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13. Oktober 2017 00:00 Uhr

Berlin/Freiburg

Allerweltsvogel wird "Vogel des Jahres 2018"

Der Star wird "Vogel des Jahres 2018" und folgt damit auf den Waldkauz, den "Vogel des Jahres 2017". Die Freude bei den Winzern dürfte sich in Grenzen halten.

  1. Der Naturschutzbund Deutschland und der bayerische Landesbund für Vogelschutz (LBV) haben den seltener werden Vogel ausgezeichnet. Foto: obs

Er ist ein talentierter Imitator und ein Kunstflieger: Doch der Star (Sturnus vulgaris), einer der markantesten heimischen Vögel, wird seltener. Jetzt erhält der kleine Vogel eine große Ehre: Er wird "Vogel des Jahres 2018" und folgt damit auf den Waldkauz, den "Vogel des Jahres 2017". Das haben der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) und der bayerische Landesbund für Vogelschutz (LBV) mitgeteilt. Die Freude bei den Winzern dürfte sich in Grenzen halten.

"Der Star ist bekannt als Allerweltsvogel. Doch seine Präsenz in unserem Alltag täuscht, denn der Starenbestand nimmt ab", erklärte Nabu-Präsidiumsmitglied Heinz Kowalski. Heute gebe es etwa eine Million Paare weniger als noch vor zwanzig Jahren. Der Bestand in Deutschland schwanke je nach Nahrungsangebot und Bruterfolg zwischen drei und viereinhalb Millionen Paaren pro Jahr.

Auf der Roten Liste der Brutvögel Deutschlands wird die Art inzwischen als "gefährdet" eingestuft. Als Ursache für den Rückgang macht der Nabu menschliche Einflüsse verantwortlich. "Es fehlt an Lebensräumen mit Brutmöglichkeiten und Nahrung, insbesondere verursacht durch die industrielle Landwirtschaft", betonte Kowalski. Der Verlust natürlicher Wiesen und die Abholzung von Wäldern mache es Staren schwierig, genügend Insekten und Nistplätze zu finden.

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Der Star ist für sein Talent bekannt, andere Vögel und Umgebungsgeräusche imitieren zu können. Er ahmt Hundebellen ebenso nach wie Alarmanlagen oder Handyklingeltöne. Im Herbst bilden Stare imposante Schwarmwolken, um gemeinsam in ihre Winterquartiere zu fliegen. Viele der Tiere ziehen aus Deutschland bis in den südlichen Mittelmeerraum oder nach Nordafrika. Andere Stare überwintern in Deutschland.

Dass die Wahl auf den Star gefallen ist, löst bei Winzern keine Jubelschreie aus. "Der Star ist kein gern gesehener Gast", sagte etwa Rolf Haxel, Präsident des Weinbauverbands Mosel. Gerade in den Randlagen der Weinberge sei nach dem Durchzug eines Schwarms oft keine einzige Beere mehr dran. "Die Stöcke sind ratzeputz leergefressen. Der Stil hängt dann dran wie eine Mumie."

Andere wie der Pfälzer Winzer Steffen Christmann haben ein ambivalentes Verhältnis zum Star. "Stare können ganz immense Schäden verursachen – nicht nur durch das, was sie wegfressen, sondern auch durch anpicken. Das fault dann weg", sagte der Präsident des Spitzenwinzer-Verbandes VDP. Auf der anderen Seite liebe er das Schauspiel der Schwärme am Himmel. "Wahnsinn, wie sie aufsteigen und dann herunterschießen."

Auch in Baden ist der Star gefürchtet. "Allerdings war dies in den vergangenen Jahrzehnten ein größeres Problem", sagt Peter Wohlfahrt, der Geschäftsführer des Badischen Weinbauverbandes. Heute sorge der Star nur noch punktuell für große Schäden. Abhilfe könne man durch akustische Signale oder das Einnetzen der Reben schaffen, so Wohlfahrt. Nabu und LBV vergeben den Titel "Vogel des Jahres" seit dem Jahr 1971. Die Organisationen machen damit auf die Gefährdung bestimmter Arten und ihrer Lebensbedingungen aufmerksam.

Autor: dpa/Dominik Bloedner