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24. Dezember 2011
Baumarkt-Silikon im Busen
BZ-INTERVIEW: Der Plastische Chirurg Björn Stark über den Rückruf von Brustimplantaten und minderwertige Medizinprodukte.
FREIBURG. Raus damit: 30 000 Frauen sollen sich in Frankreich vorsorglich ihre Billig-Brustimplantate entfernen lassen – raten die Behörden. Zwar scheint sich der Verdacht, das Produkt könnte Krebs erzeugen, nicht zu erhärten. Aber es steht fest, dass die Implantate auffallend schnell reißen oder lecken. Michael Brendler sprach darüber mit Björn Stark, dem Chef der privaten Erich-Lexer-Klinik und der Plastischen Chirurgie der Freiburger Uniklinik.
BZ: Die französischen Behörden rufen 30 000 Brustimplantate zurück. Was bauen Ihre Kollegen denn eigentlich für einen gefährlichen Schrott ein?Stark: Ich glaube, man sollte jetzt nicht zu sehr den Ärzten die Schuld geben. Es ist ja so, dass sie als Chirurg nicht im Einzelnen überprüfen können, welchen Qualitätsstandard offiziell zugelassene Medizinprodukte haben. Eigentlich sollte man ja davon ausgehen können, dass ein zugelassenes Brustimplantat genau wie ein Medikament auch sicher ist.
BZ: Wieso "eigentlich"?
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BZ: Sie haben zwar selber in der Uni- und Erich-Lexer-Klinik noch nie Implantate der Firma PIP verwendet, aber Sie haben sie schon ausgetauscht. Warum raten die Franzosen davon ab, diese Implantate im Körper zu belassen?
Stark: Das Problem ist, dass diese Produkte schnell undicht werden. Das heißt, sie laufen in den Körper aus und können dort Entzündungen verursachen. Hinzu kommt, dass es sich bei dem Inhalt nicht wie bei anderen Brustimplantaten um reines Silikon handelt, sondern um ein minderwertiges Material, das in Richtung Füllsilikon vom Baumarkt geht.
BZ: Allerdings könnte ich doch jetzt als Betroffene sagen, da warte ich doch einfach ab, bis etwas passiert. Warum soll man gleich das Implantat präventiv wechseln lassen?
Stark: Im Gegensatz zu einem normalen Silikonimplantat können hier gewebsschädigende Stoffe auslaufen. Das kann zu Schmerzen, Lymphknotenschwellungen und Narben in der Brust führen. Und vor allem Letzteres bringt wiederum die Gefahr mit sich, dass auch optisch Schäden entstehen, die man nachher nur eingeschränkt korrigieren kann – so dass die Patientin nachher statt eine schönere eine entstellte Brust hat.
BZ: Das heißt, man sollte bei welchen Symptomen unbedingt zum Arzt gehen?
Stark: Man muss einen solchen Schaden nicht unbedingt merken. Wir hatten hier Anfang des Jahres eine junge Frau in der Klinik, die von dem Leck ihres Implantats überhaupt nichts gespürt hat – man hat es auch nicht im Ultraschall gesehen. Das heißt, wenn eine Frau etwas merkt, dann ist es höchste Eisenbahn. Aber angesichts solcher Erfahrungen kann auch ich nur raten: Lassen Sie diese Produkte entfernen. Und wenn Sie sie austauschen, sollte gelten: Bei Dingen, die man in den Körper einpflanzt, sollte man nicht sparsamer sein, als bei den Autoreifen.
BZ: Und woran kann eine Frau erkennen, ob sie die fraglichen PIP-Implantate trägt?
Stark: Jeder Chirurg sollte seiner Patientin unbedingt einen Implantatpass aushändigen, in dem Firma und Chargennummer drinstehen. Wenn nicht, würde ich beim Operateur nachfragen.
BZ: Als Arzt, der auch mit solchen OPs sein Geld verdient, werden Sie sicherlich nun nicht allen Frauen von Brustimplantaten abraten. Warum braucht man bei einer solchen OP keine Sorgen zu haben?
Stark: Gerade weil Medizinprodukte nur unzureichend geprüft werden, verwenden die meisten seriösen Kollegen Produkte, die sie lange kennen und einsetzen. Vorsicht ist deshalb vor allem bei Billigangeboten und nicht klar etablierten Institutionen und Ärzten angebracht. Wenn man sich operieren lässt, sollte man sich genau damit beschäftigen, den Chirurgen fragen, was er für Implantate nimmt. Wenn ein Produkt schon 15 Jahre auf dem Markt ist, kann man davon ausgehen, dass es schon lange gescheitert wäre, wenn es Fehler hätte. Dennoch gilt: Auch gute Implantate müssen oft nach 10, 15, 20 Jahren ausgetauscht werden.
Autor: dpa


