Salzburger Kontraste

Alexander Dick

Von Alexander Dick

Mo, 07. Januar 2019

Klassik

Weihnachtskonzert mit dem John-Sheppard-Ensemble.

Der Wolferl wollte weg, wollte nicht "so in einen Bettelort in Unthätigkeit verschlänzt" bleiben. Und wenn man sie so hört, die Musik, die im erzbischöflichen Salzburg erklang, als Wolfgang Amadé dort in Diensten stand, kann man ihm nur beipflichten: Das war Regionalliga, kein adäquater Spielort für das Genie Mozart. Die "Salzburger Weihnacht" des John-Sheppard-Ensemble führt das in der voll besetzten Freiburger Christuskirche anschaulich vor Ohren. Die Weihnachtsoffertorien der Herren Johann Ernst Eberlin und Anton Cajetan Adlgässer etwa: liebenswertes, aber harmloses 18. Jahrhundert. Punktum.

Bernhard Schmidt hat das Programm klug zusammengestellt, sein Chor agiert routiniert, das Orchester wirkt manchmal überrascht oder jedenfalls adhoc bei diesen Werken, einschließlich Leopold Mozarts Offertorium "Beata es, Virgo Maria". Der strenge Stil des strengen Vaters verweist in die verblichene Barockzeit zurück, in der Alleluja-Fuge erweist sich der Augsburger als Meister der reinen Polyphonie. Johann Michael Haydn, der Freund des Filius, lohnt noch immer eine Entdeckung. Seine pastorale – deutsche – Weihnachtskantate "Duetto pastorum" mit durchweg sordinierten Streichern (mit Dämpfer) zeigt in Richtung Schubert. Schade, dass das Orchester sich beim "Eilet"-Chor recht durchwuselt.

Es konzentriert sich eben alles auf den Höhepunkt – Wolfgang Amadeus Mozarts "Vesperae solennes de confessore". Bernhard Schmidts luzide, auf stimmliche Transparenz bedachte Deutung arbeitet die Kontraste ausgezeichnet heraus; hier kann auch der Chor seine Meisterschaft in Spalt- und Mischklang unter Beweis stellen; hier erweist sich das Orchester deutlich souveräner, ausdifferenzierter.

Eine Zierde der Aufführung sind die Solisten, allen voran Sonja Bühler, deren fast androgyn wirkender, klarer, zarter Sopran ideal für das berühmte "Laudate Dominum" ist. Karsten Müllers bemerkenswert leuchtender, fein artikulierender Bass empfiehlt sich für größere Aufgaben; ohne Tadel agieren Hanna Roos (Alt) und Timo Schabel (Tenor). Dass diese "Salzburger Weihnacht" die Tradition der Mitsingkonzerte, auch mit zwei Weihnachtsliedern, klangvoll fortführt, tut dem Abend mit viel "edler Einfalt" gut. Mozarts "Ave verum" setzt den Schlusspunkt – es entstand jenseits der Salzburger Enge, im Sterbejahr 1791.