Geld kann böse machen

Thomas Steiner

Von Thomas Steiner

Do, 01. März 2018

Kunst

"The Art of Making Money": Vierte Lesung der erfolgreichen Reihe im Literaturhaus Freiburg.

Ja, das liebe Geld. Oder ist es nicht vielmehr böse? Kommt drauf an, ob der Mensch es liebt oder es verachtet – und vor allem, wie viel er davon hat. Oder ob ihm einfällt, wie er welches machen kann. "The Art of Making Money" hieß dementsprechend das Motto im Literaturhaus bei der vierten Folge der Lesungsreihe "The Art of...". Wer die neun beziehungsweise sechs Euro Eintritt investierte, kam durchaus auf seine Kosten.

Zu einer kleinen Phänomenologie der Lebensgestaltung wächst sich diese wechselnd in der Theaterpassage und im Literaturhaus laufende Reihe mittlerweile aus. Nach der Kunst betrunken zu sein zur Premiere kamen die Kunst faul und die Kunst nicht menschlich zu sein. Entsprechende Stellen aus der Weltliteratur suchen die Kompilatoren der Reihe, die Freiburger Journalisten, Übersetzer und Autoren Stefan Kuß und Jürgen Reuß, heraus und stricken sie aneinander, zusammen mit Schauspielern des Theaters.

Heimlicher Star der Reihe ist mittlerweile Janna Horstmann, die auf der Bühne nicht nur liest, sondern die literarischen Figuren auch verkörpert. Wie dieses Mal ein Mütterchen aus Nikolai Gogols Romanklassiker "Die toten Seelen". Das Mütterchen ist skeptisch, weil es nicht weiß, ob das monetäre Angebot, das man ihm macht, moralisch vertretbar ist: Tote will ihm Pawel Tschitschikow abkaufen. Was will er mit ihnen?

Das erfährt man an diesem Abend nicht. Dafür muss man den Roman am stets bereit stehenden Büchertisch erwerben. Es sind Schlaglichter, die "The Art of..." auf die menschliche Existenz wirft. Man bekommt Ausschnitte aus diversen Zeiten, Ländern und Milieus zu sehen. Und so die Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen, die Ungleichheit im Gleichen.

Es geht vom Börsenparkett der Wall Street, wo die Masters of the Universe sich feiern, in ein indisches Elendsviertel, wo die Leute aus der Leiche eines überfahrenen Jungen wortwörtlich Kapital schlagen. Da geht es um einen unbeholfenen Banküberfall oder eine Familie, die sich ihre Bettlergarderobe anzieht. Da wird ein Buchhalter (wo und wann?) wegen "unmotivierter Mittellosigkeit" verurteilt, und es klingelt als Soundtrack die berühmte Kasse von Pink Floyd.

Belustigend und beklemmend zugleich ist die Wirkung dieser Collage, dieses Kaleidoskops finanzieller Verhältnisse. Und ein literarisches Vergnügen mit vielen Stimmen (als vierte Vorleserin war dieses Mal Mareike Kriegel dabei) und mit einem Running Gag: Immer wieder spricht ein Psychoanalytiker über Kinder und das Geld, erläutert ihren Weg vom Glauben an die magische Kraft der Münzen über die traumatisierende Erkenntnis, dass die Kaufkraft der Eltern begrenzt ist, bis zum ersten Ladendiebstahl. Ja, Geld kann böse machen.

Am Ende verteilten die vier von der Bühne Scheine ans Publikum. Leider ungültige von der Freiburger Bundesbankfiliale, geschreddert und als Zylinder aus Schnipseln wieder zusammengebunden. Da hatte man nun Geld – und doch keins.

Nächste Termine: Art of being obsessed, Passage 46, 13. März, 20.15 Uhr. Art of being Wutbürger, Literaturhaus, 17. April, 21 Uhr.