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15. März 2013 07:33 Uhr

BZ-Interview

Amateurastronom veranstaltet einen Kometenflug zu Panstarrs

Die Wolken verdeckten vielerorts die Sicht auf den Kometen Panstarrs. Um sich das Ereignis nicht vom Wetter verhageln zu lassen, fliegen einige Fans dem Kometen entgegen. Der Organisator im Interview.

  1. Der Komet Panstarrs ist am Nachthimmel über den USA zu sehen. Foto: AFP

Der Wintereinbruch hat nicht nur Frühlingsfans Nerven gekostet, sondern auch Astronomie-Enthusiasten: Denn die Wolken verdeckten vielerorts in Deutschland die Sicht auf den Kometen Panstarrs, der seit Mittwoch am Abendhimmel steht. Um sich das Ereignis nicht vom Wetter verhageln zu lassen, fliegen einige Fans am Samstag dem Kometen entgegen. Mit Organisator Stefan Krause von Eclipse-Reisen.de sprach Katharina Meyer.

BZ: Sie bieten am Samstag eine ziemlich ungewöhnliche Flugreise in einer Boeing 737 an: Start- und Landeflughafen sind identisch, dazwischen liegen zwei Stunden Flug. Wie sieht die Nachfrage aus?
Stefan Krause: Die ist ordentlich. Von maximal 88 Tickets haben wir schon 55 verkauft.

BZ: Sie wollen Ihren Kunden mit dem Flug einen Höhenblick auf den Kometen Panstarrs ermöglichen. Machen die 11.000 Meter so einen Unterschied?
Krause: Ja, natürlich. Erst mal sind Sie natürlich über den Wolken, die im Moment unten die Beobachtung stören. Zum anderen haben Sie zwei Drittel des Volumens der Erdatmosphäre unter sich. Das heißt, der Durchblick ist viel klarer, der Himmel ist dunkler und sie haben nicht diese Dunstschicht in Horizontnähe, die hier unten stört. Der Komet mit seinem Schweif wird einfach deutlich heller erscheinen als am Boden. Nicht ohne Grund stehen ja auch alle astronomischen Großsternwarten auf hohen Bergen.

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" Für uns und in Deutschland ist es der erste Flug zu einem Kometen."

BZ: Und wie muss man sich den Flug vorstellen?
Krause: Wir starten und landen in Köln. Wir fliegen natürlich so wenig wie möglich, also geografisch wird sich das über Nordrhein-Westfalen abspielen. Es geht ja nur darum, hoch zu sein. Dabei fliegen wir Schleifen von jeweils einer Viertelstunde, sodass man von jeder Seite aus den Kometen sehen kann.

BZ: Nur eine Viertelstunde lang?
Krause: Insgesamt eine halbe Stunde von jeder Seite. Wir fliegen viermal hin und her, zweimal nach Norden, zweimal nach Süden.

BZ: Zwei Ihrer vier Ticketkategorien sind ausverkauft. Was sind das für Leute, die für eine halbe Stunde Kometenblick 469 Euro zahlen?
Krause: Die Kunden, die das buchen, sind alles Amateurastronomen – und zum Teil Stammkunden von uns.

BZ: Es ist nicht der erste Flug dieser Art, den Sie organisieren?
Krause: Doch, das schon. Für uns und in Deutschland ist es der erste Flug zu einem Kometen. Zu Panstarrs ist es wohl weltweit der einzige Flug – zumindest wüsste ich von keinem anderen. So etwas Ähnliches hat es aber schon mal in Großbritannien gegeben, 1974 zu Komet Kohoutek. Und zum Halleyschen Kometen 1986 in den Niederlanden. Aber wir bieten noch andere astronomische Reisen an.

BZ: In Ihrer Flugbeschreibung gibt’s klare Sitzregeln: 15 Minuten lang ist der Komet zu sehen, nach der Hälfte der Zeit gibt’s eine Ansage und die Person am Fenster muss den Platz mit dem Sitznachbarn tauschen. Nicht gerade luxuriös.
Krause: Das Verfahren ist aber erprobt. Das hat bei einem Sonnenfinsternisflug, an dem wir 2008 beteiligt waren, gut geklappt.

BZ: Das größere astronomische Ereignis steht im Herbst ja noch bevor: Der Komet Ison, der wesentlich heller strahlen soll als Panstarrs. Fliegen Sie da auch hin?
Krause: Eher nicht, das ist bei Ison schwierig, seine Position passt nicht so gut. Dazu kommt, dass Ison mehrere Wochen lang gut am Nachthimmel zu sehen sein wird – da gibt es mehr Alternativen, ihn vom Boden aus zu sehen als jetzt, wo man nur ein Zeitfenster von ein paar Tagen hat.

BZ: Zurück zu Panstarrs – fiebern jetzt alle Astronomen dem Kometen entgegen?
Krause: Das ist gerade schon das große Thema in der Astronomieszene. Das große Fiebern ist aber eher bei denen angesagt, die am Boden bleiben – weil sie nicht wissen, ob sie ihn überhaupt zu sehen bekommen.
Stefan Krause, 48, ist Diplom-Biologe und Amateurastronom

Panstarrs

Wer selbst nach dem Kometen schauen möchte, könnte am Freitagabend Glück haben: Wenige Wolken werden erwartet, die Nacht wird klar. Nur dick einpacken sollten sich Kometengucker – es wird bitterkalt. Am Wochenende wird der Blick wahrscheinlich getrübt. Am Samstagabend ziehen Regenwolken auf, in der Nacht auf Montag bleibt es bedeckt. Panstarrs ist rund eine halbe Stunde nach Sonnenuntergang im Westen zu sehen – mit dem Fernglas, vielleicht sogar mit bloßem Auge. Ab dem 17. März verblasst er zusehends.

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Autor: Katharina Meyer