen in verschiedenen Zuständen vor, von denen in Stuttgart drei zu sehen sind – darunter eine einzigartige handkolorierte Fassung, die es ermöglicht, die weitgehend verloren gegangenen oder verblassten Originale farblich zu rekonstruieren. In filigraner grafischer Umsetzung überliefert der dritte Zustand Mantegnas Neigung zu bewegter Monumentalität. Der kolorierten Fassung liegt der mit Schraffuren noch sparsam operierende zweite Zustand zugrunde.

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Im Zentrum der Ausstellung stehen sieben Kupferstiche, die die Mehrzahl der Forscher Mantegna selbst zuschreibt. Kleinteilig und dramatisch bewegt die Szenerie des frühesten dieser Blätter, einer zu Beginn der 1470er Jahre entstandenen "Grablegung Christi"; meisterhaft in Komposition und Ausführung "Der auferstandene Christus zwischen den heiligen Longinus und Andreas". Die in Untersicht gegebenen, plastisch herausgearbeiteten Figuren sind hier, nicht anders als die innig-beseelte "Madonna mit Kind", in einen anonymen Umraum gestellt. Figurenreiche, lebendige Szenerien zeigen "Bacchanal mit dem Weinfass" und "Kampf der Seegötter". Wer, fragt sich der Betrachter, soll Schöpfer all dieser Blätter sein, wenn nicht Mantegna selbst? Bei anderen regt sich durchaus Zweifel.

Auch ein Beispiel für Reproduktionsgrafik ist Andrea Andreanis Folge von Holzschnitten nach Mantegnas "Triumphzug Caesars" . Goethe musste dieses Meisterwerk Mantegnas gar nicht im Original gesehen haben (er kannte es lediglich von Andreanis Holzschnitten ), um zu urteilen: "Wie man aber bisher ohne ihn leben konnte, begreif ich nicht recht."
– Staatsgalerie Stuttgart, Konrad-Adenauer-Str. 30–32. Bis 1. Februar, Di bis So 10–18 Uhr, Do bis 21 Uhr.

Autor: Hans-Dieter Fronz