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21. November 2012

Jedes Werk wird zu einem Ereignis

Sasha Grynyuk auf dem Jungen Podium im Burghof.

Gibt ein technisch meisterhafter Pianist ein Konzert, so ist dies ein Ereignis. Desgleichen wenn ein Pianist, der ein einfühlsamer Musiker ist, ein Konzert gibt. Verfügt dieser Pianist aber auch noch über eine auch im Kleinsten ausgefeilte Technik, so kann das Ergebnis h nur eine pianistische Sternstunde sein. Eine solche durften die Besucher erleben, als der junge ukrainische Pianist Sasha Grynyuk, der in Kiew geboren wurde und seine Ausbildung in seiner Heimatstadt begann und in London vervollständigte, seinen Auftritt auf dem Jungen Podium des Lörracher Burghofs hatte.

Mittlerweile ist er vielfach international auf bedeutenden Bühnen mit großem Erfolg aufgetreten, ist auch mit Preisen hoch dekoriert. Dies konnten die zahlreichen Besucher schon nach wenigen Augenblicken voll und ganz nachvollziehen. Grynyuk interpretierte die Werke mit einer derart großen Intensität, ließ jedes einzelne so zu einem unverwechselbaren Ereignis werden. Zwischen den unterschiedlichen Stilen bewegte er sich dabei mit traumwandlerischer Sicherheit, ließ jedem Werk unauffällig die ihm eigenen Charakteristika. Die Dynamik, die er dabei ausspielte, raubte den Zuhörern in ihrer großen Breite, die mit vielen Zwischenstufen ausgemessen wurde, oftmals geradezu den Atem. Vollkommen natürlich, ja zwangsläufig wurden die Wechsel zwischen virtuosen Passagen und lyrischen, oftmals meditativen Teilen gestaltet. Die Variationen im Tempo waren jederzeit natürlich. So versetzte sich Grynyuk in die verschiedenen Kompositionen hinein, nahm die Zuhörer mit auf eine aufregende Entdeckungsreise.

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Den Auftakt bildete die von dem Komponisten und Dirigenten Ferruccio Busoni für Klavier bearbeitete Chaconne aus der Partita Nr. 2 von Johann Sebastian Bach für unbegleitete Violine. Klar setzte Grynyuk Melodiestimme und Begleitung voneinander ab, gestaltete die unterschiedlichen Passagen des Werkes sehr differenziert. Bei den leisen Stellen hätte man die sprichwörtliche Stecknadel fallen hören können, so groß war die Spannung. In Schumanns Kinderszenen op. 15, von diesem als "Rückspiegelung eines Älteren für Ältere" komponiert, als Rückbesinnung auf die eigene Kindheit, gestaltete Grynyuk die dreizehn Miniaturen, und das so lebendig, dass man die Szenen vor dem inneren Auge vor sich sah.

Auch Rachmaninovs Preludes aus op. 23 und 32 wurden so als kleine, charakteristische Szenen gestaltet, der jeweils beschriebene Ausdruck war immer klar nachvollziehbar, sei es tiefe Trauer, ja Resignation, sei es eine lyrische Idylle. Als scharfen Kontrast wurden die Stücke nebeneinander gestellt, in ihrer Tiefe bis ins Kleinste ausgelotet. Ebenso intensiv wurden die Ausschnitte aus Igor Strawinskys Feuervogel-Suite ausgestaltet, vom geradezu Furcht einflößenden Danse infernale über die lyrische Berceuse hin zum grandiosen Finale. In kürzesten Passagen wurde souverän variiert, der ganze Körper schien die aufgebaute Spannung auszudrücken. Am Schluss geradezu euphorischer Beifall mit einigen Bravo-Rufen und vom Pianisten nicht weniger als drei Werke als Zugabe.

Autor: gmf