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15. August 2010 17:06 Uhr
Festivalsommer
Wie war's bei ... Alice Cooper in Colmar?
Meucheln und meucheln lassen: Alice Cooper hat beim Konzert in Colmar wieder mehrere Leben gelassen. Und trotzdem gezeigt, dass er als Gründervater des Schock Rock unsterblich ist.
Der erste Eindruck: Die Hard Rock Session bei der Weinmesse in Colmar ist wie ein großes Familientreffen. Und wie das so ist bei derartigen Wiedersehensfeiern. Auf die einen – wie Alice Cooper – freut man sich. Mit anderen – wie Saxon – verbinden einen gemeinsame Erinnerungen. Und auf manche – wie Europe - hätte man liebend gern verzichtet.
Set List: Kleine, große und größte Hits: Alice Cooper bringt "School's Out" gleich zweimal, dazu Klassiker wie "Poison", No More Mr. Nice Guy", "I'm Eighteen" und "Elected". Europe spielen unter anderem "The Final Countdown", "Rock The Night", "New Love in Town" und Superstitious". Auf Saxons Programm stehen "Wheels Of Steel", "747 (Strangers In The Night"), "Motorcyle Man" und "Strong Arm Of The Law".
Das Publikum: 6000 Zuhörer aus dem Elsass und angrenzender Provinzen füllen das Betonrund zu zwei Dritteln. Fast alle tragen Turnschuhe, Jeans und Oberbekleidung aus schwarzer Baumwolle, bedruckt mit den Logos und Maskottchen der bevorzugten Band. Besonders hübsch: Ein älterer, schon etwas zahnloser Fan hat den "2 Minutes To Midnight"-Aufnäher auf dem Rücken seiner abgesägten Jeansjacke mit Kaninchenfell und Leopard abgesetzt.
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Rhetorische Frage des Abends: "Sollen wir einen alten oder einen neuen Song spielen?" (Peter Biff Byford, Sänger von Saxon).
Selbstironischer Moment des Abends: Der neue Song, den Biff Byford im Angebot hat, ist "Crusader" von 1984. Der alte Song heißt "Princess Of The Night". Er stammt aus dem Jahr 1981.
Ehre, wem Ehre gebührt: Saxon widmen ihre Hymne "Denim And Leather" Ronnie James Dio, dem im Mai gestorbenen Weggefährten und angeblichen Erfinder der Teufelshorn-Geste. Das Publikum quittiert die Widmung mit spontanen "Dio"-Sprechchören.
Was an Europe schlecht war: Seit wann sind Botox und gebleichte Zähne im Hardrock erlaubt? Wieso spricht Sänger Joey Tempest Deutsch mit seinem zu 90 Prozent französischen Publikum? Und: Ist es eine gute Idee, einen Song zu zitieren, den die Band, die direkt davor dran war auch schon gespielt hat, zumal es ihr eigener war?
Was an Europe gut war: Wahrscheinlich kann man nur bei dieser Band eine Frau Anfang 50 mit praktischer Seniorinnen-Frisur, weißem Polo, Strickjacke und Sandalen sehen, die sich bei "Final Countdown" in den Rücken wirft und Luftgitarre spielt.
Die Zeiten der Krise: Auch im Hardrock muss gespart werden. Also nutzt Cooper Synergie-Effekte: Einer seiner Roadies macht erst denn Gitarren-Soundcheck. Anschließend springt er in einen Dickies-Overall, der auf der Vorderseite mit einem Gerippe bedruckt ist und verbringt den Rest des Abends als Folterknecht auf der Bühne.
Bewertung: Alice Coopers Auftritt ist der Höhepunkt des Abends. Der Ahnherr des Schock Rocks hat sich einfach unsterblich gemacht. Das sieht man allein daran, dass ihm in Colmar weder die Guillotine, noch die Giftspritze oder die Eiserne Jungfrau etwas anhaben können. Alte Hits, bekannte Tricks, kompetente Band und sich selbst nicht so furchtbar ernst nehmen: Coopers Show zeigt, wie man auf unterhaltsame Weise von seinem Legendenstatus leben kann. Eine souveräne Vorstellung.
- Wie war's bei ... Placebo in Colmar?
Autor: Peter Disch
