"Ich bin kein Weltverbesserer"

Gina Kutkat

Von Gina Kutkat

Mi, 25. März 2009

Ausstellungen

BZ-INTERVIEW mit dem Dokumentarfilmer Bodo Kaiser, der seine Filme im Rahmen des "Zuges der Erinnerung" zeigt.

Von Sonntag bis Mittwoch macht die fahrende Ausstellung "Zug der Erinnerung" in Freiburg Halt und erinnert an die über 12 000 Kinder und Jugendlichen, die 1940 mit Zügen in Konzentrationslager deportiert wurden. Im Rahmenprogramm wird die Widerstandstrilogie des Freiburger Filmemachers Bodo Kaiser (74) gezeigt. Gina Kutkat sprach mit ihm über seine Filme.

BZ: Wie kam es zu der Zusammenarbeit?
Bodo Kaiser: Ich wollte meine Trilogie aus dem Jahr 2003 ohnehin wieder einmal zeigen. Es bot sich an, das im Zusammenhang mit dem "Zug der Erinnerung" zu tun. Die Filme passen thematisch gut zu dem Projekt.
BZ: Worum geht es in den Filmen?
Kaiser: Zwei davon handeln von deutschen Widerstandskämpfern während des Nazi-Regimes: Kurt Hälker, Hans Heisel und Gerhard Leo. Im dritten Film geht es um den Ort Oradour-sur-Glane, der damals von der SS-Division "Das Reich" fast komplett ausgelöscht wurde.
BZ: Wieso spielt die Erinnerung an das Nazi-Regime bei Ihnen eine große Rolle?
Kaiser: Zum einen habe ich einen persönlichen Bezugspunkt, da ich 1934 geboren bin. Die Nazizeit habe ich als Zehnjähriger miterlebt. Außerdem beschäftigt mich die Frage, was die Deutschen angesichts der Hitler-Diktatur gemacht haben. Der Widerstand interessiert mich. Sich nicht einfach mit dem, was ist, einverstanden erklären und mitlaufen, sondern eigene Idee entwickeln und schauen, was an so einem Regime faul ist.
BZ: Verfolgen Sie mit Ihren Dokumentarfilmen konkrete Ziele?
Kaiser: Mein Anliegen ist es, das Thema sichtbar werden zu lassen. Was das Publikum damit anfängt, bleibt ihm überlassen. Ich bin kein Weltverbesserer. Der Film und die Berichte der Zeitzeugen wirken selbst.
BZ: Interessieren sich Jugendliche denn noch für die Vergangenheit?
Kaiser:
Von sich aus? Glaube ich eher nicht. Ich habe immer mehr das Gefühl, dass Jugendliche die Schnauze voll haben davon. Das ist ja das Problem, dass sie in der Schule auf eine merkwürdige Art und Weise mit dem Nazi-Thema konfrontiert werden. Man darf sie nicht regelrecht bombardieren damit.
BZ: Sondern?
Kaiser: Es kann nur klappen, wenn sich die Schüler intensiv mit dem Thema befassen und auch direkte Kontakte zu Überlebenden des Holocaust knüpfen. Ich habe vor kurzem einen Film über Ihringer Jugendliche gemacht, die die jüdische Geschichte ihres Heimatortes erkunden. Da war es plötzlich zu sehen: Das vitale Interesse für die Erinnerung.

– Widerstandstrilogie: Fr., 27., Sa., 28., So., 29. März, jeweils 17. 30 Uhr, Kommunales Kino, Freiburg.