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25. September 2009
"Star Wars fand ich öde"
BZ-INTERVIEW: Helmut Ehls über die Science-Fiction-Fankultur der 70er Jahre / Gespräch im Koki.
Es gab eine Zeit, da lasen viele Jungs "Perry Rhodan". Die Science Fiction (SF) hatte Hochkonjunktur – und noch mehr zu bieten als Weltraumabenteuer. Im Freiburger Kommunalen Kino läuft jetzt die Filmreihe "Retrospektive in die Zukunft – 70er-Science-Fiction aus DDR und BRD". Im Begleitprogramm gibt es am Sonntag ein Gespräch über SF-Fankultur. Mit dabei ist der Freiburger Lektor Helmut Ehls (51), in den 70ern Herausgeber eines SF-Fanzines. Mit ihm sprach Thomas Steiner.
BZ: Herr Ehls, SF in den 70ern – waren das nicht die merkwürdigen Jungs in der Klasse, die Perry-Rhodan-Heftchen lasen?Helmut Ehls: In Deutschland kam man schon in der Regel über Perry Rhodan zur Science Fiction. Aber wenn man sich weiter entwickelte in der Pubertät, dann las man anspruchsvolle Literatur von Stanislaw Lem bis Ray Bradbury und Philip K. Dick. Aber es ist eine Tatsache, dass Perry Rhodan damals von vielen männlichen Jugendlichen gelesen wurde, ich denke, in jeder Klasse von vielleicht 20, 30 Prozent der Jungs.
BZ: Wann war das bei Ihnen so?
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BZ: Das waren dann Taschenbücher von Heyne statt Heftchen?
Ehls: Von Heyne, von Goldmann, Ullstein, Fischer – jeder Taschenbuchverlag hatte seine Reihe. Die Herder-Buchhandlung bot massenhaft Taschenbücher für 2,80 Mark, leider meist schlecht übersetzt, oft auch gekürzt.
BZ: Danach kamen die Magazine?
Ehls: Dann wollte man das auch selber machen und fing an Kurzgeschichten zu schreiben – das war damals eine gängige Form in der SF – und in Magazinen zu veröffentlichten. Erst in Clubzeitschriften, die wollten Perry-Rhodan-mäßige Geschichten. Wenn man dann experimenteller schreiben wollte, musste man seine eigene Zeitschrift gründen.
BZ: Ihre hieß "Phalanx", wann gab es die?
Ehls: 1976 bis 1978. Am Anfang 50 Hefte, am Ende 300. Einige haben wir bundesweit verschickt, eines ging nach Kanada. Aber die meisten haben wir in Freiburg verkauft. "Phalanx" lag in der Walthari-Buchhandlung aus, der Buchhändler war auch einer unserer Redakteure.
BZ: Gedruckt wurde im Spiritus-Umdruck?
Ehls: Nur die erste Ausgabe. Dann der teure, aber besser lesbare Offset-Druck. Wir kannten einen Pfarrer in Umkirch, der das günstig machte. Das Betippen von Matrizen blieb einem trotzdem nicht erspart. Um den Drucktermin zu schaffen, schwänzte ich schon mal eine Bioklausur – keine Zeit zu lernen.
BZ: Was war denn so faszinierend an SF?
Ehls: Die Kindheit in den 60ern war ja geprägt von Technik-Euphorie: Raumfahrt, Mondlandung. Mein älterer Bruder hatte das Jahrbuch "Das neue Universum", da waren Ausklappbilder drin von futuristischen Städten oder Planetenexpeditionen. Das hat mich fasziniert.
BZ: War SF auch eine Jugendkultur?
Ehls: Die Erwachsenen fanden das blöd. Es gab natürlich auch SF-Fans der ersten Stunde, aus den 50ern, aber die kannten wir nicht.
BZ: Gab es Mädchen unter den SF-Fans?
Ehls: Wenige. Bei "Phalanx" vielleicht mal eines, das eine Zeichnung beisteuerte. Das lag auch daran, dass die Fantasy-Literatur noch sehr klein war damals.
BZ: Die Jugendkultur der 70er war politisch links, galt das auch für die SF-Fans?
Ehls: Die meisten Leute, die in den Fanzines schrieben, waren links. Rechte SF-Fans gab es auch, das war aber eher Stammtisch-mäßig: Weltraumhelden und fertig. Die Linke hat da lieber experimentiert.
BZ: War sie auch schon skeptisch gegenüber der Technik?
Ehls: Die Themen der SF der 70er waren Themen wie die drohende Überbevölkerung und die Umweltverschmutzung. Das war auch in den amerikanischen SF-Filmen so. Bis sich mit "Star Wars" alles änderte.
BZ: Das Weltraum-Märchen fanden Sie nicht gut?
Ehls: Ich fand "Star Wars" damals total öde. Später habe ich es rehabilitiert. "Alien" zwei Jahre später hat mich noch mal fasziniert.
BZ: In der Veranstaltung im Kommunalen Kino geht es auch um die SF-Fankultur in der DDR. Hatten Sie da Kontakt?
Ehls: Nur in Ausnahmefällen, etwa zu Thomas Franke, einem in der DDR lebenden Grafiker, von dem alle Grafiken wollten. Als Honorar hat er sich amerikanische Taschenbücher gewünscht, die musste man über Freunde in Polen zu ihm schmuggeln. Aber René Moreau aus Düren, der Herausgeber des Fanzines "Exodus", der am Sonntag kommt, kannte einige Leute drüben, auch Autoren wie Carlos Rasch.
– "Galeriegespräch", Sonntag, 20 Uhr, Kommunales Kino, Urachstraße 40.
Autor: tst
