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06. Dezember 2009 00:02 Uhr
Nikolaus
Knecht Ruprecht: ein Opfer der Pädagogik
Traurig, aber wahr: Knecht Ruprecht kommt nur noch selten vom Walde her. Während der Nikolaus im Akkord arbeitet, hat er nur wenig zu tun.
Knecht Ruprecht mag in abgelegenen Gegenden noch durch Fluren und Flure schlurfen, doch hat er als Begleiter des heiligen Nikolaus am Sonntag, Nikolaustag, wenig zu tun. Nur als Hund der Simpsons namens "Knecht Ruprecht" ist er täglich im Fernsehen. Welch ein Abstieg!
Vermocht hat dies die Pädagogik, die Ruprecht als strafenden, die Kinder erschreckenden Antipoden des meist ober- und grundgütigen Nikolaus abgesägt hat.
Allgemein wird es ja heute als erzieherisch nicht mehr passend befunden, "böse" Kinder auf den Pfad der Tugend und Frömmigkeit zu zwingen, indem man droht, sie mit Ruten zu verprügeln, in einen Sack zu stopfen und mitzunehmen oder sie gar aufzufressen.
Diesem Brauchtumswandel hatte sich auch der Nikolaus zu fügen. Ruprecht, der nichts dafür kann, ist der Dumme. Er sitzt nun tatenlos herum und schmollt. Für ihn ist das ganz, ganz bitter.
In manchen Gegenden vertrat Ruprecht das Prinzip des Belohnenden und Strafenden in Personalunion, so, wie dies umgekehrt manchmal auch der Nikolaus tut. Bei Theodor Storm ("Von drauß’ vom Wald komm’ ich her . . .") ist es gar das Christkind, das Knecht Ruprecht zu seinen Erziehungspflichten ruft.
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Was gar nicht geht, ist, Ruprecht oder den Nikolaus mit dem Weihnachtsmann zu verwechseln, der sich sowieso samt seinen Rentieren überall breit macht. Dies passiert heute im Kunsthof Meiningen, wo ein "Märchengericht" dem Weihnachtsmann namens Ruprecht (sic!) den Prozess macht. Anklage: Er fliege ohne Pilotenschein herum. Unfug!
Nikolaus und Ruprecht fliegen nicht. Nie! Sie haben vielmehr fußläufig durch jenen Schnee zu stapfen, der jetzt eigentlich die Erde zu bedecken hätte, dies aber wegen des Klimawandels selten mehr tut.
Der Schweizer Nikolaus übrigens wohnt im Schwarzwald und hat einen Esel dabei. Sein Knecht heißt Schmutzli. Und im Elsass trägt Schmutzli den Namen Hans Trapp.
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Autor: Nikolaus Arnegger
