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04. Dezember 2014

In der Summe seiner Existenz bleibt Robert Schumann ein Rätsel

Das Buch "Schumann interpretieren", das auf einem Basler Symposium aus dem Jahre 2010 fußt, bietet vielerlei An- und Einsichten zu dem Komponisten.

  1. Robert Schumann Foto: ZVG

Spielen wir Robert Schumanns Musik richtig? Hören wir sie richtig? Doch was heißt richtig bei diesem schwierigen Komponisten? Antworten auf diese Fragen zu finden, war der Grund für das Symposion "Schumann interpretieren" im Dezember 2010 in der Basler Musik-Akademie. Diese Antworten sind nun im kürzlich erschienenen Buch nachzulesen, dem der Herausgeber, der Basler Pianist und Komponist Jean-Jacques Dünki und seine beiden Mitarbeiter Anette Müller und Thomas Gartmann, ebenfalls den Titel gaben "Schumann interpretieren".

Was die Lektüre der An- und Einsichten der 26 Autorinnen und Autoren lesens- und bedenkenswert macht, ist die Tatsache, dass sich Musikwissenschaftler und konzertierende Musiker äußern, denn die einen informieren über den gegenwärtigen Stand der Theoriebildungen und die andern berichten über ihre Erfahrungen beim Spielen von Schumanns Musik. In diesem produktiven Nebeneinander wird auf 570 Seiten ein lebendiges und differenziertes Schumann-Portrait sichtbar, das eines zeigt: Dieser 1810 im sächsischen Zwickau geborene und 1856 in der Bonn-Endenicher "Nervenheilanstalt" gestorbene Komponist ist nicht eindeutig zu fassen, er bleibt in der Summe seiner Existenz ein Rätsel.

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Den Auftakt der Enträtselungen machen Peter Gülkes "Fünf Stichworte zu Robert Schumann", in denen er als der Nachgeborene erkannt wird. Goethes Tod 1832 bedeutete einen Epochenbruch, und das hieß für junge Komponisten: Gefordert ist jetzt ein neues Verständnis der Musik, eines, das "den Moment der Inspiration, der Epiphanie, festhalten" will. Dieses Momentum umkreist Schumanns Klaviermusik. Was Gülke als artistische Notwendigkeit ausweist, analysiert Anselm Hartinger als gesellschaftlich bedingtes Erfordernis. Er hat Konzertprogramme durchgesehen, wie sie im 19. Jahrhundert gespielt wurden, und weist nun nach, dass das Publikum nach Abwechslung verlangte, und das wirft ein neues Licht auch auf den "späten Schumann".

Das kluge Buch informiert die Leser zum Beispiel auch über "Robert Schumanns agogische Hinweise", beschreibt die "Apparate für die Fingerfertigkeit am Klavier", analysiert die "Wechselklänge einer Schumann-Parodie im Schönbergs Opus 21" und verrät Mario Venzagos Erfahrungen beim "Dirigieren von Robert Schumanns Symphonien". Dieses Buch ist eine Fundgrube, und wenn der Kopf schwer wird, tut es zuletzt gut, auf Andreas Staier zu hören: "Ich denke, das ist eines der wichtigsten Dinge, die man sich als Musiker antun kann: dass man eben versucht, irgendwann einmal so voraussetzungslos, wie es einem möglich ist,…an die Musikwerke heranzugehen." Insbesondere an die Robert Schumanns.
– Jean-Jacques Dünki, Hrsg. "Schumann interpretieren". Ein Forschungsbericht der Hochschule für Musik Basel. Studiopunkt Verlag 2014. 570 Seiten, 32 Euro.

Autor: cyb