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11. März 2009 19:39 Uhr

Zum Tod des Pianisten und Dirigenten James Avery

Ein Amerikaner in Freiburg

Der gebürtige Amerikaner James Avery wirkte von 1980 bis 2002 als Klavierprofessor an der Freiburger Musikhochschule. Jetzt ist dieser Interpret, der sich stark für die Neue Musik engagierte, 71-jährig gestorben.

  1. Engagiert, präzis und analytisch: James Avery Foto: BZ

Ende November vergangenen Jahres im Freiburger Jazzhaus. An diesem ungewöhnlichen Ort war das Eröffnungskonzert des Albert-Kammermusikfests. Auf eine Krücke gestützt, betrat James Avery die Bühne, setzte sich an den Flügel und spielte, wie man ihn kannte, Musik von Morton Feldman: hoch kompetent und hoch konzentriert. Es war die letzte Begegnung. Nun kam die Nachricht, dass der einstige Hochschullehrer 71-jährig einer schweren Krankheit erlag.

"Wer Neue Musik spielt, versteht die alte viel besser" – auf Avery, von dem es stammte (aus einem Gespräch mit dieser Zeitung), traf das Diktum zu. Auf den Künstler, mit dessen Namen man neue Tonkunst fast assoziierte. "Sie interessiert mich", bekannte er. So sachlich, so nüchtern konnte er sein, der gebürtige Amerikaner des Jahrgangs 1937, der sympathische Mann mit dem allzeit jungenhaften Aussehen, der runden Brille, dem Seitenscheitel und dem zuweilen spitzbübischen Lächeln. In der Heimat hatte "Jim", wie ihn seine Freunde nannten, studiert, danach bei Carl Seemann an der Freiburger Hochschule, die gewiss gut daran tat, den Pianisten 1980 als Professor und Nachfolger Edith Picht-Axenfelds in ihren Lehrkörper zu berufen. Eine Position, die Avery bis 2002 bekleidete und der bis 2004 ein Lehrauftrag folgte.

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Ob am Klavier oder als Dirigent, als den man Avery, vor allem in den späteren Jahren, immer häufiger erlebte: Musica nova und künstlerische Neugier trieben ihn um. Das Neue – und war es auch noch so kompliziert. Eine solche Kompliziertheit zu überwinden, ein als unspielbar geltendes Stück des Komponisten Claus-Steffen Mahnkopf dennoch erfolgreich zu realisieren: Diesem Ehrgeiz verdankt das Freiburger "Ensemble Surplus" seine Entstehung, zu dessen Mitgründern Avery im Jahr 1992 zählte. Mit ihm als Spiritus Rector bereicherte "Surplus" bald das Neue-Musik-Angebot in Freiburg und weit darüber hinaus. Am Pult dabei oft Avery, ein wenig nach vorn gebeugt, sehr engagiert, präzis und analytisch.

Klar, dass für Avery eine intensive Probenarbeit ungemein wichtig war. Ein veritabler Musiker, der von sich sagte: "Ich möchte offen sein für alle Stilrichtungen" – er war es. Sperrige Programme wie etwa vor vielen Jahren ein Janácek/Busoni-Klavierabend bei den Albert-Konzerten: ein Fall für Avery. Auch Vertracktes aus der Feder der Herren Boulez, Ferneyhough, Lachenmann und wie sie alle heißen.

James Avery, der mit seiner koreanischen Frau am Kaiserstuhl lebte, stand für Qualität. Die (Neue) Musik hat einen Interpreten, ja einen Fürsprecher verloren. Er wird fehlen.

Autor: Johannes Adam